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Club3
06/11/2022

Monika Rosen: „Wir sind immer noch aus allen Krisen herausgekommen“

Monika Rosen, Vizepräsidentin der Österreichisch-Amerikanischen Gesellschaft und ehemalige Chefanalystin der Bank Austria über die aktuellen Herausforderungen für die Weltwirtschaft.

von Christina Hiptmayr

Die Börsen schwanken, gleichzeitig herrscht Krieg in Europa, hohe Inflation und niedrige Zinsen bedrücken die Wirtschaft. Die Gemengelage aus schlechten Nachrichten sorgt bei Monika Rosen dennoch nicht für Depressionen. Auch nach über 30 Jahren in der Finanzbranche kann sich die Börsenexpertin noch immer für das Geschehen an den Märkten begeistern und bleibt optimistisch: „Ich persönlich bin sehr davon überzeugt, dass wir die Probleme in den Griff bekommen können. Wir sind immer noch aus allen Krisen herausgekommen“, sagt Rosen im Club 3, der gemeinsamen TV-Sendung von profil, „Kurier“ und „Kronen Zeitung“. 

Auch für Anlegerinnen und Anleger hat sie eine positive Botschaft: Eine Situation wie in den 1970er-Jahren, als Aktienindizes ein Jahrzehnt lang stagniert haben, fürchtet sie nicht. Vielmehr könne man die aktuell fallenden Börsenkurse auch als Vorteil betrachten: „Wenn man langfristig an ein Unternehmen glaubt, und das hat jetzt zehn oder noch mehr Prozent nachgegeben, hat man jetzt eine bessere Einstiegschance als noch zu Beginn des Jahres“, sagt Rosen. Eines müsse aber auch klar sein: Die Zeit der ultralockeren Geldpolitik sei vorbei, und das sorge eben auch für Gegenwind bei den Kursen. 

In die Kritik gegenüber den Zentralbanken, die der Inflation nicht die nötige Bedeutung beigemessen hätten, will Rosen nicht einstimmen: „Die ehemalige Notenbank-Chefin der USA und jetzige Finanzministerin Janet Yellen hat vergangene Woche gesagt: ‚Ich habe mich geirrt, meine Einschätzung war falsch.‘ Ich würde sagen, die Europäische Zentralbank befindet sich hier in breiter Gesellschaft.“ Zudem gibt es eine Reihe von Faktoren, die derzeit die Inflation anschieben, die jenseits des Einflussbereiches einer Notenbank liegen. Weder können diese etwas gegen den Krieg in der Ukraine und steigende Energiepreise tun, noch haben sie Einfluss auf die Covid-Politik der Chinesen, welche massive Auswirkungen auf die internationalen Lieferketten hat.

Die Europäische Zentralbank stehe zudem vor der besonderen Herausforderung, dass sie in einem heterogenen Wirtschaftsraum den Spagat zwischen den Interessen der südlichen Mitgliedsländer und etwa Deutschland hinkriegen müsse.

Angesichts der geopolitischen Spannungsfelder und neuer rechtlicher Rahmenbedingungen wie etwa dem Lieferkettengesetz, geht Rosen auch davon aus, dass in Sachen Globalisierung möglicherweise eine Kehrtwende bevorsteht und Produktionsstätten wieder nach Europa geholt werden. „Schon mit Covid, aber jetzt noch viel mehr mit dem Konflikt in der Ukraine geht das in diese Richtung.“