profil-Morgenpost: Wenn uns die Hitze schreddert

Sebastian Kurz bei seinem Besuch im IT-Mekka Silicon Valley (bzw. für eine christlich-soziale Partei: im IT-Mariazell)

Sebastian Kurz bei seinem Besuch im IT-Mekka Silicon Valley (bzw. für eine christlich-soziale Partei: im IT-Mariazell)

Warum sich Herr M. zur Strafe vielleicht 23 James-Bond-Filme innerhalb einer Woche anschauen muss.

Guten Morgen!

Ein Schredder dient zur Sperrmüllzerkleinerung, früher nannte man ein solches Gerät einen „Häcksler“ oder „Hacker“. Vor Hackern fürchtet sich die ÖVP seit 2017 – nicht vor Sperrmüllzerkleinerern, sondern vor den synonymen Datenabsaugern, die damals ÖVP-Geheimpapiere an die Öffentlichkeit spielten. Aus Angst vor neuerlichen Hackereien – „Wir sind gebrannte Kinder“ (ÖVP-Generalsekretär Karl Nehammer) – wurde nach dem Platzen der ÖVP/FPÖ-Koalition im Mai Herr M. (damals Mitarbeiter des Kanzleramtes, heute der Volkspartei) zu einem gewerblichen Schredder-Betreiber geschickt, um dort fünf Festplatten vernichten zu lassen. In James-Bond-Filmen ist M. bekanntlich der Boss, in der ÖVP nur ein junger Mann, der „nicht korrekt“ (Karl Nehammer) gehandelt hat. Zur Strafe muss sich M. vielleicht 23 James-Bond-Filme innerhalb einer Woche anschauen, wie das profil-Kulturchef Stefan Grissemann schon 2012 tat, als Schredder wahrscheinlich noch „Hacker“ hießen.

Ihre politischen Mitbewerber sehen in der Schredder-Sache eine Staatsaffäre, die ÖVP einen weiteren Anlass, auf ihre Opferrolle und das Dirty-Campaigning im Wahlkampf 2017 zu verweisen, das seinerzeit von profil aufgedeckt wurde. Jedenfalls zeigt die Chose: Die ÖVP hat ein IT-Problem, das den Parteiobmann ausgerechnet im IT-Mekka (bzw. für eine christlich-soziale Partei: im IT-Mariazell) Silicon Valley einholte. Dort wird an künstlicher Intelligenz geforscht, die in Zukunft Mitarbeiter millionenfach ersetzen könnte (auch solche in Parteizentralen).

Ex-Innenminister Herbert Kickl nutzte den Vorfall für eine Klarstellung: Er hätte das Innenministerium nach seiner Entlassung ordentlich übergeben, geschreddert wurde laut Kickl nichts – auch nicht die lahmenden Polizeipferde. Herbert Kickl hält Sebastian Kurz übrigens für einen „Schönwetterpolitiker“ – warum erklärt er im aktuellen profil-Interview.

Einen gelungenen Schönwetter-Donnerstag wünscht die profil-Redaktion – auch wenn uns die Hitze heute schreddern wird!