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profil-Morgenpost
07/05/2021

Was hinter den Überschriften steckt

Die heimlichen Gedanken der profil-Redaktion.

von Christian Rainer

Guten Morgen!

Rückblick, Vorschau, Gegenwartsbestimmung? Nein, bis zu meinem nächsten Geburtstag sind es noch gut sechs Monate hin. Vielmehr ist das die Frage, die sich die Autorin oder der Autor der Morgenpost für den Dienstag regelmäßig beim Verfassen am Montag stellt. Soll es ein etwas verzögerter Ausblick auf die politische und journalistische Woche sein? Oder eine Rekapitulation der da schon zweieinhalb Tage vorliegenden E-Paper-Ausgabe (und eineinhalb Tage alten Print-Ausgabe) sein? Oder eine aus all dem (und Wetter und Ferienbeginn im Osten und dem ersten Hangover nach Lockdown) gespeiste Befindlichkeitsnachschau?

Vor mir liegt jene aktuelle Ausgabe, und ich werde Ihnen anhand der Zeilen auf der Titelseite erklären, was unsere Gedanken bei der Diskussion und Entwicklung der Geschichten waren.

„15 Monate Isolation. So kommen Ihre Kinder aus der Krise.“ Das ist die Covergeschichte dieses Heftes. Die Autorinnen wollten dabei die Folgen von Corona ansprechen, die dramatischer sind als Long Covid: die Auswirkungen auf die Jungen, die relativ zu ihrem Lebensalter viel mehr Zeit verloren haben als die Erwachsenen. Weil wir uns seit Jahren bemühen, wenn möglich weniger negativ und statt dessen konstruktiv und lösungsorientiert zu arbeiten, ist die Schlagzeile aber schon ein Hinweis darauf, dass wir hier nicht nur beschreiben, wie die Symptomatik dieser traumatisierten Jugend aussieht, sondern Vorschläge machen, wie Eltern ihren Kindern helfen können.

„Rendi-Wagner. Richtige/falsche Frau am richtigen/falschen Platz?“ Hier stand die Redaktion vor der Aufgabe, einen Zugang zu einem Ereignis zu finden, das mit dem katastrophalen Abstimmungsergebnis für die SP-Vorsitzende bei Erscheinen von profil bereits eine Woche zurückliegt. Wir wählten einen spezifischen Magazin-Zugang, der zu zeitaufwändig für eine Online- oder Tageszeitungserörterung ist, und wir wollten das Urteil – unserem Slogan „Wie viel profil hat Ihre Meinung?“ gemäß – auch den LeserInnen überlassen: Die Beschreibung der Person Rendi-Wagner verpackten wir in Eigenschaften von „Schmerzgrenze“ bis „Erdung“, die wir in Prozentzahlen gewichteten. Ein Autor argumentierte für die Parteichefin, einer gegen sie.

„Verhindert die Demokratie die Rettung des Klimas?“ Hier greift ein profil-Journalist ein nicht tagesaktuelles Thema auf, das allerdings in Gesprächen jenseits des Stammtisches aus aktuellem Anlass heftig diskutiert wird: ob autoritäre Politik notwendig ist, um die Klimakatastrophe zu verhindern – so wie die Volksdiktatur China die Corona-Pandemie mit Entzug fast aller Bürgerrechte schnell niedergerungen hatte. Der Befund des Autors: Demokratie bleibt das bessere Mittel.

„Der Mädchenmord: Ja, Flüchtlinge sind auch Täter.“ Diese Zeile schließlich bezieht sich auf den Leitartikel. Auch hier bestand unsere Aufgabe darin, einem bereits vielfach gewendeten Ereignis ein profil-adäquates journalistisches Format zu geben, das eine Woche lang, bis zur nächsten Ausgabe, Bestand hat. Der Autor kennt die Migranten-Szene seit Jahren sehr genau. Entsprechend bettete er den grauenhaften Mord ein in eine realistische Beschreibung des Milieus samt einer Suche nach allfälliger Fahrlässigkeit der politisch Verantwortlichen. War´s das?  Natürlich nicht. Gerade dieser Fall ist ein Beispiel dafür, wie profil viele Genres in verschiedenen Taktungen bespielt: Bereits am Mittwoch der Vorwoche widmeten wir uns in einem Podcast dem Mordfall. Und für die aktuelle Ausgabe hat eine Kollegin einen Bekannten der mutmaßlichen Täter aufgetrieben und mit ihm ausführlich darüber gesprochen, wie und warum er die Polizei auf deren Spur gebracht hatte – auch das eine Leistung einer überaus erfahrenen Journalistin.

Ich verabschiede mich ohne Vorschau aber mit den besten Wünschen für diese Woche, Ihr

Christian Rainer

Herausgeber und Chefredakteur

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