Airbus-Absturz: Lufthansa wusste von Depression des Kopiloten

Airbus-Absturz: Lufthansa wusste von Depression des Kopiloten

Die Verkehrsfliegerschule der Lufthansa wusste während der Ausbildung des Copiloten der Germanwings-Unglücksmaschine von einer vorausgegangenen Depression. Indes dementierte die Gendarmerie Berichte, wonach ein Video über die letzten Augenblicke an Bord der Germanwings-Airbus vor dem Absturz in den französischen Alpen aufgetaucht sei.

Das teilte die Lufthansa eine Woche nach dem Absturz in Frankreich mit 150 Toten mit. Am Absturzort in den französischen Alpen haben die Ermittler die Bergung der Toten beendet. Es soll ein Video aus dem Flugzeug gefunden worden sein.

Es gebe keine Leichen mehr am Absturzort, erklärte die Gendarmerie am Dienstagabend in Seyne-les-Alpes. Am Mittwoch würden Einsatzkräfte zu dem Ort aufsteigen, um die persönlichen Gegenstände einzusammeln.

In einer E-Mail habe der damalige Flugschüler 2009 im Zusammenhang mit der Wiederaufnahme seiner Ausbildung die Verkehrsfliegerschule über eine "abgeklungene schwere depressive Episode" informiert, hieß in der Mitteilung des Unternehmens am Dienstagabend.

Lufthansa verweist auf "voll gültiges Tauglichkeitszeugnis"

Zum Gesundheitszustand des Unglückspiloten war bereits bekannt gewesen, dass er in seiner Ausbildung in der Verkehrsfliegerschule eine Unterbrechung von mehreren Monaten gehabt hatte. "Im Anschluss wurde dem Kopiloten die erforderliche ärztliche Flugtauglichkeit bestätigt", betonte die Lufthansa in ihrer Mitteilung. Während seines Einsatzes am 24. März habe der Kopilot ein "voll gültiges Tauglichkeitszeugnis der Klasse 1" gehabt.

Der Airbus war am Dienstag vor einer Woche auf dem Weg von Barcelona nach Düsseldorf an einer Felswand in Frankreich zerschellt. Der 27 Jahre alte Kopilot wird verdächtigt, seinen Kollegen aus dem Cockpit ausgesperrt und die Maschine mit voller Absicht in die Katastrophe gesteuert zu haben. Nach Erkenntnissen der Ermittler war er vor Jahren suizidgefährdet und für den Unglückstag krankgeschrieben.

In der besonders betroffenen westfälischen Stadt Haltern ist für Mittwoch (17.00 Uhr) ein öffentlicher ökumenischer Gottesdienst in der St.-Sixtus-Kirche geplant. Unter den Opfern der Tragödie sind 16 Schüler und 2 Lehrerinnen des Halterner Gymnasiums.

300 Millionen US-Dollar an Entschädigungszahlungen

Für die Kosten der Germanwings-Katastrophe stellt ein Versicherungskonsortium nach Angaben der Lufthansa 300 Millionen US-Dollar (278 Millionen Euro) zurück. Das Geld sei gedacht für Entschädigungszahlungen an die Hinterbliebenen, den zerstörten Airbus A320 und Betreuungsteams, sagte ein Sprecher des Konzerns.

Deutschlands Bundeskanzlerin Angela Merkel dankte Frankreich bei einem Besuch von Präsident Francois Hollande und dessen Kabinett in Berlin für die Unterstützung nach dem Unglück über Südfrankreich mit 150 Toten, darunter 75 Deutschen. Beide Länder seien in den ersten drei Monaten des Jahres "in Bewährungsproben enger zusammengerückt", sagte Merkel auch mit Blick auf den Anschlag islamistischer Terroristen auf das Pariser Satiremagazin "Charlie Hebdo". Hollande sprach von einem Regierungstreffen "im Kontext der Tragödien".

Bereits mehr als 450 Angehörige der Opfer sind seit dem Unglück in die Region gereist. Das sagte die Präfektin des Bezirks Alpes-de-Haute-Provence, Patricia Willaert, am Dienstag auf einer Pressekonferenz.

Behelfsstraße für Geländewagen errichtet

Zu der Absturzstelle in den Alpen konnten die Ermittler eine Woche nach dem Unglück erstmals über eine eigens errichtete Behelfsstraße in Geländewagen gelangen. Das soll die weitere Suche nach den Opfern und dem noch vermissten Flugdatenschreiber in dem zerklüfteten Gelände erleichtern. Aus Düsseldorf brach am Dienstag ein deutsches Ermittlerteam dorthin auf.

"Aus Respekt vor den Opfern des Absturzes von Flug 4U9525" sagte Lufthansa die für den 15. April geplanten Feierlichkeiten zum 60. Konzernjubiläum ab. Germanwings ist eine Tochter der Lufthansa. Konzern-Chef Carsten Spohr will am Mittwoch mit Angehörigen im Betreuungszentrum in Marseille zusammenkommen.

Hollande stellte die Identifizierung aller Opfer "bis spätestens Ende der Woche" in Aussicht. Zuvor hatte das Kriminalinstitut der französischen Gendarmerie in Pontoise erklärt, die eigentliche Identifizierung, also die Zuordnung zu den Vergleichsdaten der Angehörigen, könne zwei bis vier Monate dauern.

Die Experten hatten allerdings in Aussicht gestellt, dass die Entnahme von DNA-Proben am Unglücksort bis Ende der Woche abgeschlossen werden könnte.

Gendarmerie dementiert Existenz eines Absturz-Videos

Die Gendarmerie hat indes Berichte dementiert, wonach ein Video über die letzten Augenblicke an Bord der Germanwings-Airbus vor dem Absturz in den französischen Alpen aufgetaucht sei. Die Gendarmerie bezeichnete entsprechende Angaben des Magazins "Paris Match" und der "Bild"-Zeitung als "vollkommen falsch".

Auf der Internetseite von "Paris Match" hatte es geheißen, auf dem nur wenige Sekunden dauernden Video seien keine Menschen zu erkennen, aber "Oh, mein Gott"-Rufe in mehreren Sprachen zu hören. "Paris Match" und "Bild" zufolge stammt das Video von einem am Absturzort gefundenen Handy.

Der Vertreter der Gendarmerie, Jean-Marc Menichini, bestritt die Angaben in einem Interview mit dem US-Nachrichtensender CNN. Die Ermittler hätten die am Absturzort gefundenen Handys noch nicht ausgewertet. Die Geräte würden im Zuge weiterer Untersuchungen an ein spezialisiertes Institut in Rosny-sous-Bois bei Paris geschickt.