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profil-Morgenpost
12/08/2020

Ikea gegen Massentests!

Guten Morgen!

von Christian Rainer

"Großer Andrang nach Öffnung des Handels." "Kein Andrang bei den Massentests." "Putzereien kämpfen ums Überleben." "Aus für Ikeas Kultkatalog." Das sind vier Titel am oberen Rand der sogenannten blauen Seite des ORF, die ich Montag abends dort vorfand. Jetzt muss ich Ihnen vieles vorab erklären, bevor ich zur Sache komme.

Zunächst einmal und völlig abseits dieser Sache: Die "blaue Seite" ist die Nachrichtenseite von orf.at, die uns nach marktwirtschaftlichen Kriterien agierenden Medien das Leben schwer macht: da wir uns eben nicht über Zwangsbeiträge der Bürgerinnen und Bürger finanzieren können, sondern mit Werbung (nimmt ab) und Abo- und Einzelheft-Verkäufen (nehmen nicht ab). Obwohl wir bei profil –  zum Beispiel – wesentlich "öffentlich-rechtlicher" sind als der ORF (niemals in 50 Jahren eine amerikanische Vorabendserie, keine bedenklichen Fitness-Hüpfereien am Morgen).

Weiters vorab und näher an der Sache: Warum habe ich den Titel "Ikea gegen Massentests" über diesen Text gestellt? Weil das ein sogenannter SEO-Titel ist. SEO steht für search engine optimization und bedeutet, dass dieser Text mit dem viel gesuchten Wort "Massentest" und der starken Möbelmarke über Suchmaschinen leichter gefunden wird – und Menschen damit auf die profil-Homepage bringen kann. (Aber der Titel ist dennoch nicht völlig gaga, sondern insofern wahrhaftig, als der Ikea-Katalog ja auch eine Art Massentest für die Produkte der Schweden ist beziehungsweise war.) Falls Sie vermuten, dass ich mir am Montag eine hohe Dosis an Management-Seminaren reingezogen habe, liegen Sie richtig: drei Stunden via Zoom mit einem in London verorteten Change-Management-Guru.

So schnell ändert sich der Weltenlauf

Abschließend aber doch noch zur Sache, schließlich soll diese Morgenpost ja nicht nur der leichten Muse frönen: Stellen Sie sich vor, man hätte uns vor einem Jahr diese vier Schlagzeilen vorgesetzt! Wir hätten absolut nichts damit anfangen können (nur mit dem Ikea-Katalog – digitaler Wandel und so –, aber der ist in diese Zeilen ja nur wegen SEO reingerutscht). Niemand hätte darin einen Sinn finden können, einen Zusammenhang schon gar nicht. So schnell kann sich der Weltenlauf also ändern.

Die Politiker haben sich verkalkuliert

Noch eine schnelle Beurteilung der Schlagzeilen gefällig? Erstens: Dass die Menschen in der Vorweihnachtszeit an einem Fenstertag nach drei Wochen geschlossener Läden einkaufen wollen, ist verständlich. (Kleine Frage am Rande: Warum wird nicht das Tragen von FFP2-Masken vorgeschrieben? Ich habe mehrfach argumentiert, dass ich in den MNS-Masken in vielen Fällen nur psychologischen Sinn erkennen kann.) Zweitens: Die Politiker haben sich völlig verkalkuliert, als sie mit einer guten Antigen-Durchtestung der Bevölkerung gerechnet hatten. Das große Vorbild Slowakei hatte ja Konsequenzen für alle ausgeschildert, die sich nicht testen lassen. Drittens: Ich mag Putzereien (den Geruch, auch die unglaublich freundliche Dame in der Putzerei am Anfang der Wiener Tuchlauben). Schade, dass sie kämpfen müssen. Obwohl es natürlich angenehm ist, dass wir uns schon seit Monaten nicht mehr in Putzerei-pflichtigem G´wand sackeln müssen.

Einen schönen Feiertag wünscht Ihnen Ihr

Christian Rainer

Herausgeber und Chefredakteur

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