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Österreich
03/23/2021

Wer wird wann geimpft? Versuch einer Prognose

Wann komme ich dran? Diese Frage beschäftigt etwa viereinhalb Millionen Impfwillige in Österreich. Der Versuch einer Prognose - mit ein paar Fragezeichen.

von Thomas Hoisl, Jakob Winter

"Wann werde ich geimpft? "Wer sich diese Frage noch nicht gestellt hat, ist entweder zumindest Corona-Skeptiker-oder bereits gegen das Virus immunisiert. Rund viereinhalb Millionen Impfwillige in Österreich warten noch auf die Injektion des Serums, das zumindest vor schweren Verläufen schützen soll.

Eine verlässliche Antwort auf die Terminfrage ist allerdings gar nicht so leicht zu bekommen - Landesgesundheitsreferenten, die Impfkoordinatoren und die Mitarbeiter der Gesundheitshotline 1450 scheuen sich vor konkreten Zusagen. Denn Impfstoff-Lieferausfälle können Impfpläne von einer Minute auf die andere umwerfen, im Worst Case müssen die Bundesländer Tausenden die Impftermine streichen. Daher planen die Koordinatoren maximal vier Wochen im Voraus. Und nicht einmal diese Pläne halten.

Es gibt aber auch gute Nachrichten: Zuletzt wurde zwar viel über Impfvordrängler und nicht voll ausgeschöpfte EU-Kontingente berichtet - doch an sich hat Österreich ausreichend Impfstoff bestellt. Die Frage ist bloß, wann die Dosen geliefert werden. Für die Zeit nach Ostern wird ein rasanter Anstieg der Menge erwartet. "Wenn sich das bewahrheitet, dann geht's dahin", sagt der Sprecher der niederösterreichischen Impfkoordination.

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Bis Ende Juni erste Teilimpfung für alle

Bundeskanzler Sebastian Kurz und Gesundheitsminister Rudolf Anschober gehen davon aus, dass es dahingeht. Sie versprechen: Bis Ende Juni sollen alle, die das möchten, zumindest die erste Teilimpfung bekommen haben. Dabei muss die Regierung ausgerechnet auf Impfverweigerer hoffen: Sie kalkuliert damit, dass etwa ein Drittel der Bevölkerung sich nicht impfen lassen will. Ändern einige Skeptiker ihre Meinung, stimmt diese Rechnung nicht mehr.

Ein erster Stich für alle bis zum Sommer - für Herwig Kollaritsch, Infektiologe und Mitglied des nationalen Impfgremiums, ist das theoretisch möglich, wie er zu profil sagt: "Wenn nichts mehr schiefgeht und alle Lieferzusagen halten, könnten wir es hinkriegen, dass jeder bis zum Sommer eine erste Teilimpfung hat. Aber fertiggeimpft wird die Population bis zum Sommer sicher nicht sein. Das können wir vielleicht bis August schaffen."Relevant sei die Durchimpfung vor der nächsten Corona-Saison im Herbst, sagt Kollaritsch: "Das traue ich mir sagen: Bis dahin wird das durch sein."

Skeptischer als Kurz, Anschober und Kollaritsch sind jene, die fürs Impfen zuständig sind: die Länder. profil fragte bei den neun Impfkoordinatoren nach, bis wann welche Gruppen mit einer Impfung rechnen können - die Kalkulationen fielen unterschiedlich aus (siehe Grafik). Manche Länder wollten gar nichts sagen und verglichen die Impfprognose mit dem "Blick in die Glaskugel". Skeptischer sind auch die, die auf ihre Dosis warten: 70 Prozent der Österreicher zweifeln laut einer aktuellen profil-Umfrage daran, dass alle Impfwilligen bis zum Sommer drankommen.

Skepsis ist angebracht, denn die Prognosen der Bundesländer stützen sich auf die Lieferzusagen von Herstellern und Bundesregierung: Acht Millionen Impfdosen sollen über den EU-Verteilungsschlüssel bis Ende Juni eintreffen - für fünf Millionen impfwillige Personen, also zwei Drittel der impfbaren Bevölkerung. Kann die Kalkulation stimmen? Im Tiroler Bezirk Schwaz, in dem jedem Einwohner schon jetzt eine Dosis angeboten wurde, griffen bisher 72 Prozent zu. Damit sich alles bis zum Sommer ausgeht, müssten die Österreicher also durchschnittlich weniger impfwillig sein als die Schwazer. Und der schwedisch-britische Hersteller AstraZeneca müsste seine Zusagen künftig einhalten. Im ersten Quartal wurde bisher erst die Hälfte der versprochenen Menge geliefert, für April gibt es derzeit laut Gesundheitsministerium noch keine konkrete Prognose. AstraZeneca sollte immerhin ein Viertel aller geplanten Dosen bis zum Ende des zweiten Quartals liefern.

Impfung taugt zur Trendwende

Fest steht: Die Impfung taugt zur Trendwende. Das zeigt sich deutlich bei den über 85-Jährigen, von denen bereits die Mehrheit geimpft ist. Die Corona-Todesfälle gingen in dieser Altersgruppe stark zurück. Die größte Gefahr besteht nun für Menschen zwischen 65 und 85 Jahren. Die wenigsten von ihnen sind immunisiert. Zuletzt änderte das Impfgremium seine Empfehlungen: Bei der Impfstoffverteilung soll noch stärker als bisher nach Altersgruppen priorisiert werden - exponierte Berufsgruppen, etwa Polizisten und Lehrer, wurden nach hinten verschoben, wenn sie noch nicht dran waren. Doch alle über 65-Jährigen werden frühestens Anfang oder Mitte Mai durchgeimpft sein - damit kalkulieren jedenfalls die Länder Wien, Niederösterreich und die Steiermark. In Tirol könnte diese Gruppe früher drankommen.

Auf profil-Anfrage wagten nur diese vier Länder einen einigermaßen konkreten Fahrplan für die Phase 3 - also das Impfen der Gesamtbevölkerung im zweiten Quartal 2021. Wobei von allen befragten Bundesländern nur die Bundeshauptstadt davon ausgeht, bis Ende Juni durch zu sein. Friseure, Physiotherapeuten oder Kellner - die sogenannten körpernahen Berufsgruppen - dürfen nach derzeitiger Rechnung im Mai oder Juni mit einer Impfung rechnen. Für Supermarktkassiere, angestellte Home-Officer und Selbstständige heißt es: Bitte bis Juni oder sogar Juli warten. Früher dran käme nur, wer etwa wegen einer Autoimmunerkrankung zur Risikogruppe zählt.

Tirol, bekanntlich Hotspot für die Südafrika-Variante, könnte schneller durch sein als andere - und mit Phase 3 bereits im Mai starten. Immerhin half die EU mit einem Sonderkontingent für den Bezirk Schwaz aus.

Die österreichweit 200.000 zusätzlichen Pfizer-Dosen aus einer vorgezogenen Lieferung werden sich dagegen kaum bemerkbar machen. Dividiert durch zwei (zwei Dosen pro Impfwilligen) und nach Bevölkerungsschlüssel auf die Bundesländer verteilt, bleibt nicht mehr allzu viel über. Der Sprecher der NÖ-Impfkoordination: "Das verimpfen wir an einem Wochenende."

 

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