profil-Morgenpost: Das Vorher-Nachher-Dilemma

profil-Morgenpost: Das Vorher-Nachher-Dilemma

Guten Morgen!

Indiskrete Frage: Sind Sie schon etwas älter? Konkret: Können Sie sich noch an den Wahlkampf 2006 erinnern? Damals plakatierte die SPÖ einen Eurofighter, der Text dazu: "Hier fliegt Ihre Pensionserhöhung." Genauso wenig subtil der Subtext: Schwarz-Blau investiert lieber in sündteure Abfangjäger als in den Sozialstaat. Die Botschaft erwies sich als Trägerrakete, brachte Alfred Gusenbauer von der Oppositionsbank ins Kanzleramt – und prompt begannen die Kalamitäten: Von den Wahlversprechen wie Studiengebühren und Co blieb wenig übrig, Genosse Pechvogel vulgo Norbert Darabos zog das "große Los" (Copyright: Gusenbauer) und musste den Eurofighter-Deal verhandeln. Wenig später war Gusenbauer Ex-Bundeskanzler (und Darabos versuchte sich in neuer Rolle, als "Bollwerk" gegen die FPÖ im Burgenland) – Gusenbauer war auch daran gescheitert, in der Opposition den Mund etwas zu voll genommen und mehr versprochen zu haben, als er einlösen konnte.

Eva Linsinger

Eva Linsinger

Die schier unendliche Geschichte der Eurofighter füllte seither U-Ausschüsse und profil-Seiten, vorige Woche beleuchtete Spürnase Stefan Melichar das jüngste Eurofighter-Geständnis, das seither das Verteidigungsministerium in Atem hält, für die kommende profil-Ausgabe wühlen sich Melichar und Investigativ-Kompagnon Michael Nikbakhsh durch die lange Eurofighter-Historie und widmen sich intensiv dem Thema: Gab es Zahlungen? "Politische Zuwendungen"? Am Sonntag wissen Sie mehr.

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Schon jetzt wissen wir: Das Vorher-Nachher-Dilemma erweist sich nicht nur für Gusenbauer als kniffelig (er laboriert bis heute daran, vor allem am Detail: Mit wem darf ein ehemaliger Sozial-Fighter Geschäfte mit welchem Verdienst machen?) Im Moment mühen sich die Grünen damit ab, die in der außerparlamentarischen Opposition das Gute, Wahre und Schöne und die prompte Weltrettung versprochen haben – und sich nun, in der Regierung, bemühen, die Prinzipien nicht über Bord zu werfen. Sie verzichten auf Dienstwägen und Flugzeuge, radeln lieber oder sitzen im Zug. Das ist vorbildlich und konsequent – und wahnsinnig anstrengend. "Der Alltag eines grünen Abgeordneten besteht zu 20 Prozent daraus, darauf zu warten, dass andere Grüne, die gerade im Zug sitzen, wieder Empfang haben" zitiert Rosemarie Schwaiger in "In öffizieller Mission" den Grünen Abgeordneten Michel Reimon.

Sogar Sebastian Kurz wird älter. Er ist der jüngste Kanzler Europas – aber das längstdienende Mitglied der österreichischen Regierung. Wie er seinerzeit als Außenminister über die Seerettung von Migranten dachte und was er jetzt als Kanzler sagt, lesen Sie in "Einmal Sophia und Zurück".

Haben Sie einen schönen Freitag!

Eva Linsinger

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