Terror um Tirol: Feuernächte und Folterknechte

Vor 50 Jahren erschütterte eine Serie von Sprengstoffanschlägen in Südtirol die politische Landschaft von ganz Europa. Die Folgen wirken bis heute nach.

Das größte Ausstellungsstück im neuen Museum am Innsbrucker Bergisel ist ein überdimensionaler Pferdekopf. Er stammt von einem Reiterstandbild in Waidbruck in Südtirol, das den italienischen Diktator Benito Mussolini darstellte und am 30. Jänner 1961 in die Luft gesprengt wurde. Das Attentat, ausgeführt von einer kleinen Gruppe von Tirolern, den so genannten „Bumsern“, war ein Vorspiel zur größten gewaltsamen internationalen Auseinandersetzung in Westeuropa nach dem Zweiten Weltkrieg. Den ersten Höhepunkt in diesem von Bombenanschlägen, Militäraktionen und internationaler Geheimdienstmitwirkung geprägten Konflikt bildete die so genannte „Feuernacht“, die sich in einigen Wochen zum fünfzigsten Mal jährt. In der Nacht vom 11. auf den 12. Juni 1961, zum Herz-Jesu-Fest, einem in Tirol religiös und politisch hoch emotionalisierten Datum, wurden in ganz Südtirol über 40 Strommasten – Symbole der Industrialisierung des Landes für italienische Zuwanderer – in die Luft gesprengt. Mit Bomben, zu denen sich ein „Befreiungsausschuss Südtirol“ (BAS) bekannte, sollte die Weltöffentlichkeit auf die Unterdrückung der deutschsprachigen Minderheit in Südtirol aufmerksam gemacht werden.

An der Spitze derer, die in Südtirol auf die Erfüllung der im „Pariser Abkommen“ von 1946 garantierten Autonomierechte drängten (siehe Kasten Seite 38), stand Sepp Kerschbaumer, ein einfacher, wie Freunde ihn beschreiben, „franziskanischer Mensch“, der in Frangart bei Bozen eine Landwirtschaft und eine Gemischtwarenhandlung betrieb und Ortsobmann der Südtiroler Volkspartei (SVP) war. Dass in Rom ausgerechnet Christdemokraten die faschistische Italianisierungspolitik mit forcierter Zuwanderung nahtlos fortführten, war für den katholischen Fundamentalisten eine unbegreifliche Enttäuschung. Er begann zu provozieren, indem er beispielsweise die verbotene weiß-rote Tiroler Fahne an der Kirche seines Heimatorts hisste. Die zehn Tage Haft, die er dafür ausfasste, verbrachte er im Hungerstreik.

Kurz darauf, am 17. November 1957
, versammelten sich 35.000 Südtiroler auf Schloss Siegmundskron bei Bozen, um die Einhaltung des Pariser Abkommens zu verlangen. Die Forderung der Stunde hieß „Los von Trient“, das heißt eine Autonomie unabhängig von der italienischen Mehrheit im Trentino. Dem charismatischen Obmann der SVP, Silvius Magnago, gelang es damals nur mit Mühe, Gewaltforderungen abzuwehren.
Aber die Südtiroler Heißsporne – verharmlosend „Bumser“ (Knaller) genannt – fanden Verbündete in Österreich. Vor allem in Nordtirol gab es biografisch begründete Sympathien für die „Brüder“ südlich des Brenners.

Der Schriftsteller Heinrich Klier nennt Gespräche mit seinem Südtiroler Kletterfreund Martl Koch als Grund für sein Engagement. Beide sprengten gemeinsam den Aluminium-Duce in Waidbruck, für Klier ein Symbol wie der Gesslerhut in Schillers „Wilhelm Tell“. Kopf der Nordtiroler Aktivisten des BAS war der Journalist und Volkskundler Wolfgang Pfaundler, im Zweiten Weltkrieg Widerstandskämpfer gegen die Nazis. Pfaundler fungierte auch als Verbindungsglied zu einer Wiener Gruppe, deren Exponenten der Verleger Fritz Molden – ebenfalls NS-Widerstandskämpfer – und der Chefredakteur der Zeitung „Express“ und spätere ORF-Generalintendant Gerd Bacher waren.

Bis heute wird diskutiert, welche Rolle der damalige Außenminister Bruno Kreisky, der die Südtirol-Frage bereits 1959 und 1960 vor die UNO gebracht hatte, in Zusammenhang mit den Anschlägen spielte. Eine der ungezählten Legenden besagt, dass ihm ein Splitter des gesprengten Aluminium-Duce als Souvenir überreicht wurde. Belegt sind Gespräche mit den Südtiroler BAS-Leuten Luis Amplatz und Georg Klotz, und Gerd Bacher kolportiert gerne die Kreisky-Äußerung „Wegen ein paar Masten oder Brücken werden wir nicht wehleidig sein, aber keine Menschenleben!“. Kreisky war wegen des Engagements von Rechtsradikalen im BAS besorgt, weswegen sich dann auch die Gruppe um Fritz Molden als Fund-Raising-Organisation zurückzog. Immerhin war der spätere NDP-Gründer Norbert Burger, damals Assistent an der Uni Innsbruck, schon beim Vorbereitungstreffen für die „Feuernacht“ im Schweizer Ort Zernez anwesend und steuerte später von Deutschland aus die kräftige finanzielle und personelle Unterstützung rechtsradikaler Organisationen.

Das Ziel der BAS-Aktionen war von Anfang an das Selbstbestimmungsrecht. Auffassungsunterschiede zwischen den einzelnen Führungspersonen und Gruppierungen gab es hinsichtlich der Erreichung dieses Ziels. Der biedere, oft als sentimental beschriebene Sepp Kerschbaumer konnte mit den Gewaltträumen des militanten Georg Klotz, dem ein Guerillakrieg vorschwebte, wenig anfangen. Den Nordtirolern unter dem autoritären Pfaundler wiederum war Kerschbaumer zu unverlässlich. ­Logistischer Kopf der Vorbereitungen auf die „Feuernacht“ war in Nordtirol Kurt Welser, wie Klier und andere junge Aktivisten ein begeisterter Kletterer, der die Sprengstoff- und Waffentransporte nach Südtirol durchführte. In bewegenden Interviews für das dieser Tage erscheinende Buch „Herz-Jesu-Feuernacht – Südtirol 1961“ von Birgit Mosser-Schuöcker und Gerhard Jelinek, herausgegeben vom Tyrolia-Verlag und dem ORF, schildert Lilo Welser, Kurt Welsers Witwe, die schlaflosen Nächte, wenn sie auf das erlösende Geräusch des VWs wartete, das die Rückkehr ihres Mannes von einer Beschaffungsfahrt ankündigte. Kurt Welser verunglückte im Herbst 1965 bei einer Bergtour am Zinalrothorn in der Schweiz tödlich. Beim Grazer Schwurgerichtsprozess drei Wochen später schmückte ein Blumenstrauß seinen Platz auf der Anklagebank.

Die Nordtiroler waren in der Herz-Jesu-Nacht in Begleitung von Frauen, häufig Studentinnen, getarnt als Ausflugstour in einem Bus nach Südtirol unterwegs gewesen. Die Anschlagsziele waren vorher festgelegt worden und auf das ganze Land verteilt. Bevor die an den Strommasten montierten Sprengstoffpakete in den frühen Morgenstunden losgingen, waren die Nordtiroler bereits wieder über dem Brenner. Eine zweite konzertierte Aktion gegen Strommasten und Oberleitungen der italienischen Staatsbahnen – die so genannte „Kleine Feuernacht“ – legte einen Monat später mitten in der Sommerhochsaison die Brenner-, Gotthard- und Simplonstrecke vorübergehend lahm.

Italien reagierte mit aller Härte.
24.000 Soldaten und 10.000 Carabinieri wurden nach Südtirol verlegt und verwandelten es in ein besetztes Land. Verdächtige wurden brutal und erniedrigend gefoltert. Belegt sind Schläge mit Gewehrkolben, Stromstöße, Einflößen von Salzwasser, stundenlanges Stehen vor starken Scheinwerfern, Verweigerung von Toilettenbesuchen und Folter an Genitalien. Zwei der Gefolterten, Anton Gostner und Franz Höfler, starben dabei. Die Carabinieri erklärten den Verhafteten, sie hätten alle Deckung von oben: „carta bianca“ und „mani libere“. Viele der Gefolterten, deren Schreie im weiten Umkreis der Kasernen zu hören waren, brachen zusammen und verrieten alles, was man von ihnen hören wollte. 150 BAS-Aktivisten, darunter Kerschbaumer, wurden verhaftet, 68 Beschuldigte standen im fast zwei Jahre dauernden, bis dahin größten Prozess der italienischen Nachkriegsgeschichte in Mailand vor Gericht. Der Berichterstatter für die Zeitung „Dolomiten“ und den deutschsprachigen Sender Bozen der RAI, Franz von Walther, hielt fest, dass sich der Prozess zur „großen öffentlichen Anklage gegen die schweren Versäumnisse des demokratischen Italien“ entwickelte. Parallel zum Mailänder Prozess wurden in Trient zehn Folter-Carabinieri vor Gericht gestellt. Acht wurden freigesprochen, zwei begnadigt.

Auf Druck des Ministerpräsidenten der inzwischen gebildeten italienischen Mitte-links-Koalition, Aldo Moro, wurden immerhin die Anklagepunkte „Anschlag gegen die Einheit des Staates“ und „Anschlag gegen die Verfassung“ – beide hätten „lebenslänglich“ bedeutet – fallen gelassen, und so gab es am 16. Juli 1964 verhältnismäßig milde Urteile gegen die Mehrzahl der Angeklagten. Sepp Kerschbaumer freilich als Anführer des BAS erhielt 15 Jahre und elf Monate und starb kurz darauf 51-jährig im Kerker von Verona an Herzinfarkt. Eine Tafel an seinem Grab ehrt ihn als Tiroler Freiheitskämpfer.

Die Situation hatte sich inzwischen radikalisiert.
Einzelne Gruppen der Bumser wie die „Pusterer Buam“ und die „Pfunderer Buam“ (die Bezeichnung „Buben“ zeugt von der Verharmlosung der Täter) schreckten auch vor Gewalt gegen Menschenleben nicht mehr zurück. Anschläge gegen Carabi­nieri, italienische Soldaten und Zollbeamte mehrten sich. Die Lizenz zum Töten gab sich jeder selbst, Südtirol schien zum Schauplatz eines Italowestern zu werden. Manche der Gewaltakte sind bis heute nicht geklärt. Erst 2009 tauchten zum Beispiel Beweise auf, dass die den Pusterer Buam zugeschriebene Ermordung des Carabiniere Vittorio Tiralongo 1964 wahrscheinlich ein Eifersuchtsdelikt, begangen von einem Kollegen, war.

Die Antwort auf die Radikalisierung war Gegengewalt, auch in Österreich. Nach der Sprengung des Aluminium-Duce wurde das Andreas-Hofer-Denkmal auf dem Bergisel zerstört. Und am 23. September 1963 gab es einen folgenschweren Anschlag in Ebensee. Um 6 Uhr Früh wurde mit einer Bombe ein Denkmal an der Traunsee-Uferstraße gesprengt. Stunden später entdeckte ein Kabinenführer der Feuerkogel-Seilbahn eine Bombe auf dem Dach einer Gondel. Er konnte sie unschädlich machen, Schüler in der Gondel blieben unverletzt. Eine dritte Bombe an einem Behälter der Saline explodierte beim Versuch, sie zu entschärfen. Der Gendarmeriekommandant Karl Gruber wurde dabei getötet, zwei weitere Gendarmen, Johann Winkler und Albrecht Schröder, Vater des jetzigen Albertina-Direktors, wurden schwer verletzt. Zunächst wurde Kurt Welser verdächtigt, aber ein Jahr später gestand ein Neofaschist in Italien den Anschlag. Er wurde nicht verfolgt.

Die Jahre des bewaffneten Konflikts in Südtirol fielen mit einem Höhepunkt des Kalten Kriegs zusammen. Sie erregten daher in hohem Maße die Aufmerksamkeit der westlichen und östlichen Geheimdienste, die eine Destabilisierung des NATO-Landes Italien befürchteten oder erhofften. Viele Jahre später erzählte dem ORF-Korrespondenten Franz Kössler ein amerikanischer Geheimdienstmann, der Anfang der sechziger Jahre beim Abwehrdienst der NATO in Verona stationiert war, dass er nach der „Feuernacht“ sofort nach Südtirol beordert wurde, da es einen Verdacht auf Kontakte sowjetischer Agenten mit den BAS-Leuten gab.
Fantasien in einem James-Bond-Klima des Kalten Kriegs oder nicht?

Tatsache ist, dass auch Rom ein kleines Heer von Agenten aufzubauen begann. Sie wurden zum Teil in Österreich angeworben, wie die Brüder Christian und Franz Kerbler aus Hall in Tirol, die im September 1964 die BAS-Männer Luis Amplatz und Georg Klotz nach Südtirol und dort in einen Hinterhalt lockten. Amplatz wurde von Christian Kerbler erschossen, Klotz wurde verletzt und konnte fliehen. Der Schützenmajor und Weltkriegsveteran, der auf Pressefotos gern in Fantasieuniform mit Pistole posierte, erreichte auf der Flucht Sölden im Ötztal. Noch bevor ihn dort Wolfgang Pfaundler abholen konnte, wurde er von der Gendarmerie verhaftet und sollte über Weisung des Innenministeriums nach Wien überstellt werden. Im Buch von Mosser-Schuöcker und Jelinek, das in weiten Teilen eine spannende Aufzählung detailreich recherchierter Episoden ist, wird der von Pfaundler informierte Tiroler Landeshauptmann Eduard Wallnöfer zitiert, der sich sofort mit Innenminister Franz Olah verbinden ließ. Wallnöfer: „Sie, Herr Minister, ich höre, der Klotz wird gerade nach Wien entführt. Nur dass Sie es wissen, der Klotz bleibt in Tirol.“ Georg Klotz blieb und starb drei Jahre später, vereinsamt und von „seinen“ Tiroler Schützen hängen gelassen, in Telfes im Stubaital. Er ist der Vater der rechten Südtiroler Landtagsabgeordneten Eva Klotz, die nach wie vor das Selbstbestimmungsrecht fordert.

Unterdessen gingen – äußerst zäh – auf politischer Ebene die Verhandlungen weiter. Unter dem Eindruck der Folterungen hatte der Europarat noch 1961 einen Unterausschuss zur Befassung mit der Südtirol-Frage bestellt: die so genannte Neunzehnerkommission, in der Rom zum ersten Mal die Probleme mit Südtiroler Vertretern gemeinsam zu diskutieren bereit war. Ein Jahr darauf akzeptierte Italien auch Verhandlungen mit Österreich. Kreisky und sein Amtskollege und Parteifreund in der Mitte-links-Koalition, Giuseppe Saragat, schmiedeten einen Pakt für eine von Trient unabhängige Südtiroler Landesautonomie. Der Plan wurde im Jänner 1965 von Südtirol abgeschmettert. Kreisky vermutete einen politischen Boykott der konservativen SVP gegen ihn als Sozialdemokraten und verlor die Lust am Engagement. Wenn Südtirol glaube, beschied er Silvius Magnago, das Problem inneritalienisch lösen zu können, solle es das tun.

Bis 1969 sollte es dauern, das so genannte Autonomiepaket zu beschließen, das den Schulunterricht, die Gleichstellung der Sprachen Italienisch, Deutsch und Ladinisch in öffentlichen Ämtern, vor allem aber die Finanzhoheit getrennt vom Trentino regelte. Erst 1992 wurde das Paket dann umgesetzt. Der markige Südtiroler Landeshauptmann Silvius Magnago kommentierte den späten Erfolg mit den Worten: „Einen DOC-Wein muss man deswegen nit aufmachen, es langt schon a Glasl Tischwein.“

Heute, fast zwanzig Jahre später, wird diskutiert, ob die Gewalt die Unabhängigkeit Südtirols befördert oder behindert habe. Der Südtiroler Journalist Hans Karl Peterlini, der sich in Büchern facettenreich mit den Südtiroler Bombenjahren auseinandergesetzt hat, analysiert skeptisch: „Sepp Kerschbaumer hat gehofft, der BAS mache den ersten Schlag, und dann stehe das Volk auf. Aber das Volk ist nicht aufgestanden.“ Günther Pallaver, ebenfalls Südtiroler und Politikwissenschafter an der Uni Innsbruck, meint, nicht die Anschläge, sondern die Mitte-links-Koalition und der Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils seien die entscheidenden Schritte zur Autonomie gewesen. Einen Schritt weiter geht der deutsche Historiker Rolf Steininger, Verfasser eines dreibändigen Mammutwerks über die Bombenjahre. Er ist der Meinung, die Attentate hätten der Sache geschadet. Der BAS sei der Totengräber der Selbstbestimmung gewesen.
Sie alle widersprechen damit den österreichischen BAS-Sympathisanten. Fritz Molden ist der Überzeugung, dass „ohne Anschläge kein so gutes Abkommen“ zustande gekommen wäre. Und Gerd Bacher sieht das auch von offizieller Südtiroler Seite bestätigt. Er zitiert den (im vergangenen Jahr verstorbenen) Silvius Magnago, der ihm gesagt habe: „Ohne die Bumser hätten wir die Autonomie nie bekommen.“

Wie sind die Beteiligten mit dem Erreichten zufrieden? Heinrich Klier, an der Sprengung des Aluminium-Duce beteiligt und nach Differenzen zwischen Pfaundler und Kerschbaumer Kopf der Nordtiroler BAS-Fraktion, zu profil: „Für mich ist nur wichtig, dass Südtirol eine so weitgehende Autonomie bekommen hat, an der sich viele Staaten in Europa orientieren.“ Klier, der 1961 in Österreich zur Verhaftung ausgeschrieben war und einige Jahre als U-Boot in Deutschland lebte, bevor er in einem Schwurgerichtsprozess in Graz freigesprochen wurde, leitet heute die Stubaier Gletscherbahn AG.
Nur wenige in der autonomen Provinz Bozen, in der 345.000 Deutschsprachige, 130.000 Italiener und 25.000 Dolomitenladiner ohne größere Probleme nebeneinanderleben, wünschen sich noch eine Wiedervereinigung mit Österreich. Wie der junge Tiroler Politikwissenschafter und Journalist Manuel Fasser in seinem vor zwei Jahren erschienenen Buch „Ein Tirol – zwei Welten“ beschreibt, hat Südtirol Privilegien, von denen Nordtirol nur träumen kann. Die fi­nanzielle Autonomie hat dem Land beträchtlichen Wohlstand gebracht, der sich nicht nur in der Wirtschaft, sondern auch in der Kultur niederschlägt. In kaum einer anderen europäischen Region gibt es eine so hoch dotierte Museumslandschaft. Südtiroler Unternehmen agieren in­ternational. Die Zwei­sprachigkeit verschaffte Arbeitnehmern Startvorteile, wovon etwa die ­vielen Südtiroler Jour­nalisten beim ORF zeugen. „Südtirol wurde“, so schließt Fasser, „zu dem, was die Europäische Union seit Langem sein will: ein gemeinsamer, ethnisch durchmischter Kultur- und Wirtschaftsraum.“

Mit großer Selbstverständlichkeit sang heuer am 8. Februar Christof Innerhofer aus dem Pustertal nach seinem WM-Sieg in Garmisch bei der Siegerehrung die italienische Hymne. Ein wenig schwerer tut sich noch die offizielle Landespolitik. Luis Durnwalder, als Landeshauptmann auch für die italienische Volksgruppe zuständig, weigerte sich, heuer an den Feiern zum 150. Jahrestag der Einigung Italiens teilzunehmen.

Lesen Sie im profil 20/2011 über die Traumata des Tiroler Heldentums