Die Frau: Mensch des Jahres 2017

Die Frau: Mensch des Jahres 2017

Unser Mensch des Jahres: die Frau, stellvertretend für all jene Millionen, die gegen sexuelle Übergriffe, Misogynie, männlichen Machtmissbrauch, Respektlosigkeit und Diskriminierung auf der Straße protestierten und ihre #MeToo-Erlebnisse im Netz offenlegten. Dank ihrer Kraft wird 2017 auch den Beginn einer Periode markieren, in der sich beide Geschlechter ernsthaft an den Verhandlungstisch setzen müssen.

Jeder Wahl zum Menschen des Jahres gehen heftige redaktionsinterne Debatten voraus. Der logische Kandidat wäre diesmal Sebastian Kurz gewesen, doch nach langen Diskussionen war sich die ansonsten nicht immer konsensbegabte Redaktion einig: langweilig, weil zu naheliegend und vorhersehbar.

Ein aussichtsreicher Kandidat war bei diesen Diskussionsschlachten der Mann in all seiner Hässlichkeit – stellvertretend für Donald Trump, Harvey Weinstein, den britischen Verteidigungsminister Michael Fallon, Kevin Spacey (der sich bekanntlich an mehreren jungen Männern vergangen hat), den Starkomiker Louis C.K., den Amazon-Studio-Boss Roy Price, Bill Cosby, Peter Pilz … Die Outing-Liste der „mächtigen, alten Männer“, wie Peter Pilz es nannte und sich selbst dabei inkludierte, in deren Selbstbild Sexismus, Frauenverachtung und Selbstherrlichkeit eine schäbige und jahrelang unbeanstandete Allianz eingegangen sind, wollte heuer dank eines ideologischen Klimawandels kein Ende nehmen.

Supernackt in den rauchenden Trümmern ihrer Existenz

Bis auf Trump stehen viele dieser Täter heute supernackt in den rauchenden Trümmern ihrer Existenz. Zu Recht. Aber auch sie sind Opfer: Opfer ihrer Erziehung, Sozialisierung und eines gesellschaftlichen Konsens, der über diese zerstörerische Form von Machtmissbrauch jahrzehntelang hinwegsah und sie somit duldete. Heuchelei auf allen Seiten. Das erklärt, aber entschuldigt natürlich nichts. Denn diese mächtigen Alten sind auch Opfer ihrer Arroganz, Ignoranz und einer sturen Entwicklungsresistenz gegenüber den gesellschaftspolitischen Zeichen der Zeit.

Weinsteins mantraartig wiederholte Rechtfertigungs-Satzklötzchen wie „Ich bin in den 1960er- und 1970er-Jahren sozialisiert worden“ und „Damals war die Kultur eben so“ waren so daneben wie hilflos und ließen ihn noch erbärmlicher aussehen. Den langjährigen grünen Vorzeige-Knaben des politischen Anstands, Peter Pilz, brachte Anfang November ein profil-Artikel und ein vier Jahre zurückliegender Übergriff-Vorfall mit einem „ÖVP-Mädel“ (so die Pilz-Diktion laut der anonym verbliebenen Betroffenen) beim Intellektuellengipfel Forum Alpbach, an den er sich angeblich nicht erinnern konnte, zu Fall. Pilz begründete seinen Rücktritt wenigstens mit den reuevollen Worten: „Ich habe hohe Ansprüche, die gelten auch für mich.“

Die Welt haben all diese Auslaufmodelle wie Weinstein und seine geistesverwandten Geschlechtskollegen 2017 nachhaltig verändert, was die wichtigste Voraussetzung für die Wahl zu oder zum Menschen des Jahres seitens der profil-Redaktion wäre – ob zum Guten oder zum Schlechten, beides möglich. Allerdings taten sie es unfreiwillig und absichtsfrei, es ist ihnen passiert.

Womit das profil-Rennen für den Typ Mann, den wir schon lange nicht mehr wollen, und der jetzt, so die Hoffnung am Ende von 2017, wenn auch nur aus Angst und purem Selbsterhaltungstrieb, zunehmend freiwillig ausstirbt, gelaufen war.

Protest gegen rückwärts gewandtes Geschlechterverständnis

Der an der Stanford Universität lehrende Anthropologe Robert Sapolsky, weltweit angesehener Spezialist für das Verhalten von Pavianen, ist überzeugt: Hätte sich ein Alpha-Pavian in der freien Wildbahn „so hemmungslos“ wie Donald Trump benommen, hätte sich längst ein „halbes Dutzend Weibchen“ gegen ihn aufgelehnt und ihn „hochkantig rausgeschmissen“. Es waren aber und sind Millionen „Weibchen“, die sich gegen den mächtigsten Pavian der Welt und das rückwärts gewandte Geschlechterverständnis, das er und viele andere Männer unbeirrt leben, aufgelehnt haben und es noch immer tun.

All diesen Frauen, egal ob sie auf den weltweiten Protestmärschen gegen Trump und den Backlash, den er personifiziert wie kein Zweiter, auf die Straße gingen, ihre Geschichten nach dem Weinstein-Kollaps mit offenem Visier oder anonym unter dem Hashtag MeToo oder wie in Frankreich wesentlich rüder unter „balance ton porc“ (Verpfeif dein Schwein) twitterten, die Systeme männlichen Machtmissbrauchs medial anprangerten, wie die österreichische Ex-Rennläuferin Nicola Werdenigg, vormals Spieß, den ÖSV, oder den Mut fanden, die Unter- und Übergriffe ihrer Arbeitgeber, Chefs, Kollegen zu melden oder zur Anzeige zu bringen, ist diese profil-Ausgabe gewidmet.

Aktion „Girls For Gender Equity“

Denn es sind nicht nur die prominenten Vorreiterinnen, die im Schutze ihres Ruhmes oder ihrer Position, den Deckmantel des Schweigens zerrissen haben. Aber natürlich fungieren Frauen wie der Popstar Taylor Swift und ihr symbolgeladener Prozess-Sieg gegen einen Radiomoderator im vergangenen August, der der damals noch nicht berühmten Sängerin 2013 an den Hintern gefasst hatte, die Filmschauspielerin Ashley Judd, die als Erste ihr Weinstein-Martyrium öffentlich machte, oder Politikerinnen wie die schwedische Ministerin Åsa Regnér und ihre Kollegin Margot Wallström als Mutspender für die Frauen, die ihre Stimme und ihre Geschichte bislang für gewichtslos hielten. Weniger prominent, aber einflussreich hinter den Kulissen sind Persönlichkeiten wie die schwarze Frauenrechtlerin Tarana Burke, die 2006 in ihrer Aktion „Girls For Gender Equity“ bereits den Hashtag MeToo mit damals noch überschaubarer Durchschlagskraft ins Rennen brachte, um jungen unterprivilegierten Frauen mit Übergriffs-Erfahrungen das Gefühl zu geben, dass „sie nicht alleine dastehen.“

Ohne sie wäre die Filmschauspielerin („Charmed“) Alyssa Milano möglicherweise gar nicht auf die Idee gekommen, eines Nachts im Oktober zu twittern: „Falls alle Frauen, die sexuelle Gewalt oder Übergriffe erlebt haben, #MeToo als ihren Status schreiben, könnten wir der Welt eine Vorstellung von der Größenordnung des Problems geben.“ Am nächsten Morgen fand sie 18.000 Retweets unter dem Hashtag vor und gab der Welt eine Größenvorstellung des Problems.

Neben Judd, Swift, der Uber-Ingenieurin Susan Fowler, die die „toxische Kultur“ ihres Unternehmens entlarvte, der Lobbyistin Adama Iwu, und der mexikanischen Erdbeerpflückerin Isabel Pascual (ihr Name wurde auf ihren Wunsch geändert) ist auf dem aktuellen Cover von „Time Magazine“ unter dem Titel „The Silence-Breakers“, rechts unten nur ein Arm zu sehen: Er gehört einer jungen Spitalsangestellten, die es zwar wagte, ihre Geschichte, nicht aber ihre Identität preiszugeben.
Mit der täglich wachsenden Vorstellung, die die Welt von der Größe des Problems kriegt, werden auch diese Frauen den Mut finden, ihren Leidensgeschichten ein Gesicht zu schenken.

„You go and sit down“

Erst letzte Woche gab die Schauspielerin Salma Hayek in allen grauenerregenden Details ihre Erlebnisse mit dem „Monster Weinstein“ der „New York Times“ preis. Knapp davor waren drei Frauen, Rachel Crooks, Jessica Leeds und Samantha Holwey, an die Öffentlichkeit getreten, die Trump erneut und wiederholt sexuelle Übergriffe und Belästigungen vorwarfen und eine Untersuchung des Kongresses forderten. Für den US-Präsidenten dürften keine anderen Standards wie für den Rest der Welt gelten. Mindestens 20 solcher Anzeigen liegen seit den 1980er-Jahren gegen den Milliardär vor, konnten aber von seinen Anwälten abgeschmettert, verglichen oder für verjährt erklärt werden. „Wir halten die Angelegenheit für erledigt“, verkündete seine Sprecherin Sarah Sanders. So sad. Und so naiv obendrein. So läuft das nämlich nicht mehr. Die Büchse der Pandora ist sperrangelweit geöffnet.

Einem Kommandoton à la „You go and sit down“, den Donald Trump gern benutzt, um seiner First Barbie Melania zu signalisieren, dass es Zeit ist, die Bühne zu verlassen, gehorchen viele Frauen der westlichen Welt, wie das heurige Jahr zeigte, nicht mehr – egal ob er vom Präsidenten, dem Abteilungsleiter oder dem Ehemann kommt.

Und doch müssen wir dem Pussy-Grabber dankbar sein. Denn er brachte, wenngleich unfreiwillig, das zustande, wozu der Feminismus, zersplittert in unzählige, sich auch gegenseitig befehdende Gruppen, seit Jahrzehnten nicht imstande war: Er einte die Frauen, indem er sie auf die Straße trieb. Retrospektiv betrachtet haben wir es also im Jahr 2017 mit einem echten Paradoxon zu tun: Der US-Präsident, aus dessen Mund in regelmäßigen Abständen die haarsträubendsten Misogynie-Sager ploppen („Es ist egal, was die Medien schreiben, Hauptsache, du hast ein schönes, junges Stück Hintern an deiner Seite“), und der „die männlichste Politik im Weißen Haus“ („New York Times“) verantwortet, ist indirekt für die größte genderpolitische Revolution seit den 1970er-Jahren verantwortlich. Das Timing war eindeutig auf Seite der Revolution.

Flächenbrand der Empörung und Auflehnung

Denn der Women’s March in Washington am 21. Jänner (also einen Tag nach der Amtseinführung von Donald Trump), begleitet von Millionen Frauen weltweit, die häufig bewaffnet mit einer nicht sehr kleidsamen rosa Mütze (als Referenz zu Trumps „You just have to grab them by the pussy“-Sager) protestierten, bereitete den Boden für das, was im Oktober nach dem Weinstein-Kollaps folgte: ein globaler und in dieser Intensität noch nie dagewesener Flächenbrand der Empörung und Auflehnung. Eine Auflehnung nahezu ausschließlich von Frauen, bei der sich Wut und Mut gleichermaßen die Waage hielten, und die sich nicht nur gegen die einzelnen Täter, sondern auch gegen eine sexistisch verkrustete Alltags- und Erniedrigungskultur richtete.

Sexismus hat nur marginal mit Sex zu tun, sondern vor allem mit Macht. Er ist eine Strategie, um die „You-go-and-sit-down“-Mentalität zu festigen und das Machtgefälle zugunsten der Männer aufrechtzuerhalten. „Ça suffit – es reicht“, sagte Brigitte Macron, Frankreichs First Lady, Mitte Oktober in die Mikrofone bei einer Theaterpremiere, die sexuelle Gewalt thematisierte, „ich bewundere alle, die ihr Schweigen brechen. Und ich spüre es ganz genau: Eben passiert etwas, dessen Ausmaß uns noch alle erstaunen wird.“

Sie sollte Recht behalten. Jedoch ohne die Klimaverschärfung und die auf Alarm gestellten Wachsamkeits-Antennen durch Trump und sein unkonditioniertes Primaten-Gehabe wären der Weinstein- Skandal und die daraus resultierende #MeToo-Bewegung möglicherweise nach wenigen Wochen wieder verpufft und als eine Hollywood-Problematik marginalisiert worden. Die Gesellschaft der westlichen Zivilisation wäre dann diskurserschöpft, resignativ und wahrscheinlich auch ein wenig erleichtert wieder zur Tagesordnung geschritten.

Die Saat war gesät

Wie so oft bei hoher Debatten-Temperatur in den sozialen Medien, wie die deutsche Feministin und Initiatorin der #Aufschrei-Kampagne 2013 (der Hashtag begleitete die sexistische Entgleisung des FDP-Politikers Rainer Brüderle gegenüber der Journalistin Laura Himmelreich) Anne Wizorek in einem profil-Interview zu unserer Cover-Geschichte mit der polemischen Titel-Frage „Sind alle Männer Tiere?“ (profil Nr. 44/2017) bestätigt: „Es wird leider auch vonseiten der Betroffenen versucht, das Geschehene schnell wieder quasi zu normalisieren. Dabei handelt es sich schlichtweg um einen Überlebensmechanismus des Gehirns, das darf man niemandem zum Vorwurf machen.“

Doch diesmal ist es anders: Anders als nach der Wutwelle, die nach dem Freispruch des damaligen IWF-Präsidenten Dominique Strauss-Kahn, den „brünftigen Schimpansen“, wie ihn eines seiner Opfer nannte, 2011 erschreckend rasch wieder verebbte; anders als nach der Treibjagd auf Julian Assange, den australischen Whistleblower, der sich seit fünf Jahren in der Londoner Botschaft von Ecuador dem Zugriff der schwedischen Behörden wegen der Vorwürfe des nicht einvernehmlichen Sex entzieht. Anders als nach dem oft demütigenden Einzelkampf der schwarzen Juristin Anita Hill, der Mutter aller Mutigen, die 1991 den Begriff „sexuelle Belästigung“ erstmals ins kollektive Bewusstsein gerückt hatte, als sie ihren ehemaligen Arbeitgeber, Clarence Thomas, einen Richter des „Supreme Courts“, anklagte und verlor. Doch die Saat war gesät; Tausende von Amerikanerinnen sahen in Anita Hill – zumindest kurzfristig – ein Sprachrohr für das, was ihnen in Büros, Ämtern, Supermärkten, Imbissbuden oder in den eigenen vier Wänden widerfahren war.

„Wollt ihr einen Präsidenten oder wollt ihr einen Heiligen?“

1997 überstand Bill Clinton ein Impeachment-Verfahren, in dem ein blaues Kleid der Firma Gap, das seine Praktikantin Monica Lewinsky beim oralen Sex mit dem Präsidenten getragen hatte, eine symbolgeladene Rolle spielte. „Wollt ihr einen Präsidenten oder wollt ihr einen Heiligen?“, hatte Hillary Clinton verzweifelt den Empörten zugerufen. Einen Satz, den auch sie verhältnismäßig unbeschadet überlebte. 20 Jahre später hat sich eine solche Sicht der Dinge total überlebt. Denn wie in fast allen Fällen ging es auch bei Clinton nicht um ein Kavaliersdelikt in einer ohnehin so übersexualisierten Gesellschaft, sondern um eine massive Verletzung seiner Machtgrenzen.

Es sind zu viele, die nicht mehr zu diesem Normalzustand zurückkehren wollen, also einer Alltagskultur, hinter die sich eine Nebelwand aus Missbrauch, Verletzung, Manipulation und Diskriminierung geschoben hat.

Unter ihnen auch viele Männer, die sich wie der Schauspieler Mark Ruffalo unter dem Hashtag „How will I change?“ die Frage zu stellen beginnen: Was für eine Art von Mann möchte ich eigentlich sein?

Doch es sind noch immer viel zu viele Männer, die sich aus der Diskussion ausklammern oder zu verunsichert sind, sich zu äußern. Und mit Sicherheit viel zu wenige, die sich in der Lage sehen, ihre eigenen traumatisierenden Erlebnisse auf den Tisch zu legen. Denn auf sexistisch motivierte Gewalthandlungen haben Frauen kein Opfermonopol. Wie man an Kevin Spacey oder der katholischen Kirche sieht. Dass Männer noch schambesetzter sind und sich noch schwerer als Frauen damit tun, ihre Verwundungen und Demütigungen in Worte zu fassen, weil das der gängigen Vorstellung von Männlichkeit widerspricht, ist bekannt. Erinnern wir uns nur an die jahrzehntelangen Mauern des Schweigens, hinter der die katholische Kirche die Missbrauchs-Delikte in den eigenen Reihen (deren Opfer vor allem Männer waren) zu kaschieren imstande war. Doch der aktuelle Fahrtwind wird auch sie, wenn auch verzögert, erfassen.

Reglement eines zukünftigen Miteinanders neu bestimmen

Es ist die Kraft der Masse von Mutbürgerinnen, die 2017 zu einer Art „Ground Zero“ für die Geschlechterbeziehungen werden ließ. In den Trümmern einer überholten und zur Entsorgung freigegebenen Vorstellung von Männlichkeit werden sich beide Parteien an den Verhandlungstisch setzen und das Reglement eines zukünftigen Miteinanders neu bestimmen müssen.
Einen Ausblick, wie dieser Relaunch der Regeln aussehen könnte, gibt die französische Staatssekretärin für Frauenfragen Marlène Schiappa, die jene Typen, die die Straße als Austragungsort für ihre niedrigen Instinkte missinterpretieren und Frauen hinterherpfeifen oder deren Körperteile lautstark klassifizieren, ab 2018 mit einem Strafausmaß von Minimum 3000 Euro sanktionieren will: „Die Straße muss in Frankreich wieder den Frauen gehören.“

Radikal, aber, so die Schriftstellerin Juli Zeh, „jede Gesellschaft braucht eine Dosis Amok“, um sich von Altlasten, Bürden und überkommenen Traditionen zu reinigen. Ohne harte Strafen und klare, gesetzlich verankerte Verbote wird kein Weiterkommen sein, wie das Ausmaß der Leidensgeschichten ganz klar zeigt. Ohne massiv einschneidende Regelungen wird es auch noch ein knappes Jahrtausend brauchen, genauer gesagt 951 Jahre, bis Frauen, so die internationale Arbeitsorganisation, mit einer völligen Gleichberechtigung in allen Bereichen rechnen dürfen. So viel Zeit haben wir nicht mehr.

F-Wort hat plötzlich wieder Sex-Appeal

De facto war 2017 ein gutes Jahr, weil es einem monumentalem Weckruf für den Feminismus gleichkam. Das jahrelang ungeliebte F-Wort hat plötzlich wieder Sex-Appeal bekommen. Auch wenn Angela Merkel, auf die Frage, ob sie Feministin sei, beim W20 Women-Gipfel im Sommer in Berlin, ins Stottern kam: „Ehrlich gesagt möchte ich mich nicht mit einem Titel schmücken, den ich gar nicht habe“, während sich Ivanka Trump mit Begeisterung neben Merkel als Feministin bekannte.

Die beste Definition von Feminismus lieferte die 2010 verstorbene Frauenpolitikpionierin Johanna Dohnal 2000, auch um ihrer Angst vor der damaligen schwarz-blauen Regierung Ausdruck zu verleihen: „Die Vision des Feminismus ist keine weibliche, sondern eine menschliche Zukunft – ohne Rollenzwänge, ohne Machtverhältnisse, ohne Männerbündeleien und Weiblichkeitswahn.“

Beruhigend, dass die neue Nationalratspräsident Elisabeth Köstinger im Parlament eine Anlaufstelle für sexuelle Belästigung initieren wird. Deprimierend, dass sie dafür mit der Wirtschaftscoacherin Christine Bauer-Jelinek eine Frau zur Schirmherrin erkoren hat, die 2012 in einem Interview mit der Zeitung „Österreich“ den Feminismus zum Auslaufmodell erklärte: „Die Frauenbewegung hat alle ihre Ziele erreicht – nämlich die Gleichberechtigung. Frauen können heute alles werden – außer Päpstin.“

(Dieser Artikel erschien am 17. Dezember 2018 in profil 51/2017)