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profil-Morgenpost
03/25/2021

Laufmasche

Über „Transparenzoffensiven“, „DEN“-Werte von Strumpfhosen, Hygiene Austria und die Spur des Geldes.

von Stefan Melichar

Wenn eine Firmenbeteiligung des Unterwäschehändlers Palmers eine „Transparenzoffensive“ ankündigt, weckt das mitunter Erwartungen in eine ganz falsche Richtung. Aktuell geht es nämlich nicht etwa um „DEN“-Werte von Strumpfhosen (Faustregel: je niedriger, desto durchsichtiger). Beim Coronamasken-Produzenten Hygiene Austria LP GmbH, an dem neben Palmers auch noch der oberösterreichische Faserhersteller Lenzing beteiligt ist, steht nach einer Hausdurchsuchung Anfang März hingegen die Transparenz der Geschäftsgebarung auf dem Prüfstand. Bei Hygiene Austria bestreitet man jegliches Fehlverhalten. Vergangenes Jahr war sogar Bundeskanzler Sebastian Kurz auf Werksbesuch. Doch obwohl das einstige Vorzeige-Unternehmen im Rahmen der Krisen-PR Anfang dieser Woche sogar noch eine Intensivierung seiner „Transparenzoffensive“ in Aussicht gestellt hat, liegt vieles weiterhin im Regal mit der besonders blickdichten Ware.

Wir bei profil haben seit Anfang März zweimal detaillierte Anfragen an Geschäftsführer Tino Wieser geschickt. Das erste Mal ging es dabei um einen – auf eigenartige Weise eingefädelten und letztlich dann doch geplatzten – FFP2-Masken-Großauftrag der Bundesregierung.

Das zweite E-Mail an Wieser übermittelten wir vergangene Woche im Rahmen der Recherchen zu einem Artikel in der aktuellen Ausgabe von profil. Darin gehen wir nicht nur der Frage nach, ob denn Masken aus China „Made in Austria“ sein können, sondern leuchten auch die Eigentümerstruktur von Palmers aus – soweit dies überhaupt möglich ist. Die Spur des Geldes führt nämlich ins Fürstentum Liechtenstein, wo Transparenz in Firmenangelegenheiten bekanntermaßen nicht den höchsten Stellenwert genießt.

Mehr Fragen als Antworten

Wieser ließ unsere Anfragen übrigens unbeantwortet. Eine Rückmeldung erreichte uns von Palmers-Co-Vorstand Matvei Hutman. Diese warf letztlich allerdings mehr Fragen auf als sie beantwortete. Der in Taschkent geborene Geschäftsmann mit österreichischer Staatsbürgerschaft  kommt uns bei Recherchen nicht zum ersten Mal unter. profil-Wirtschaftsressortleiter Michael Nikbakhsh erwähnte ihn etwa in seinem – Ende 2019 veröffentlichten – Opus magnum zu den seltsamen Geschäften der Meinl Bank (Stichwort: „Russian Desk“):

Letztlich ist für uns – nach aufwendiger Recherche – sogar die Frage offengeblieben, wem das angeblich österreichische Traditionsunternehmen Palmers wirklich gehört (beziehungsweise wessen Geld drinsteckt). Mit dem Vertrauen ist es wie mit einer besonders edlen Strumpfhose: Ist einmal eine Laufmasche drin, wird es schwierig.

Ich wünsche Ihnen einen schönen Start in den Frühling! Mögen alle Ihre Kleidungsstücke unbeschädigt bleiben!

Ihr Stefan Melichar

PS: Gibt es etwas, das wir an der „Morgenpost“ verbessern können? Das Sie ärgert? Erfreut? Wenn ja, lassen Sie es uns unter der Adresse [email protected] wissen. 

 

Stefan Melichar
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