AfD-Spitzenkandidat Hans-Olaf Henkel im Interview

AfD-Spitzenkandidat Hans-Olaf Henkel im Interview

Mit der 2013 gegründeten Alternative für Deutschland (AfD) tritt auch in der Berliner Republik eine extrem EU-kritische Partei bei den Europawahlen an.

Interview: Christine Zeiner, Berlin

Die AfD plädiert unter anderem für den Austritt aus der Euro-Zone oder alternativ für den Ausschluss ökonomisch schwächerer Länder aus der gemeinsamen Währung und die Einführung eines "Nord-Euro“. Für mehr Wirbel als mit ihren wirtschaftspolitischen Forderungen sorgt die AfD aber mit Rechtsaußen-Rhetorik. Parteichef Bernd Lucke sprach etwa von "entarteter Demokratie“ und der "nicht gut integrationsfähigen Randgruppe der Sinti und Roma“. Der AfD-Spitzenkandidat im EU-Wahlkampf , Hans-Olaf Henkel (74) - ehemaliger IBM-Manager und Ex-Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie -, wehrt sich im profil-Interview dennoch dagegen, ins rechte Eck gestellt zu werden.

profil: Ihre Partei sucht nach Verbündeten im Europäischen Parlament. Wollen Sie mit der FPÖ zusammenarbeiten? Heinz-Christian Strache hat der AfD immerhin zum "großartigen“ Ergebnis bei der Parlamentswahl im Vorjahr gratuliert.
Hans-Olaf Henkel: Ich habe das gar nicht wahrgenommen. Und wir werden nicht mit der FPÖ zusammenarbeiten.

profil: Warum nicht?
Henkel: Wegen der rechtspopulistischen und teilweise ausländerfeindlichen Politik, die sie verfolgt.

profil: Genau das wird aber auch der AfD zum Vorwurf gemacht: Was sagen Sie zu Formulierungen wie "entartete Demokratie“?
Henkel: In Deutschland wird alles versucht, um unsere Partei in eine rechte Ecke zu drängen. Herr Lucke hat das ein einziges Mal gesagt, im Hinblick auf die Übermacht der Parteien, die sich in Deutschland die Macht tatsächlich unter den Nagel gerissen haben, während im Grundgesetz (Verfassung, Anm.) steht, dass sie nur an der Willensbildung mitwirken sollen. Diese Bemerkung halte ich für nicht besonders kritikwürdig.

profil: "Entartung“ ist aber Nazi-Diktion.
Henkel: Der Begriff "Entartung“ wurde auch von anderen Politikern regelmäßig benutzt. Er ist auch keine Erfindung der Nazis, sondern wurde von einem jüdischen Biologen aus dem 19. Jahrhundert im Zusammenhang mit "entarteten Pflanzen“ geprägt. Die Medienkampagne war wieder mal typisch. Die Parteien fürchten nichts so sehr wie Konkurrenz. Und wenn diese dann erfolgreich zu werden droht, muss man die führenden Persönlichkeiten verunglimpfen, beleidigen, bedrohen.

profil: Die AfD selbst kann also nichts für ihren rechtspopulistischen Ruf?
Henkel: Überhaupt nicht. Das kann man doch an all unseren programmatischen Aussagen sehen. Dass es ein paar Einzelfälle gibt, die wir nicht kontrollieren können oder konnten, liegt schlicht daran, dass wir innerhalb von einem Jahr 18.000 Mitglieder bekommen haben. Jede Entgleisung eines CSU-Politikers wird als bayerische Folklore hingenommen. Wenn irgendein kleines AfD-Mitglied etwas Unmögliches von sich gibt, dann wird das als typisch für die Partei dargestellt. Das hat schon Methode.