© Friedrich Georg Weitsch/Staatliche Museen zu Berlin/Alte Nationalgalerie, Berlin

profil-Morgenpost
03/23/2021

Print lebt!

Ein Alexander-von-Humboldt-Moment in der eigenen Wohnung.

von Christina Hiptmayr

Liebe Leserin, lieber Leser!

Es kommt ja in unseren Breiten nicht mehr allzu häufig vor, dass man einen Alexander-von-Humboldt-Moment erlebt und unbekannte Tierarten entdeckt. Mir ist es am Wochenende passiert - wenn auch Second Hand und rein virtuell. Die Filmkritikerin Magdalena Miedl twitterte das Foto eines Bücherskorpions. Einer Spezies, von der ich noch nie zuvor gehört, geschweige denn sie jemals zu Gesicht bekommen habe. Den Reaktionen nach zu urteilen, bin ich nicht die Einzige, für die das gilt. Dabei sind sie in Mitteleuropa recht häufig und durchaus nützliche Gesellen, wie ich nach einer kurzen Recherche feststellen konnte. Die zu den Spinnentieren gehörenden „Pseudoskorpione“ ernähren sich von Läusen, Bettwanzen und Milben, dem Menschen können die Scheren der nur wenige Millimeter großen Tiere indes nichts anhaben.

Und irgendwie sind sie auch ganz possierlich. Manche Arten etwa klammern sich an den Beinen von Fliegen fest und lassen sich so durch die Gegend befördern. Faszinierend, nicht? Ihren Lebensraum finden sie unter der Rinde toter Bäume, in alten Vogelnestern oder zwischen den Seiten von Büchern. Da bekommt das Motto „Print lebt!“ eine ganz neue Bedeutung.

Ich bin ja der Meinung, man sollte den Mini-Skorpionen ein adäquates Umfeld bieten. Wird also Zeit, die Bibliothek aufzustocken. Die aktuelle profil-Ausgabe bietet da durchaus einige Anregungen: Edith Meinharts Interview mit dem Polizeisoziologen Rafael Behr (Teil der Coverstory) macht Lust, sich intensiver mit der Materie zu befassen. Sein 2008 erschienenes Buch „Cop Culture“ gilt als Standardwerk der Polizeiforschung.

Stefan Grissemann beschäftigt sich mit Identitätspolitik und Cancel Culture und kommt zu dem Schluss, dass Caroline Fourests Kampfschrift „Generation beleidigt“ die Fronten verhärtet. Wolfgang Paterno wiederum ist glücklich über die Wiederentdeckung der Lebenserinnerungen („Ferien am Waldsee“) des 2013 verstorbenen Kunsthändlers Carl Laszlo. Der gebürtige Ungar überlebte Auschwitz und war mit Andy Warhol, Allen Ginsburg und John Cage befreundet.

Einen schönen Dienstag und mögen auch Sie Ihren Humboldt-Moment erleben!

Ihre Christina Hiptmayr

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