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Wer „a“ sagen will, sollte das auch tun

Vor knapp 50 Jahren betrat zum letzten Mal ein Mensch den Mond. Was hat das mit Herbert Kickl zu tun?

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Obmann im Mond

Auch Politiker leiden an Ausdrucksschwäche. Nicht jeder ist ein Demosthenes. Der größte Redner der Antike übte das Sprechen, indem er Kieselsteine in den Mund nahm oder gegen das tosende Meer anschrie. Als Österreicher kennen wir das. Unser Bundeskanzler hört sich eigentlich immer so an, als ob er mit Kieselsteinen im Mund spricht. Und FPÖ-Obmann Herbert Kickl schreit im Plenum des Nationalrats mitunter so laut, dass es die vorderen Reihen wegspült. Viele Abgeordnete würden den FPÖ-Obmann deshalb am liebsten auf den Mond schießen, wahrscheinlich gäbe es dafür sogar eine Zwei-Drittel-Mehrheit. In der Geschäftsordnung des Nationalrats ist dieses Verfahren zum Mandatsverlust allerdings nicht vorgesehen.
 

Der Mond muss weg!

Als Neil Armstrong den Mond betrat, war Herbert Kickl gerade einmal neun Monate alt. Was der FPÖ-Obmann an Armstrongs Stelle wohl gesagt hätte? Vielleicht: „Der Mond hat der Erde zu folgen und nicht die Erde dem Mond.“ Oder kurz: „Der Mond muss weg!“ Oder ein Kalauer: „Wenn schon Halbmond, dann hier.“ Vielleicht hat Herbert Kickl aber auch eine andere Seite, die er uns wie der Mond nie zeigt. Dann hätte er vielleicht voller Gefühl gereimt: „Der Mond ist aufgegangen, die goldnen Sternlein prangen.“

Im Dezember 1972, etwas mehr als drei Jahre nach Armstrongs Sprechfehler, verließ NASA-Astronaut Eugene Cernan als insgesamt zwölfter und bisher letzter Mensch den Mond. Sein Name ist vergessen. Ob er noch etwas zum Mond sagte („See you!“) – man weiß es nicht. Und wahrscheinlich wird es zum 50. Jahrestag des Abschieds auch keine Gedenkfeier geben. Es ist das Elend der Late Followers: Wer als erster kommt, erhält den Lorbeer. Wer das Licht ausdreht, selbst wenn es am Mond ist, den ignoriert die Geschichte.

Halten Sie Astronaut Cernan in angemessener Erinnerung!

Gernot Bauer

Gernot   Bauer

Gernot Bauer

ist Innenpolitik-Redakteur.