Ingrid Brodnig

Ingrid Brodnig

Gesellschaft

#brodnig: Message Uncontrolled

Österreichische Innenpolitik ist viel unterhaltsamer, wenn man ihr auf Twitter folgt.

Gerade in politisch turbulenten Zeiten finde ich Twitter bereichernd. In solchen Ausnahmezuständen, wenn im Schnitt alle fünf Minuten eine politische Bombe platzt, ist der Kurznachrichtendienst genial. Denn Twitter bietet drei Funktionen:

1.) Information. Wer auf Twitter mitliest, bekommt politische Neuigkeiten wesentlich früher als die Masse auf Facebook mit. Denn auf dem Kurznachrichtendienst entscheidet kein Algorithmus, was wann eingeblendet wird. Wenn man einstellt, „die neuesten Tweets anzeigen“, blendet einem Twitter das Aktuellste zuerst ein. Und neben der Echtzeitkommunikation gibt es großartige Politologen, Juristen oder andere Experten auf Twitter. Der Jurist Hans Peter Lehofer (@hplehofer) bietet Hintergründe zu Gesetzen, die Extremismusforscherin Natascha Strobl (@Natascha_Strobl) analysiert die Sprache von Politikern. Der Datenspezialist Luca Hammer (@luca) postet Grafiken zur digitalen Diskussionskultur. Wichtig: Twitter ist nur so interessant wie die Accounts,denen Sie folgen.

2.) Klamauk. Zum Glück herrscht auf Twitter viel Humor. Mein Highlight: Ein paar junge Typen haben die Szenen aus dem Strache-Video von Ibiza nachgestellt (siehe Account @Moritzzz_). Sie posieren wie Strache im Urlaubsleiberl auf dem Sofa und gestikulieren martialisch wie Gudenus. Zugegeben: Manche Gags sind lustiger, wenn man sie live auf Twitter miterlebt hat. Aber glauben Sie mir: Es ist oft herrlich skurril!

3.) Einblicke. Als die Aufzeichnungen von Strache und Gudenus publik wurden, war es vielsagend, wie manche Akteure der freiheitlichen Partei plötzlich mucksmäuschenstill wurden. Die Tiefe einer Krise lässt sich oft daran erkennen, wer auf Tauchstation geht. Und auch sonst ist es spannend, wie Vertreter unterschiedlicher Parteien versuchen, eigene Neudeutungen der Geschehnisse zu lancieren oder die Message Control der anderen zu zerstören. Da kann man viel über politische Kommunikation lernen.

Ich gebe zu: Wenn Sie sich nur mäßig für österreichische Innenpolitik interessieren, muss Twitter ein furchtbarer Ort sein. Aber falls Sie auch einer dieser Politikjunkies sind und zu viel Tagesfreizeit haben: Schauen Sie doch vorbei!

Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir unter
ingrid.brodnig@profil.at
facebook.com/brodnig
twitter.com/brodnig

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  • Friedrich Fuhs Do., 30. Mai. 2019 10:20

    Und was lernen wir daraus? Viel Tagesfreizeit ist notwendig! Die Einnahmen kapitalisiert und die Kosten sozialisiert.

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