Australien: Ein Comic zur Abschreckung von Flüchtlingen

Australien: Ein Comic zur Abschreckung von Flüchtlingen

Wer glaubt, in der Ersten Welt erwarte ihn ein besseres Leben, muss nicht einmal lesen können, um diese Botschaft zu verstehen.

Es ist eine Geschichte ohne Worte. Sie richtet sich an hunderte Millionen Menschen, die viele verschiedene Sprachen sprechen und zu einem großen Teil Analphabeten sind. Die Adressaten sollen wissen, dass sie bei uns, in der Welt, die mit gutem Grund die „Erste“ genannt wird, nicht willkommen sind. Und sie sollen auch kapieren, warum es für sie besser ist, zu bleiben, wo sie sind: in der Welt, die auch nicht ganz unzutreffend die „Dritte“ genannt wird.

Die australische Regierung hat sich die Mühe gemacht, diese Geschichte – mit der entsprechend unmissverständlichen Botschaft – in Bilder zu verpacken. 18 Seiten, gestaltet im Stil einer Graphic Novel, auf denen die Geschichte eines jungen Mannes gezeigt wird, der das tut, wovon diese Erzählung warnt: Er wandert illegal in Australien ein.

Anfangs träumt er vom Leben in einer modernen Stadt mit einem sauberen Fluss und Hochhäusern. Seine Familie sammelt Geld für die Schlepper. Die Reise beginnt. Bus, Flugzeug, eine gefährliche Überfahrt auf einem Schiff. Schließlich die Ankunft und das böse Erwachen: Die Polizei nimmt ihn fest, er wird auf eine Insel fernab von Australien gebracht. Dort lebt er in einem Lager und teilt seine Verzweiflung mit anderen, die ebenso leichtsinnig waren wie er.

Die Geschichte ist hübsch gezeichnet, und sie ist wahr.

Jedes vor der australischen Küste abgefangene Boot wird umgehend auf Papua-Neuguinea oder Nauru verschifft. Tausende Flüchtlinge sind derzeit in den dortigen Lagern interniert, während ihre Asylanträge geprüft werden, darunter über 100 Kinder. Das Äquivalent zu Nauru ist in Europa die Mittelmeerinsel Lampedusa, vor deren Küste die italienische Marine an manchen Tagen binnen weniger als 24 Stunden über 1000 Afrikaner aus kaum seetüchtigen Kähnen aufgreift.

Das Bilderheft könnte auch von der EU-Kommission herausgegeben worden sein oder von jedem einzelnen europäischen Staat – selbstverständlich auch von Österreich. Die Botschaft ist von globaler Gültigkeit: „Alle mal herhören: Wir wollen euch nicht haben!“

Der ganze Comic als Download (auf das Bild klicken!)

A storyboard on people smuggling

Source: Australian Customs Image Library