Nina Proll, Martina Ebm, Adina Vetter und Maria Koestlinger

© APA/Herbert Neubauer

Österreich
06/19/2021

„Die Entwicklung hin zur Impfpflicht ist brandgefährlich“

In der Filmbranche verlangen große Produzenten eine Impfung für die Arbeit am Set. Schauspielerin Nina Proll widersetzt sich.

von Clemens Neuhold

profil: Sind sie geimpft? Lassen Sie sich impfen?

Nina Proll: Ich sehe für mich aktuell keinen Anlass, mich impfen zu lassen.

profil: Ist Impfen Thema in der Kollegenschaft? Gibt es Mobbing gegenüber jenen, die skeptisch sind?

Proll: Impfen ist für viele Kollegen ein großes Thema, viel sind bereits geimpft oder können es kaum erwarten. Direktes Mobbing habe ich persönlich noch keines erfahren. Wie viele Produktionen mich wegen meiner kritischen Haltung allerdings nun gar nicht erst anfragen, weiß ich natürlich nicht. Es gibt aber zum Glück  auch  Produzenten und Sender, die einen wesentlich entspannteren Zugang zu dem Thema haben und mich dennoch – oder vielleicht gerade deshalb - engagieren.

profil: Wenn Sie persönlich mit einer Impfpflicht konfrontiert werden, wie Kollegin Eva Herzig beim "Steirerkrimi", wie gehen Sie damit um?

Proll: Ich würde anbieten, mich jeden Tag testen zu lassen, und nötigenfalls die Kosten selbst übernehmen. Wie auch immer man zum grünen Pass steht. Wenn er gilt, dann muss er auch für Schauspieler gelten. Und dies bedeutet nun mal: geimpft oder getestet oder genesen. Warum ausgerechnet jetzt, wo bereits viele geimpft sind, das Testen nicht ausreichen soll, wo wir doch ein Jahr lang genau so, nämlich nur mit Testen, gedreht haben, ist mir ehrlich gesagt schleierhaft.

profil: Argumentiert wird mit der Intimität und Enge am Set. Die Impfung wird wohl als sicherer erachtet im Vergleich zu Tests.

Proll: Ich halte diese Entwicklungen für höchst bedenklich und brandgefährlich und zwar gesamtgesellschaftlich. Was hier stattfindet ist klassische Diskriminierung und Ungleichbehandlung und wird letztlich in eine Zweiklassen-Gesellschaft führen. Getarnt durch angebliche „Sorgfaltspflicht“ geht es hier mit Sicherheit nicht um Gesundheit, sondern um die Ausfallshaftung im Falle eines positiven Coronabescheids. Deswegen werden die Schauspieler in die Impfpflicht genommen. Aber wer übernimmt die Haftung für etwaige Impfschäden? Weder der Produzent noch der ORF sind dazu bereit. Sollte ich nach der Impfung durch Fieber, eine Herzmuskelerkrankung oder, Gott bewahre, eine Gehirnthrombose ausfallen, werde ich umbesetzt, so schnell kann ich gar nicht schauen. Da interessiert den Produzenten meine Gesundheit längst nicht mehr.

profil: Die Risiken einer Erkrankungswelle am Set - mit schweren Folgen wie Long-Covid - sind doch deutlich größer als diese statistisch doch sehr unwahrscheinlichen Impfschäden.

Proll: Ich sehe das nicht so geklärt. Ob die Impfung als einzige Maßnahme die Lösung sein wird, werden wir erst im Herbst sehen. Sowohl die Versicherungen als auch der Ausfallfonds werden nicht auf das Testen verzichten können, zumal  auch Geimpfte erkranken und das Virus übertragen und ansteckend sein können.

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