Online-Games: Lootboxen-Verbot für Österreich gefordert

Online-Games: Die Videospielindustrie verdient prächtig mit glücksspielähnlichen Bonuspaketen.

Online-Games: Die Videospielindustrie verdient prächtig mit glücksspielähnlichen Bonuspaketen.

Spiele wie FIFA setzen auf ein umstrittenes Geschäftsmodell: Wer gewinnen will, wird zum Kauf von virtuellen Überraschungspaketen (Lootboxen) animiert. Die Nationalräte Nico Marchetti (ÖVP) und Eva-Maria Holzleitner (SPÖ) fordern nun gesetzliche Maßnahmen gegen die glücksspielähnlichen Boxen.

Für Spielehersteller wie Electronic Arts (EA) sind sie ein Millionengeschäft: Lootboxen. Das Konzept dieser virtuellen Überraschungspakete erinnert an die analogen Panini-Stickeralben – am Beispiel des global erfolgreichen Videospiels FIFA wird das deutlich: Im Online-Spielmodus FIFA Ultimate steuern Spieler keine vorgegebenen Klub- und Nationalmannschaften über den Rasen, sondern stellen sich ihre Teams völlig selbstständig zusammen.

An die begehrten Fußballstars gelangen FIFA-Zocker nur, wenn sie Lootboxen kaufen. Darin findet sich ein zufällig generiertes Paket an Fußballspielern. Wie bei den Stickerpackungen von Panini kommen Weltstars wie der Brasilianer Neymar oder der Argentinier Lionel Messi äußerst selten vor. Wer ein gutes Team will, muss also viele Lootboxen kaufen. Die analogen Pickerlsammler können ihre Idole nur optisch bewundern, FIFA-Spieler dagegen schicken ihre Paradekicker gegen andere Online-Gamer aufs Feld. Je besser das Team, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, das virtuelle Match zu gewinnen.

„Pay to win“ nennt sich das Modell in der Fachsprache, das Zocker zu vielen Mikrozahlungen animiert. Dabei kostet das Spiel FIFA für die Playstation bereits 69 Euro. Mit den In-Game-Verkäufen von Lootboxen haben die Spielentwickler eine zusätzliche Einnahmequelle geschaffen, die hochprofitabel ist. 800 Millionen US-Dollar lukrierte das Unternehmen EA allein im Jahr 2017 aus den Verkäufen der virtuellen Spielerpackages. Auch andere Hersteller setzen auf das fragwürdige Erlösmodell. Viele Kinder und Jugendliche opfern dafür ihr Taschengeld – manche hintergehen fürs Zocken sogar ihre Eltern, indem sie heimlich deren Kreditkarten anzapfen. Doch langsam formieren sich die Kritiker. Ihr zentraler Vorwurf: Lootboxen ähnelten einem Glücksspielautomaten, denn das Ergebnis sei unvorhersehbar und die Chance auf wertvolle Spieler sehr gering.

"Gerade sozial benachteiligte Kinder sind massiv betroffen“

„Die Firmen bereichern sich mit diesen Praktiken an besonders vulnerablen Personengruppen, nämlich an Kindern und Jugendlichen“, kritisiert der Grazer Sozialarbeiter Markus Meschik. Die von ihm geleitete Fachstelle Enter berät Kinder mit problematischem Spielverhalten und gibt Eltern Erziehungstipps in Bezug auf Computerspiele. Das Suchtpotential ist hoch, wie Meschik beobachtet: „Ich bin viel in den Schulen unterwegs. Dort treffe ich Kids, die haben drei- bis vierstellige Beträge für Games ausgegeben. Gerade die sozial benachteiligten Kinder sind davon massiv betroffen.“

In Belgien und den Niederlanden haben die Glücksspielbehörden Spiele wie FIFA und den Egoshooter Counterstrike bereits im Vorjahr wegen Lootboxen als illegales Glücksspiel definiert. Die Hersteller eliminierten die umstrittenen Glücksboxen aus ihren Spielen, um einem Totalverbot zu entgehen.

Nun fordern zwei Nationalratsabgeordnete auch in Österreich gesetzliche Maßnahmen gegen die Boxen der Begierde: „Die Quoten von Lootboxen werden nicht überwacht. Die Spieler sind den Game-Herstellern ausgeliefert“, kritisiert Nico Marchetti, ÖVP-Nationalrat und Obmann der Jungen ÖVP Wien. Die Jugendorganisation will in den nächsten Wochen mit einer Kampagne über die Gefahren von Online-Games aufklären und für gesetzliche Verschärfungen eintreten. Motto: „Spü di net“. „Wir wollen den Glücksspielbegriff weiter fassen. Sportwetten und Online-Games mit Glücksspielelementen sollen da auch miteingeschlossen und reguliert werden. Denn das sind Einstiegsdrogen in den Glücksspielbereich“, sagt Marchetti. Lootboxen würde er am liebsten verboten wissen: „Unser Ziel ist ein Zustand wie in Belgien.“ Unterstützung erhält der ÖVP-Politiker dabei von der SPÖ-Abgeordneten Eva-Maria Holzleitner. Sie brachte Ende Oktober 2018 einen Entschließungsantrag im Nationalrat ein, der die „versteckte Gefahr in Computerspielen“ thematisierte: Lootboxen.

Im Finanzministerium wird bereits an einem Vorschlag zur Regulierung von Online-Games mit Glücksspielelementen gefeilt. „Wir beziehen Entscheidungen anderer EU-Mitgliedstaaten in unsere Überlegungen ein, ob hier glücksspielrelevante Erscheinungen im Sinne unserer Glücksspieldefinition vorliegen oder ob Adaptierungen im nationalen Glückspielrecht aus österreichischer Sicht notwendig sind“, stellt das Finanzressort auf profil-Anfrage ein Verbot von Lootboxen in den Raum.

Die ganze Geschichte zu Glücksspielelementen in Online-Games lesen Sie im neuen profil.