profil-Morgenpost: Dreckschleudern und braune Flecken

FPÖ Expertenkomission Andreas Mölzer, Christian Hafenecker und Wilhelm Brauneder, Michael Wladika anlässlich der Präsentation des Berichtes der FPÖ-Historikerkommission

FPÖ Expertenkomission Andreas Mölzer, Christian Hafenecker und Wilhelm Brauneder, Michael Wladika anlässlich der Präsentation des Berichtes der FPÖ-Historikerkommission

Guten Morgen!

Früher glaubte man irgendwie, dass nur in den USA schmutzig wahlgekämpft wird. Deswegen sagen Fachleute bis heute „dirty campaigning“, wenn es wieder mal persönlich und untergriffig wird. Spätestens mit der vergangenen Nationalratswahl –wohl eher früher – scheinen die dreckigen Methoden in Österreich gang und gäbe.

Auch dieser Sommer hatte schon Allerlei zu bieten, bunt durcheinander gemischt und von unterschiedlicher staatspolitscher Relevanz: Ibiza, Shreddergate, Zoom-Institut, angeblich gefälschte E-Mails hier, angeblich gefälschte E-Mails dort. Die Politik befasst sich derzeit gerne mit sich selbst und mit der Frage, wer denn der Schmutzigere ist.

Die Wähler würden vielleicht lieber erfahren, wie es mit Klimawandel, dem Wohlfahrtsstaat, dem digitalen Umbruch, den Steuern, der Migration oder dem Wohnen weitergeht – zu Ersterem gibt übrigens der Grüne Werner Kogler im aktuellen profil Auskunft, mit Letzterem befasst sich wiederum profil-Redakteurin Christina Pausackl.

Aber ohne Schmutz geht es gerade nicht in Österreich. Gernot Bauer und Clemens Neuhold fragen sich deswegen: „Ist Politik ohne Verleumdungen, Untergriffe, Anzeigen nicht mehr möglich? Die Antwort lesen Sie ebenfalls im aktuellen Heft. Dabei erfahren Sie auch, dass schon Schopenhauer und Cicero sich damit beschäftigten, wie der Charaktermord wohl am besten gegen den (politischen) Gegner anzuwenden ist.

An einer anderen dreckigen Sache – es geht um braune Flecken – können wir uns erst in der nächsten Ausgabe abarbeiten: Am Montag wollte die FPÖ – ausgerechnet im Wahlkampf (!) – ihren lange erwarteten Historikerbericht vorstellen, der sich mit der Vergangenheit der Partei und ihrem Verhältnis zum Nationalsozialismus auseinandersetzten sollte. Stattdessen wurde ausgewählten Medienvertretern eine 32-seitige Mini-Version präsentiert – auf die restlichen tausend angekündigten Seiten muss das Land weiterhin warten.

Für die Art wie die FPÖ nun mit der Chance mit sich selber ins Reine zu kommen umgegangen ist, gibt es jedenfalls viel Kritik. Es ist ja nicht so, dass das Verhältnis von Politik zu Schmutz den Wählern vollkommen wurscht ist.

Christoph Zotter