Das war das profil-Gespräch mit Matthias Strolz

Das war das profil-Gespräch mit Matthias Strolz

Matthias Strolz, Spitzenkandidat der NEOS, war am Dienstag beim profil-Gespräch mit Innenpolitikchefin Eva Linsinger und Redakteurin Rosemarie Schwaiger anlässlich der Nationalratswahl zu Gast. Es ging um Themen wie EU, Pensionen, Asyl und die Zusammenarbeit mit der Regierung. Hier das Gespräch im Rückblick.

FB-Livestream vom profil-Gespräch mit Matthias Strolz

Matthias Strolz über ...

neue Bewegungen:

"Ich fühle mich, wie der Hort der Stabilität in Österreich mittlerweile. Natürlich ist es spannend, dass so viel Bewegung drin ist und dass so viele unserem Beispiel folgen. Die höchste Auszeichnung ist die Nachahmung. Und das tut Österreich auch gut."

Peter Pilz:

"Er meldet jetzt zwar eine Partei an, aber da werden nur vier Leute drin sein. Da stelle ich dann die Frage: Diese Partei bekommt dann die Parteienfinanzierung, millionenschwer. Und das entscheiden dann vier Personen? Deswegen sind da viele Fragen offen, aber ich will keinem den guten Willen absprechen."

Zusammenarbeit mit der Regierung:

"Es gibt Länder in Europa, zum Beispiel in Skandinavien, wo sich Opposition und Regierung zusammensetzen und so möchte ich mich mit jeder Partei zusammensetzen und fragen: 'Was können wir in dieser Periode stemmen?' Sogar mit der FPÖ, obwohl ich da sonst Vorbehalte habe, aber in der Sache möchte ich mit allen zusammenarbeiten."

EU:

"Die Frage Europa oder nicht ist eine Schicksalsfrage für meine Generation und die meiner Kinder. Wenn wir Sicherheit, Lebensqualität und Wohlstand haben wollen auf diesem Kontinent brauchen wir Europa und darin ein Miteinander. Die Dschihadisten kommen aus 77 Staaten der Erde, diejenigen, die herumlaufen und sagen, die Antwort drauf liegt in einer nationalen Sicherheitspolitik, wollen uns Sand in die Augen streuen. Wir werden das nur gemeinsam lösen können. (...) Aber wer Europa liebt, muss die Union natürlich auch kritisieren."

Fluchtbewegungen nach Europa:

"Man sollte Schengen neu aufsetzen. Schengen funktioniert nicht richtig, wir machen Schengen 2.0. Folgende Spielregeln: Wir sichern die Außengrenze gemeinsam, wir schicken 30.000 Männer und Frauen an die Außengrenze. Wir registrieren jeden, der kommt, mit seinem Zeigefinger. Das sind auch vertrauensbildende Maßnahmen in die Prozesse des Staates. Wir organisieren gemeinsam Registrierzentren und verteilen dann auch gemeinsam. Wenn dann ein osteuropäischer Staat sagt, ich will nicht so viele, dann können wir über Kompensationszahlungen reden. Sie müssen dafür zahlen, weil sie die Solidarität strapazieren. Europa sollte auch danach trachten in Nordafrika Registrierzentren zu organisieren. (...) Zu viele im Land wollen die Probleme im Bereich Flüchtlinge und Integration groß machen. Sie wollen nicht die Lösungen groß machen, sondern sie profitieren von den großen Problemen und das finde ich zynisch."

Arbeitsmigration:

"Wir brauchen Quoten für Arbeitsmigration. Nicht jeder kann kommen, wie er will. Wir bestimmen was wir brauchen. (...) Wir haben über Jahrzehnte keine Lösungen gehabt und gekommen sind vor allem Unqualifizierte, auch die haben wir gebraucht. Wer steht denn in den Baugruben und an den Krankenbetten."

"Ich will von beiden Seiten mehr Plan, mehr Ordnung. Beim Thema Asyl ist es aber nicht grundrechtskonform. Das heißt, eine Regierung sollte keine Lösungen verhängen, von der sie weiß das Höchstgericht wird sie aufheben. Also verarschen sollte man die Leute nicht, wenn man es vorher schon weiß."

Pensionen:

"Das System ist nicht nachhaltig aufgestellt. Die jungen Leute, die spüren das. Wenn man heute eine Umfrage macht, die 25-Jährigen sagen zwar, das Thema interessiert mich nicht, das ist noch weit weg, aber verlassen werde ich mich nicht können auf den Staat. Und so ist es ja."

"Die Generation der 40-Jährigen, wir werden im Vergleich zu unseren Vätern – bei den Männern – meine Generation, also 45 abwärts wird einen Einschnitt haben von ungefähr 30 Prozent weniger als die Vätergeneration. Wenn jemand 30 Prozent weniger Pension bezieht als jetzt unsere Väter, dann ist das ein Phänomen, das folgendes sein wird in 30 Jahren: Altersarmut. Und deswegen müssen wir über die zweite Säule reden – Betriebspensionen. Und über die dritte Säule."

"Wie kann ein Sozialdemokrat es akzeptieren, dass eine Frau durchschnittlich 850 Euro Pension erhält, die hupft nicht weit und dann laufen diese 'Schlümpfe' herum mit 30.000 Euro und noch mehr. Das ist ja nicht gerecht. (...) Ich halte das für eine Sauerei. Ein Pensionssystem für alle, das können wir innerhalb weniger Jahre umsetzen. Mit 61 Jahren kann jeder gehen. Lassen wir die Leute wählen zwischen 61 und 69 Jahren. Schweden und Norwegen haben damit gute Erfahrungen gemacht. Andere Länder haben es geschafft, warum sollten wir es nicht schaffen."

Neoliberalismus:

"Wir glauben an die sozial-ökologische Marktwirtschaft. Wir glauben, dass es auf diesem Planeten kein Wirtschaftssystem bisher gegeben hat, das Wohlstand für breitere Massen geschaffen hat, als die Marktwirtschaft. Wir glauben auch, dass die Marktwirtschaft einen zutiefst entschlossenen Staat als Gegenüber braucht, der ihr die Stirn bietet. (...) Wir glauben, dass die Wirtschaft den Menschen verpflichtet ist und nicht umgekehrt."

Eindrücke vom Gespräch: