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Wirtschaft
12/20/2020

Corona-Hilfen: Geheimsache Fußball

Die Öffentlichkeit soll nicht wissen, wer wie viel aus einem millionenschweren Fördertopf für Spitzenklubs erhält. profil hat herausgefunden: In einer ersten Phase ging der Großteil an Rapid.

von Stefan Melichar

Die Bundesliga schweigt und verweist auf die Bundes-Sport GmbH (BSG). Die BSG schweigt und verweist auf das Sportministerium. Das Ministerium schweigt und verweist auf die Vereine. Und die sagen letztlich auch nichts. Wer umfassende Transparenz bei den staatlichen Corona-Hilfen für österreichische Spitzenklubs schaffen möchte, fühlt sich wie in einem Höscherl bei Real Madrid. (Anmerkung für Nicht-Fußballer: Bei einem Höscherl – etwa im Aufwärmtraining – stehen die Kicker im Kreis und passen einander den Ball zu. Ein bedauernswerter Spieler in der Mitte muss die Kugel erwischen.)

profil hat in mehrwöchiger Recherche dennoch herausgefunden, wie es mit den Corona-Hilfen aus dem sogenannten Sportligen-Fonds der Regierung läuft. Was auffällt, ist eine stark ungleiche Verteilung. In der Phase eins des Fonds, welche die letzten zehn Spiele der Saison 2019/20 erfasste, bekamen fünf der zwölf Erstligaklubs Geld aus dem Fördertopf: Rapid, Austria, LASK, WAC und Sturm Graz. Manche Klubs dürften deshalb nichts bekommen haben, weil Kurzarbeitsbeihilfe in entsprechender Höhe gegengerechnet wurde. Der FC Salzburg wiederum hat freiwillig auf Fonds-Gelder und Kurzarbeit verzichtet.
 

Zwei Millionen Euro für Rapid

Den vorliegenden – gerundeten und nicht offiziell bestätigten – Zahlen zufolge erhielt Sturm nicht ganz 50.000 Euro, der WAC knapp unter 200.000 Euro, der LASK etwas mehr als 300.000 Euro und die Austria inklusive Zweitligaklub Young Violets mehr als 350.000 Euro. Unangefochtener Spitzenreiter der Fördertabelle war jedoch Rapid mit etwas unter zwei Millionen Euro. Das war nicht nur der Löwenanteil der gesamten Erstliga-Förderung (2,7 Millionen Euro in Phase eins), sondern auch fast die Hälfte des gesamten Fördertopfes für alle acht Ligen aus verschiedenen Sportarten (4,3 Millionen Euro).  Die genannten Größenordnungen für die einzelnen Klubs wurden profil von mehreren – voneinander unabhängigen – Quellen bestätigt.

Der Sportligen-Fonds ist ins Leben gerufen worden, um unter anderem Ausfälle aus Zuschauer- und/oder Sponsoreinnahmen wegen der Corona-Geisterspiele auszugleichen. Gefördert werden bis zu achtzig Vereine aus acht Ligen – von Fußball bis Eishockey. Bei Rapid handelt es sich um einen besonders zuschauerstarken Klub. Da schlägt der Ersatz für Ticketausfälle naturgemäß besonders ins Gewicht. Die Rapid-Führung hat auch wiederholt betont, man wäre besonders stark von der Corona-Krise betroffen. Zieht man jedoch in Betracht, dass die Grün-Weißen 2019/20 an keinem internationalen Bewerb teilgenommen haben, wirtschafteten sie – laut Jahresabschluss – nicht schlechter als im vorangegangenen Jahr.

Niedrigeren Umsätzen standen auch – ebenfalls Corona-bedingt – deutlich niedrigere Aufwendungen für Heimspiele und Hospitality gegenüber. Ohne eine Steuerzahlung, die in den Vorjahren nicht angefallen war, hätte Rapid inklusive Transfergeschäft sogar einen Gewinn erzielt. Die zwei Millionen Euro aus der ersten Phase des Corona-Fonds sind da noch gar nicht enthalten, die schlagen erst im nächsten Jahresabschluss zu Buche. Sehr wohl enthalten sind die Kurzarbeitsförderung und interne Sparmaßnahmen.

Welche Sportarten wie viel erhalten

Das Sportministerium gab zwar die Aufteilung auf einzelne Klubs nicht bekannt – „aus Gründen des Datenschutzes“ und wegen „betrieblicher Geheimhaltungsinteressen“. Andere Details zur Corona-Förderung für Spitzenvereine legte das Ministerium auf Anfrage jedoch sehr wohl offen. Demnach teilen sich die für die Phase eins (10. März bis 30. Juni 2020)  ausgeschütteten Mittel folgendermaßen nach Ligen auf (gerundete Zahlen):

Erste Fußball-Bundesliga: 2,70 Millionen Euro

Eishockey ICE-Liga: 680.000 Euro

Basketball-Liga: 400.000 Euro

Zweite Fußball-Bundesliga: 390.000 Euro

Eishockey Alps Liga: 100.000 Euro

Volleyball-Liga: 40.000 Euro

Handball-Liga: 20.000 Euro

Hockey-Liga: 10.000 Euro

Was wurde ersetzt? Hauptsächlich ausgefallene Zuschauereinnahmen (46,5 Prozent des ausbezahlten Gesamtvolumens) und Sponsoreinnahmen (43,6 Prozent). Abgesehen davon wurden auch noch Einnahmenverluste aus Gastronomie (6,6 Prozent), Merchandising (2,4 Prozent) und TV-Rechten (0,9 Prozent) ausgeglichen.

In Bezug auf die erste Fußball-Bundesliga ist mittlerweile bereits eine zweite Förderphase abgerechnet. Diesmal flossen insgesamt 5,4 Millionen Euro an die Klubs.

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