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Österreich
10/31/2020

Privatärzte-Boom: Wie in Österreich eine Zwei-Klassen-Medizin entsteht

Neue Zahlen zeigen, wie stark der Anteil der Privatärzte gewachsen ist. Die Krankenkassen freuen sich heimlich darüber.

von Jakob Winter

Etabliert sich in Österreich schleichend eine Zwei-Klassen-Medizin? Diese Frage lässt sich nun eindeutig beantworten: Ja. Neue Zahlen aus dem Gesundheitsministerium zeigen, wie viele Patienten bereits einen Privatarzt aufsuchen. Die Entwicklung zeichnete sich schon länger ab: Trotz Bevölkerungswachstums stagniert die Zahl der Kassenärzte seit einem Jahrzehnt-im selben Zeitraum verdoppelte sich die Zahl der privaten Wahlärzte. Wer sich von so einem Privatarzt behandeln lässt, kann zwar einen Teil des Honorars von der Krankenkasse zurückfordern: jedoch nur 80 Prozent von dem Betrag, den ein Kassenarzt für dieselbe Leistung verrechnen würde. Die restlichen 20 Prozent - und die teils saftigen Aufschläge der Wahlärzte - zahlt der Patient selbst.

Das nehmen offenbar immer mehr Menschen in Kauf, wie eine parlamentarische Anfragebeantwortung von Gesundheitsminister Rudolf Anschober (Grüne) an NEOS-Nationalrat Gerald Loacker zeigt: 2010 refundierten die Krankenkassen den Wahlarzt-Patienten noch 138 Millionen Euro an Kostenersatz. Neun Jahre später waren es bereits 265 Millionen Euro. Eine Steigerung von 91 Prozent. Gleichzeitig sind die Aufwände für Kassenärzte nur um 41 Prozent gestiegen. Die Krankenkassen freuen sich still und heimlich über diese Entwicklung: Für sie kommen die Wahlarztbesuche um 20 Prozent billiger - 66 Millionen Euro sparten sie dadurch allein im Jahr 2019.

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