Eroberte russische "Tiger" in der ukrainischen Stadt Charkiw

Eroberte russische "Tiger" in der ukrainischen Stadt Charkiw

© Screenshot YouTube

Wirtschaft
03/18/2022

Siegfried Wolf und die russischen Panzer

Der österreichische Manager war niemals in Russlands Rüstungsproduktion involviert, behauptet er. Stimmt's?

von Joseph Gepp

Produzieren Unternehmen aus dem Konzern von Oleg Deripaska, der enge geschäftliche Verbindungen zu Siegfried Wolf pflegt, Panzer und andere Militärfahrzeuge, die derzeit im Überfall auf die Ukraine zum Einsatz kommen? Spekulationen in diese Richtung weist Wolf scharf zurück. Er sei „niemals in militärische Produktion involviert“ gewesen, so eine Aussendung durch Wolfs Sprecher Josef Kalina vom vergangenen Mittwoch. Was ist also dran an den Vorwürfen?

Zahlreiche Videos aus der Ukraine, etwa aus der umkämpften Stadt Charkiw, zeigen russische Militärfahrzeuge, etwa die so genannten „Tiger“ („tigr“). Die gepanzerten Fahrzeuge werden von einem Unternehmen mit Sitz in Moskau hergestellt, wie aus Berichten der staatlichen russischen Nachrichtenagentur TASS hervorgeht. Name dieser Firma: VPK LLC (die Abkürzung VPK steht russisch für „Militärisch-industrielles Unternehmen“).

Die Website der VPK – die vor kurzem stillgelegt wurde – führt als Unternehmenszweck an: „Die Gesellschaft mit beschränkter Haftung ’Military Industrial Company’ (LLC ’VPK’) ist ein strategischer Partner des Staates bei der Ausrüstung der Streitkräfte, anderer militärischer Formationen und Sicherheitsstrukturen mit modernen High-Tech-Modellen von gepanzerten Radfahrzeugen.“ Laut der englischsprachigen Wikipedia hat die VPK ihren Sitz in Moskau, wurde 2006 gegründet und beschäftigt rund 6000 Mitarbeiter. Laut der russischen Nachrichtenagentur TASS liefen zumindest bis ins Jahr 2016 – möglicherweise bis heute – die Tiger von den Fließbändern der VPK.

Wem gehört die VPK?

Die entscheidende Frage: Wem gehört die VPK? Laut dem russischen Firmen- und Branchenverzeichnis ist der Eigentümer der Mischkonzern „Russian Machines“ von Oleg Deripaska. Unter der Rubrik „Produkte“ findet sich bei Russian Machines unter anderem die „Produktion von Militärausrüstung“ aufgelistet: „Zu diesem Zweck wurde die VPK LLC gegründet“.

Auch die renommierte russische Wirtschaftszeitung „Kommersant“ berichtete im Jahr 2008, dass die VPK „Teil der Russian Machines“ sei und sich auf „die Schaffung neuer Modelle militärischer Ausrüstung“ fokussiere. Überdies taucht die VPK auf russischen Job-Plattformen auf: Die VPK - „Teil der Russian Machines Holding“ – sucht etwa aktuell Mitarbeiter zur „Schaffung und Ausrüstung moderner Modelle von gepanzerten Radfahrzeugen und gepanzerten Fahrzeugen“. Mission des Unternehmens laut Job-Anzeige: „das notwendige Verteidigungsniveau des Staates zu gewährleisten.“

Der Österreicher Siegfried Wolf fungierte, wie aus einem Lebenslauf im Internet hervorgeht, zwischen 2010 bis 2018 als Vorsitzender des Verwaltungsrats (also Aufsichtsratschef) der Russian Machines Cooperation.

Was sagt Wolfs Sprecher Kalina dazu? Stimmt, die VPK sei einst eine Unternehmenstochter der Russian Machines gewesen, führt Kalina aus. Allerdings sei im Jahr 2011 beschlossen worden,  die VPK von der Russian Machines „abzutrennen“. Im darauffolgenden Jahr 2012 – also zwei Jahre nach Wolfs Beginn als Verwaltungsratschef – sei diese Trennung schließlich vollzogen worden. Wie genau sie ausgesehen hat und wer ein etwaiger Käufer der VPK war, ist Kalina laut eigenen Angaben nicht bekannt. In den profil vorliegenden Unterlagen jedenfalls findet sich nichts nicht über einen Eigentümerwechsel bei der VPK.

Josef Kalina betont auf profil-Anfrage: „Siegfried Wolf hatte auf die Unternehmenstochter VPK keinerlei Einfluss und war niemals in Entscheidungen, welche die VPK betrafen, involviert.“