Symbolbild

© APA/HERBERT NEUBAUER

Titelgeschichte
07/03/2021

Rettet die Kinder!

15 Monate in Isolation haben die Seelen vieler Kinder nachhaltig angegriffen: An Depressionen, Angststörungen und Magersucht leiden auch jene, die vor der Pandemie stabil waren. Wie Eltern Warnsignale erkennen und ihren Kindern aus der Krise helfen können. [E-Paper]

von Angelika Hager, Edith Meinhart

Im Blick des bald zehnjährigen Markus ist nichts Kindliches zu finden. Er ist ernst, sehr ernst, so als ob er einem signalisieren wolle: „Ich habe schon viel zu viel von dieser Welt gesehen.“ Markus ist eines von den vielen Kindern, die nach der Schule im Hort des Linzer Diakoniezentrums Spattstraße eintrudeln.

Markus benutzt erstaunlich erwachsene Phrasen, wenn er von seinen Problemen und  unkontrollierten Wutausbrüchen erzählt: „Manchmal eskaliere ich einfach.“ In seiner Familie werde viel gestritten: „Dann geh ich in mein Zimmer, lege mich in mein Bett und  versuche, mich zu beruhigen.“ Sein Vater kann seit langer Zeit nicht mehr arbeiten, Markus nennt als Grund „Rückenschmerzen“.
 

Seine Betreuerin, die Sozialpädagogin Melanie Oberndorfinger, erzählt, dass der Vater psychisch krank sei. Psychisch erkrankte Eltern, die ihren Kindern oft weit mehr abverlangen, als deren Alter entspräche, und sie so auch in Erwachsenenrollen drängen, haben während der Pandemie verstärkt zugenommen: Existenzielle Unsicherheit, finanzielle Sorgen und Mehrfachbelastungen  ließen auch bei Erwachsenen Diagnosen wie  Depressionen, Angststörungen und Panikattacken in die Höhe schnellen. Laut WHO übertraf dabei das Ausmaß alle Erwartungen: Psychische Störungen schnellten auf das Zwei- bis Vierfache im Vergleich zu vor der Pandemie.

„Bei unserer Arbeit ist es extrem wichtig“, so Oberndorfinger, „dass wir systemisch arbeiten, also die gesamte Familie miteinbeziehen.“

Markus erzählt, dass er oft kocht, auch für den vierjährigen Kleinsten,  denn die Mama arbeite, und der Papa könne das nicht. „Fleckerlspeise“ zum Beispiel: „So nennt man Nudeln mit Faschiertem.“ Geregelt seien die Mahlzeiten nicht: „Manchmal frag ich einfach, wer Hunger hat, und mache etwas aus dem, was da ist. Ich backe auch sehr gern.“

Melanie Oberndorfinger erzählt, dass Markus „ein extrem eloquentes Kind“ sei, aber viel zu ernsthaft für sein Alter: „Er übernimmt in der Familie die Rolle des kleinen Erwachsenen, da bleibt wenig Platz für Kindheit.“ In der Betreuungsarbeit versuche sie mit ihm, wieder das  Spielerische zu fördern. „Ich klettere am liebsten“, sagt er. Wo? In einer Kletterhalle?
„Nein, ich übe bei uns zu Hause im Türrahmen und klettere in den Gärten der Umgebung von Hausdach zu Hausdach.“ Wenn er sich was wünschen könnte, was wäre das? Er überlegt nicht lang: „Einfach keinen Streit mehr, ich will einfach nur noch nur Frieden.“ [...]

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