In Österreich herrscht erhöhte Terrorwarnstufe.
Nach dem vereitelten Anschlag:

Wie stark ist die Terrorgruppe IS Provinz Khorasan in Österreich?

Seit dem verhinderten Anschlag zu Weihnachten taucht immer häufiger der Name der Terrororganisation ISPK auf. Doch wer ist diese islamistische Gruppe und wie groß ist ihr Einfluss in Österreich?

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Im Dezember wurden drei mutmaßliche Jihadist:innen verhaftet, die einen Terroranschlag auf den Wiener Stephansdom und andere österreichische Kirchen geplant haben sollen. Sie alle gehören der Terrorgruppe Islamischer Staat Provinz Khorasan (kurz: ISPK) an. Doch: Was ist das für eine islamistische Organisation und wie gefährlich ist sie in Österreich?

Den Ableger des Islamischen Staats, der bis zu seiner militärischen Bekämpfung 2019 höchst präsent in Europa war, gibt es seit 2014. ISPK nimmt auf die historische Region Khorasan Bezug, ein islamisches Gebiet, das Regionen des heutigen Afghanistan, Iran, Tadschikistan, Usbekistan und Turkmenistan umfasst. Die Direktion für Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) betont, dass der ISPK zwar Verbindungen zum Islamischen Staat hat, aber komplett abgegrenzt betrachtet werden sollte. Die Auslegung des ISPK ist extremistisch und wird von muslimischen Glaubensgemeinschaften streng abgelehnt.

Taliban als Erzfeind

Seit der Machtergreifung der Taliban 2021 in Afghanistan ist der ISPK wieder stärker aktiv und verübte bereits einige große Anschläge - beispielsweise im Jahr 2021 am Kabuler Flughafen, bei dem 79 Afghan:innen starben. Der ISPK verfolgt das Ziel, die Region Khorasan wieder einzunehmen und in dem Kalifat die Scharia einzuführen. Zu ihren Feinden und Opfern zählen einerseits „Ungläubige“ , also Nicht-Muslim:innen, aber auch die Taliban und liberalere Prediger oder Schiiten. 

Inwiefern sich die ISPK von der Taliban unterscheidet, weiß man noch nicht genau. Als sich bei der Gründung des Islamischen Staats Khorasan einige Mitglieder der Taliban der damals neuen Terrororganisation angeschlossen haben, soll dies von den Taliban nicht geduldet worden sein. So begann ein Machtkampf zwischen den beiden Terrorgruppen, der bis heute anhält. 

Die einsamen Wölfe, rekrutiert auf Social Media

Doch wie kam die Terrororganisation nach Österreich? Seit mehreren Jahren ruft der ISPK vermehrt zu Anschlägen in Europa auf, der Staatsschutz beobachtet ihn bereits seit einiger Zeit. Anhänger sind in Österreich vor allem die junge Menschen mit Migrationshintergrund oder afghanische Geflüchtete, die über soziale Netzwerke von sogenannten „Influence preachers“, also „Influencer-Predigern“  radikalisiert werden. Man nennt ihre Zielgruppen „einsame Wölfe“. „Das sind Einzeltäter oder Kleinstgruppen ohne große Netzwerke und ohne eine organisierte Logistik“, erklärt die DSN gegenüber profil. Die Kontaktaufnahme passiert aber auch über Messenger-Gruppen oder Chats in Computerspielen.

Datenschutz erschwert Überwachung krimineller Gruppen

Die Staatsschützer nutzen die aktuelle Bedrohungslage, um auf eine bekannte Forderung hinzuweisen: Sie wollen Kommunikationskanäle wie Messenger-Dienste besser überwachen können. Unter Datenschützern gibt es jedoch erhebliche Vorbehalte dagegen. Die DSN bleibt dabei: Der Datenschutz würde es erschweren, Gefährder:innen im Überblick zu behalten. 

Neben der Planung großer Anschläge, wie zur Weihnachtszeit auf dem Wiener Stephansdom oder am Flughafen in Kabul, setzt der ISPK im Gegensatz zu anderen Terrororganisationen, auch auf vergleichsweise kleinere Attacken, darunter etwa Messerangriffe. Dies macht es Sicherheitsdiensten besonders schwer, Angriffe zu antizipieren. Oft fliegen potenzielle Attentäter auf, weil sie sich Schusswaffen, Munition oder Sprengstoff besorgen. Im Vergleich dazu können die Jihadist:innen eher unter dem Radar der Ermittler bleiben, wenn sie sich bloß ein Messer besorgen.

Zur Größe der Gruppierung und zur konkreten Gefährdungslage hält sich die DSN bedeckt.

Natalia Anders

Natalia Anders

ist Teil des Online-Ressorts und für Social Media zuständig.