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profil-Morgenpost
01/28/2021

"Ein solches Masel"

Der Tod von Arik Brauer, der Kampf von Alexei Nawalny.

von Angelika Hager

Als sich am vergangenen Montag die Todesnachricht von Arik Brauer verbreitete, ging es mir wie vielleicht vielen Kindern der 1970er-Jahre: Ich war auch aus einem egoistischen Grund traurig. Ich hatte mit der Abreise des Künstlers auch einen Teil meiner Kindheit verloren. Bei uns zu Hause hatte sich tagelang seine Platte gedreht und Brauers Ansage "Das ist ein beinhartes Protestlied" war zu einem stehenden Familiensatz geworden, wenn es Zoff gab.

Ich habe Arik Brauer leider nie wirklich persönlich kennengelernt, aber auch aus der Ferne konnte man spüren: Da ist ein Mensch, der noch aus dem größten Unglück ein Glück ziehen konnte. Meine Kollegin Christa Zöchling hatte Brauer vor einigen Jahren in seinem Wiener Atelier besucht, wo das einstige Ottakringer Schusterkind ihr von einer durch die Nazis jäh unterbrochenen Kindheit erzählte: der beste Freund durfte plötzlich nicht mehr mit ihm sprechen, "Reiberlpartien", so der Jargon für das Waschen der Gehsteige unter Nazi-Gejohle, mussten erduldet werden, in den letzten Kriegsmonaten war er gerade noch der Deportation entkommen und im Schrebergarten eines Verwandten untergetaucht. Seine Erzählungen schloss Brauer mit den Worten "Ich hatte ein solches Masel".  

Seelische Widerstandskraft

In der nächsten profil-Ausgabe können Sie sich auf eine Brauer-Würdigung aus nächster Nähe von Helene Maimann freuen, die über den Gesamtkünstler einst einen herzerwärmenden Film gedreht hat. Wie man zu einem solch "schwebenden Gemüt" (André Heller) kommen kann, ist auch mit dem Begriff Resilienz zu erklären, der seelischen Widerstandskraft, der wir vor einigen Wochen eine Titelgeschichte gewidmet haben.

Alexei Nawalny dürfte mit diesem Stoff auch ausreichend versorgt sein, wie Siobhán Geets und unsere UK-Korrespondentin Tessa Syszkowitz bei den Recherchen zu ihrer spannenden Geschichte "Russisches Roulette" herausfanden. Bereits einen Tag nach seiner Verhaftung in Moskau sendete der Kreml-Kritiker seinen Followern aus dem Gefängnis lebensbejahende Grüße: "Guten Morgen aus dem berühmten Sicherheitstrakt des Gefängnisses Matrosenruhe." Und postete später aus dem berüchtigten Gefangenenhaus: "Bisher habe ich nur darüber in Büchern gelesen, aber jetzt sehe ich es mit eigenen Augen: russisches Leben."

Die Geschichte über Putins Todfeind und die nicht ganz saubere Rolle der EU, was die Sanktionen betrifft, liest sich wie ein Polit-Thriller aus der Tastatur von John Le Carré. Aber Thriller, die Realität sind, sind ja die Spezialität dieser Redaktion.

Spannendes Lesevergnügen wünscht Ihnen

Angelika Hager

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