Blutsbrüder: Jugendbanden auf dem Vormarsch

„Schreiben Sie, dass wir Straßenjungs sind“

„Schreiben Sie, dass wir Straßenjungs sind“

Die Jugendbanden, ein Phänomen der 1980er-Jahre, erleben eine Renaissance, vor allem in Wien. Park-Cliquen und Ethno-Gangs bieten Anschluss für junge Burschen ohne Perspektive. Aus Geldnot oder falsch verstandener Ehre drohen die Jugendlichen in die Kriminalität abzudriften.

Lässig sitzen fünf Burschen auf der Parkbank. Sneakers, dunkle Kapuzenpullover, skeptische Blicke. Hinter ihnen ragt ein Wohnblock in die Höhe, der den Park begrenzt. Die Hausmauer ist mit Graffitis vollgesprüht. Zwischen „A.C.A.B.“ (All Cops Are Bastards) und „Fick die Bullen“ prangen immer wieder dieselben drei Buchstaben: „KLP“. Das Kürzel steht für Klieberpark (im 5. Wiener Gemeindebezirk) und dient den Burschen als Banden-Name.

Die Gruppierung ist über das Grätzel hinaus bekannt. Immer wieder beschweren sich Anrainer, regelmäßig schauen Polizeistreifen vorbei. Im jüngsten Bezirkswahlkampf vergangenen Oktober entdeckten die Freiheitlichen die Jugendbande für sich – seither wird etwa eine Videoüberwachung für den Klieberpark gefordert.

„Was willst du? Bist du ein ziviler Bulle?“, fragen die Burschen. Die Jugendlichen, sie sind zwischen 15 und 20 Jahre alt, stammen aus Tschetschenien, Afghanistan, Bosnien, der Slowakei und Österreich. Sie rauchen Zigaretten, essen Schokoriegel, witzeln.

Christian Rainer und Jakob Winter im Gespräch über die aktuelle Titelgeschichte.

„Schreiben Sie, dass wir Straßenjungs sind“, sagt Branyo, 18. Seine Kumpels lachen. „Wir sind mehr als nur Freunde“, erklärt er. „KLP ist Familie“, ergänzt ein anderer. Die Exekutive wird hier nicht gern gesehen: „Ich verabscheue die Polizei. Respekt beruht auf Gegenseitigkeit. Wenn sie mich nicht respektieren, respektiere ich sie auch nicht“, sagt einer der Burschen. Die Meisten, die hier auf der Parkbank sitzen, hatten schon Probleme mit dem Rechtsstaat: Erpressung, Diebstahl und so weiter. Nüchtern zählen sie ihre Delikte auf. Kennengelernt haben die Jungs einander im Park, der Großteil von ihnen hat die Lehre abgebrochen und ist arbeitslos. Geld haben sie trotzdem genug. Woher? „Das ist unsere Sache.“

Lesen Sie die Titelgeschichte von Clemens Neuhold und Jakob Winter in der aktuellen Printausgabe oder als E-Paper!