Wirtschaft

Zeitenwende Wirtschaft: Was ist heuer alles passiert?

Die Inflation ist explodiert, Zinsen sind zurück und Energie ist das neue Gold. Was ist heuer alles passiert? Ein Rückblick.

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Jänner 2022 – Inflation bei 5 Prozent. Leitzins der europäischen Zentralbank bei 0 Prozent.

Dezember 2022 – Inflation bei 10,6 Prozent. Leitzins der europäischen Zentralbank bei 2 Prozent.

„Oft kommen tagtäglich die Preiserhöhungen, und wir kommen nicht hinterher, die Preisschilder anzupassen. Da beschweren sich dann die Kunden an der Kassa, wenn es mehr kostet als angeschrieben“, erzählte Supermarktmitarbeiter Soren L. profil-Redakteurin Emilia Garbsch diesen Sommer. Die abstrakt klingenden Prozente machten sich schnell im Alltag bemerkbar. Vor allem wurden nicht Luxusprodukte teurer, sondern der tagtägliche Bedarf: Lebensmittel, Energie, Sprit und Wohnen. Der Warenkorb der Arbeiterkammer mit den günstigsten Grundnahrungsmitteln ist 30 Prozent teurer als vor einem Jahr.

 Vor Beginn des russischen Kriegs in der Ukraine lag die Inflationsrate in Österreich bei fünf Prozent, das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) rechnete mit einem Schnitt von 3,3 Prozent für das gesamte Jahr.  Das wirkte damals schon unerhörlich hoch, sorgte für Schlagzeilen, Interviews und Empörung. 

Geopolitische Spannungen, unterbrochene Lieferketten und Produktionseinschränkungen durch die Covid-Pandemie galten damals als die Hauptgründe. Dazu war viel Geld durch die Niedrigzinspolitik der europäischen Zentralbank der letzten Jahre auf dem Markt, welche die Konjunktur des Euroraums unterstützen sollte. Der russische Angriff auf die Ukraine und der, wie Nobelpreisträger Joseph Stiglitz sagte, darauffolgende Wirtschaftskrieg lassen diese Gründe nun fast mickrig wirken.

In den folgenden Monaten wurde vielen EU-Ländern ihre Abhängigkeit von billiger Energie schmerzhaft vor Augen geführt. Staatschefs, Ministerinnen und Minister schüttelten die Hände autoritärer Staatschefs verschiedener Länder, um möglichst rasch neue – weiterhin fossile –Energiequellen zu sichern. Firmen, die als Lehre aus der Pandemie ihre Produktion zurück nach Europa bringen wollen, schoben diese Pläne auf – zu teuer die Energie und zu hoch das Sicherheitsrisiko.

Die von Monat zu Monat steigenden Inflationsraten erhöhten den Druck auf die Europäische Zentralbank. Die Niedrigzinspolitik von Christine Lagarde war zunehmend nicht nur den üblichen Kritikern (etwa Österreich und Deutschland) ein Dorn im Auge.  Die US-amerikanische Zentralbank FED hatte bereits erste Zinsschritte gewagt, Anfang Juli zog die EZB nach. Das heißt: Zinsen waren zurück, um gegen die Inflation zu kämpfen, gleichzeitig wurden sie bei Krediten wieder Realität.

Doch einstweilen läuft die Wirtschaft doch noch? Wir reden seit Monaten von einer nahen Krise, Ökonominnen und Ökonomen winken mit düsteren Prognosen für den gesamten Euroraum, wir spüren die steigenden Preise, aber die Rezession lässt noch auf sich warten. Die Vorzeichen verdüstern sich, so sind etwa die Zinsen für Staatsanleihen mit längeren Laufzeiten niedriger als jene mit kürzeren Laufzeiten. Das ist so in den USA, in Deutschland, aber auch in Österreich. Die Märkte schätzen also die staatliche Schuldentragfähigkeit kurzfristig schlechter ein als langfristig. Das deutet oft auf eine kommende Krise hin. Einstweilen wächst die Wirtschaft allerdings noch. Im 3. Quartal wuchs die österreichische Wirtschaftsleistung real um 1,7 % gegenüber dem Vorjahresquartal, so die Zahlen der Statistik Austria. Wachstumsmotor war die Industrie, Unterhaltung und Gastronomie bilanzierten schon gedämpfter. Was im kommenden Jahr auf uns zukommt, hat profil hier zusammen gefasst.

Clara Peterlik

Clara Peterlik

ist seit Juni 2022 in der profil-Wirtschaftsredaktion. Davor war sie bei Bloomberg und Ö1.