profil vor 25 Jahren: Sexuelle Belästigung in der Politik

Der Klub der starken Männer: Das profil vom 6. September 1993.

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Plötzlich würden "Frauen über Belästigungen im parlamentarischen Alltag reden", schrieb Christa Zöchling in der Titelgeschichte vom 6. September 1993, der "verschwitzte Zwischenruf" eines Abgeordneten habe "einiges ins Rollen gebracht": Der ÖVP-Abgeordnete Paul Burgstaller hatte der grünen Abgeordneten Terezija Stoisits im Innenausschuss zugerufen, sie möge das Mikrofon "in den Mund nehmen und fest daran lutschen".

Er habe dabei an einen "Eislutscher" gedacht, verteidigte sich Burgstaller, später leugnete er den Ausspruch ("Bei Frau Stoisits fällt mir nichts Sexistisches ein."). Nicht nur verbale, auch körperliche Übergriffe seien keine Seltenheit im Parlament, erfuhr Zöchling bei ihren Recherchen. Es existiere "ein parteiübergreifendes Unverständnis", meinte etwa die ehemalige SPÖ-Abgeordnete Helga Konrad: "Die Männer kriegen nicht mit, wann die Grenze vom Flirt zur Belästigung überschritten wird","die Resignation und Scham der Opfer" garantiere den Tätern Anonymität.

Konrad: "Frauen scheuen sich, zu erzählen, dass ihnen jemand an den Busen gegriffen hat, weil das letztlich wieder auf sie zurückfällt. Die Männer lachen dann und sagen:,Die soll doch froh sein.'""Du kannst nicht immer reagieren", sagte auch Stoisits, "sonst bist du als hysterische Zicke verschrieen." Sie habe einmal "eine radikale Lösung erprobt", erzählte ÖVP-Familienministerin Maria Rauch-Kallat. Als Bundesratsabgeordnete sei sie von einem Kollegen begrapscht worden - und habe "zurückgegrapscht".