Äthiopien ist auch Schwerpunktland der österreichischen EZA

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Ausland
01/15/2022

Äthiopien: Ein Sieg ohne Frieden

Seit 14 Monaten tobt in Äthiopien ein Bürgerkrieg. Im Dezember hat die Regierung sämtliche Gebiete von den Rebellen zurückerobert und zuletzt einen „Nationalen Dialog“ zur Versöhnung angekündigt. Kann das Land nun zur Normalität zurückkehren? [E-Paper]

Genet Amare, 28, sitzt auf einem gelben Plastikstuhl in ihrem Haus in der Kleinstadt Ayina im Norden Äthiopiens, hält das golden eingerahmte Bild eines ernst dreinblickenden jungen Mannes im Arm und fragt sich: Was wäre, wenn … Was wäre, wenn die Regierungstruppen da gewesen wären, um sie zu verteidigen? Was wäre, wenn sie nicht im Haus geblieben wären, um ihr Hab und Gut zu schützen? Was wäre, wenn ihr Mann Alebachew Fiseha nicht krank im Bett gelegen hätte, als die Rebellen kamen? Wäre er dann noch am Leben?
Amare trägt einen schwarzen Schleier, sie hat die Haare kurz geschoren, wie es nach Todesfällen bei den Amhara-Frauen üblich ist, der zweitgrößten Volksgruppe in Äthiopien. Sie spricht leise, flüstert fast, während sie ihre Geschichte erzählt.


Ende November seien die Rebellen der Befreiungsfront von Tigray (TPLF) zum zweiten Mal in ihre Heimatstadt Ayina im Bundesstaat Amhara eingefallen. Während sie ihre sechs jüngeren Geschwister und ihren Sohn an einem sicheren Ort versteckte, hätten sie und ihr Mann, ein 37-jähriger Händler, das Haus schützen wollen. Vergebens. Fünf oder sechs Rebellen seien in das Haus eingedrungen. Weil ihr Mann krank im Bett lag, hatten sie ihn für einen verwundeten Kämpfer der Amhara-Spezialeinheiten gehalten und erschossen. Kurz darauf sei eine zweite Gruppe gekommen, sie raubten 100 Benzinkanister, mit denen ihr Mann gehandelt hatte, sowie Geld und den gesamten Schmuck der Familie. „Wir haben nichts mehr, mein Mann ist tot. Wir wissen nicht mehr, wie wir weitermachen sollen“, flüstert Amare.


Zwei Monate ist das jetzt her. Kurz zuvor hatte die äthiopische Armee eine groß angelegte Gegenoffensive gestartet, um die Rebellen aus den Bundesstaaten Amhara und Afar zurück nach Tigray zu treiben, wo der Krieg im November 2020 begonnen hatte. Ein Krieg, der in Äthiopien mit seinen mehr als 80 Volksgruppen in den vergangenen Monaten immer tieferen Hass zwischen den verschiedenen Ethnien des Landes gesät hat. Vor allem im Norden, zwischen den Amhara und den Tigray, die sechs Prozent der äthiopischen Bevölkerung ausmachen – und die bis 2018 mit der Partei TPLF 27 Jahre lang die Regierungskoalition in Addis Abeba dominiert hatten.

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