Bilderstromschnellen
Kultur

Bilderstromschnellen: Die Viennale steht vor der Tür

Wien-Abrechnungen, Low-Budget-Perlen und Krisenpriester: Erste Höhepunkte im Programm der kommenden Viennale.

Das Gefühl der Erneuerung wird sich im ersten Jahr der Direktion von Eva Sangiorgi in Grenzen halten. Das am 25. Oktober startende Viennale-Programm (Kartenvorverkauf ab 20. Oktober) mutet im besten Sinne vertraut an, viele der großen Stilisten des internationalen Autorenfilms werden wieder vertreten sein, vom großen alten Jean-Luc Godard abwärts, der – inzwischen 87-jährig – seinen epochalen jüngsten Assoziationsstrom aus Kriegs- und Kinoarchivmaterial, den er „Das Buch der Bilder“ nennt, nach Wien senden wird. Der in der Festivalauswahl vergangenes Jahr schmerzlich fehlende neue Film des New Yorkers Paul Schrader, der einst das Drehbuch zu Scorseses „Taxi Driver“ verfasste, wird zudem nachgeholt: „First Reformed“ ist eine irritierende, aber höchst lohnende, an Ingmar Bergman orientierte Psychostudie eines krisengeschüttelten Priesters (Ethan Hawke).

Viennale-Trailer

Zwei wagemutige politische Dramen aus Wien bereichern das Programm: Regisseur Markus Schleinzer nutzt in „Angelo“ (Foto) die reale Biografie eines aus Afrika im 18. Jahrhundert an den Wiener Hof verschleppten Dieners und Gesellschafters zu einer fast abstrakten Untersuchung von Rassismus, Identität und Heimat. Die Ambivalenzen und Komplikationen im Umgang mit „dem Fremden“ behandelt auch Sudabeh Mortezai, allerdings in sehr gegenwärtigem, semi-dokumentarischem Rahmen: „Joy“ widmet sich der tristen Existenz nigerianischer Sexarbeiterinnen mit Liebe zum Detail und hohem Differenzierungsvermögen.

Amerikanische B-Pictures

Unter den Schwerpunkten der diesjährigen Viennale ragt die große Retrospektive im Filmmuseum heraus, die dem amerikanischen B-Picture, unzähligen Raritäten und Meisterstücken aus Hollywoods Low-Budget-Produktion der Jahre 1935–1959 gelten wird: sinnliche Analogfilm-Erlebnisse garantiert. Kleinere Spezialprogramme werden die Entdeckungslust fördern: Das noch schmale Werk des in Amerika aktiven Ausnahme-Dokumentaristen Roberto Minervini wird man ebenso erkunden können wie das kaum bekannte politische Kino des früh verstorbenen Argentiniers Jorge Acha; eine Hommage wird außerdem den französischen Schauspieler Jean-François Stévenin würdigen, der neben ausgewählten Beispielen seiner Darstellungskunst auch seine drei Regiearbeiten zur Viennale bringen wird.

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