profil-Morgenpost: Tag der Torte

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Guten Morgen!

Wolfgang Paterno

Wolfgang Paterno

Damit auch wirklich jeder Tag des Jahres zumindest ein kleines Geheimnis birgt oder für ordentlich Gesprächsstoff sorgt, ist die Menschheit irgendwann dazu übergegangen, jeden Tag im Jahreslauf in eine spezielle Gedenk- oder Aktionstag-Verpackung zu zwängen. Das reicht von Sinnvollem wie dem Weltfriedenstag am ersten Tag jedes Jahres und dem 1. März als Welttag der Komplimente, die beide ein bisschen Licht in das oft beklagte Dunkel unserer Gegenwart bringen, und lässt zwischendurch genügend Raum für allgemeinen Unsinn wie den Welt-Staudamm-Tag (14. März), den Sei-heute-ein-Punk-Tag (25. Oktober) und den Welttag des Purzelbaums (27. Mai), der nach längerem Nachdenken durchaus dazu beitragen könnte, die gefühlt versteinerten Verhältnisse – Stichwort: Klima- und andere Katastrophen – ein wenig zum Tanzen zu bringen.

Diesen Mittwochmorgen schälen sich gleich vier Aktionstage mit eher bleischweren Gliedern aus dem Bett, denen der Drang zu Höherem auf den ersten Blick völlig fremd scheint, die bei ausführlicherer Betrachtung jedoch Assoziationen an die österreichische Innenpolitik im Spiegel der profil-Berichterstattung wecken. Aber der Reihe nach. Heute begehen wir den Tag des selbst gemachten Trockenfleisches, den Streichholz-Tag, den Tag des Musicals „Pins and Needles“, das 1937 am Broadway Premiere feierte, und schließlich den Tag der Bayrisch-Creme-Torte.* Der Tag des selbst gemachten Trockenfleisches lässt zweifellos an das von Kanzlerin Bierlein drastisch reduzierte Inseratenbudget denken (berichtet von Jakob Winter); der Streichholz-Tag vermag hoffnungsvoll Licht ins Dunkel der Causa Casinos bringen (Michael Nikbakhsh, Christina Pausackl, Gernot Bauer und Stefan Melichar decken auf); die Nadeln am „Pins and Needles“-Tag dürfte die SPÖ derzeit schmerzlich verspüren (siehe das Interview von Christa Zöchling mit Ex-Finanzminister Ferdinand Lacina). Und der Tag der Bayrisch-Creme-Torte? Den darf jeder nach Gutdünken feiern.

In diesem Sinne einen guten Mittwoch!

Wolfgang Paterno

* Dank an Julia Otterbach und Alexandros Stefanidis und ihr unverzichtbares Kompendium „Das Welttage-Buch“ (Benevento)