Erntearbeiter:innen in Thaur, Tirol

Erntearbeiter:innen in Thaur, Tirol: „Es geht vor allem um billiges Personal.“

© Sezonieri

Österreich
08/21/2021

Wie gefährlich leben Erntehelfer in Österreich?

In Niederösterreich starben zwei Saisonarbeiter. Woher kamen sie? Auf den Spuren eines Rumänen und eines Ukrainers. [E-Paper]

von Edith Meinhart

Sie sind wieder da, die Rumänen, die Ukrainer, ein paar Dutzend Männer und Frauen. Es ist fast wie immer zu Erntezeiten. Nur dort, beim Gewächshaus, wo vor zwei Jahren zwei Saisonarbeiter in eine Künette stiegen, um ein Kanalrohr auszutauschen, ragt nun ein Kreuz aus der Erde. Kerzen stehen davor. Jemand hat Blumen hingestellt. Am 1. Juni 2019 kamen in Haag, Niederösterreich, Gabriel-Alin Pojega und Juri T.* ums Leben. Die Männer standen in einer mehr als zwei Meter tiefen, ungesicherten Grube. Als die Erde zu rutschen begann, konnte sich der Bauer, für den sie arbeiteten, mit einem Sprung retten. Der Rumäne und der Ukrainer mussten von der Feuerwehr ausgegraben werden. Tonnenschwere Erde hatte sie erdrückt. Für die beiden Erntehelfer kam jede Hilfe zu spät. Gabi, wie der 1981 in Ineu, Arad, geborene Rumäne gerufen wurde, und der Ukrainer Juri starben an „Polytrauma und Asphyxie“. So steht es im Leichenpass. Beide waren 38 Jahre alt. 

In diesen Wochen und Monaten kann man bei Radausflügen und im Vorbeifahren aus dem Auto wieder Feldarbeiter:innen sehen, die auf Äckern knien, Radieschen ausgraben, mit gebeugten Rücken Salat und Beeren pflücken, Kisten auf Anhänger hieven, in Folientunneln Paradeiser von den Stauden holen. Nicht wenige kommen mehrmals, oft von weit her, um die Ernte einzubringen. Wer sind sie? Warum nehmen sie die Strapazen auf sich? Es sind Menschen wie die verunglückten Erntehelfer Gabi und Juri, zwei von Tausenden, ohne die es kein heimisches Obst und Gemüse in den Supermärkten zu kaufen gäbe.   

Er sei lange in psychologischer Behandlung gewesen, um das Geschehen zu verarbeiten, sagt Bauer Martin L. Seine Frau sei damals hochschwanger gewesen, die Verstorbenen etwa in seinem Alter. Er denke an die Witwen, an die Kinder, die ohne Väter aufwachsen, an die Eltern, die „ein Leben lang leiden“. Zwei Mal habe er in Rumänien die „Partie“ besucht, die ihm im Mostviertel regelmäßig bei der Beerenernte hilft. Seine Eltern seien in der Ukraine an Juris Grab gewesen. Ab und zu komme Juris Bruder vorbei, um beim Marterl zu beten. „Bekannte der Verstorbenen sind noch bei uns tätig“, zum Glück, denn „ohne die Erntehelfer wäre es wirtschaftlich schwierig“, sagt L. Damit habe er schon mehr erzählt, als er vorgehabt habe. Mehr schaffe er nicht, „bitte haben Sie Verständnis“. 

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