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03/26/2019

Rechtstextreme Attentäter mit Österreich-Bezug

Rechtsextreme Attentäter beziehen sich oft auf österreichische Mythen der Rechten: Türkenkriege, Kampf gegen "Umvolkung" und den "großen Austausch".

von Jakob Winter

Brenton T., der rassistische Attentäter von Christchurch, hat sich, wie nun offiziell bestätigt wurde, in Österreich aufgehalten. Er besuchte unter anderem den Salzburger Christkindlmarkt, das Klagenfurter Landhaus und die Wiener Nationalbibliothek. Auf dem Foto, das er von dort postete, ist über dem Eingang die Tafel mit der Aufschrift "Haus der Geschichte Österreichs" zu sehen. Es wurde im November 2018 eröffnet.

Verweis auf Türkenbelagerung

In einem Manifest, das er mit der Wirkungskraft der sozialen Medien maximal verbreitete, hebt der Attentäter Österreich als eines jener Länder hervor, von dem ein Aufbruch zu erwarten sei. Sein Pamphlet trägt den Titel: "The great replacement". "Der große Austausch" heißt auch die Kampagne der Identitären Bewegung, sozusagen der Hipster des Rechtsextremismus. Mit popkulturellen Mitteln propagieren sie die Ideologie, über Massenmigration und höhere Geburtenraten finde derzeit ein Austausch der europäischen Bevölkerung statt – und in Österreich seien die Türken schließlich schon einmal zurückgeschlagen worden: 1683.

In einem Video vom 20. Dezember 2016, das nur wenige Tage online war, drohte der Österreicher Martin Sellner, die Galionsfigur der Bewegung, den Befürwortern eines menschenrechtlichen Umgangs mit Flüchtlingen und Migranten ganz unverhohlen: "Wir beobachten ganz genau, was ihr tut. Wir wissen ganz genau, was ihr letzten Sommer getan habt." Sellner erklärte, "dass es bald von einigen verzweifelten und wütenden Rechten radikalere und extremistischere Antworten geben wird". Er selbst distanzierte sich in diesem Video zwar explizit von Gewalt und Terror, doch forderte er seine Anhänger auf, ihren Beruf oder ihr Studium aufzugeben, sich von der Familie loszusagen und sich mit Haut und Haar dem Kampf gegen den "großen Austausch" zu widmen. Solche Aufrufe fördern die Radikalisierung von Rechtsextremen und finden bis in neonazistische Kreise hinein Widerhall.

"Kebab Remover"

Der Attentater Brenton T. hat sich nicht nur den "großen Austausch" zu eigen gemacht und ihn mit der "Vorherrschaft der weißen Rasse" aufgeladen, er verwendete auch Codes, welche die Identitären eine Zeit lang auf ihre "Phalanx Europa"- Shirts drucken ließen: "Remove Kebab", stand darauf zu lesen. Brenton T. bezeichnete sich selbst als "Kebab Remover".

Im Kampf gegen "Vermischung" und "Überfremdung" gilt Österreich schon länger als Trendsetter. In den 1990er-Jahren, nach Öffnung der Ostgrenzen, etablierte sich eine Partei namens "Nein zur Ausländerflut" und brachte Slogans wie "Überfremdung ist Völkermord" unter die Leute. Sie wurde zu Wahlen nicht zugelassen. Doch auch freiheitliche Politiker sprachen von "Umvolkung". Den Wahlkampf 1999 führte die FPÖ mit Plakaten gegen die "Überfremdung".

Wie sehr sich rechte Ideologie durchgesetzt hat, zeigt sich auch im Verschweigen und Negieren rechtsextremen Terrors. Mit der FPÖ sympathisierende und von FPÖ-Inseraten profitierende Medien verloren kaum ein Wort des Mitleids über die Opfer von Christchurch; manche berichteten nicht einmal darüber.

Im rechtsextremen russlandfreundlichen Magazin "Info-Direkt" inseriert neben EU-Kandidat Harald Vilimsky auch Günther Kleinhanns, FPÖ-Obmann in Linz, mit der Botschaft "Überfremdung niemals". Vor 20 Jahren war der Begriff noch einigermaßen verpönt – heute ist er salonfähig.

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