Der spanische König Juan Carlos dankt ab

Der spanische König Juan Carlos dankt ab

Nach fast 40 Jahren auf dem Thron hat Spaniens König Juan Carlos I. am Montag abgedankt. Ministerpräsident Mariano Rajoy erklärte in einer spontan einberufenen Pressekonferenz, der 76-jährige Monarch habe sich vor allem wegen seiner gesundheitlichen Probleme zu diesem Schritt entschieden.

Obwohl der betagte Monarch noch vor knapp über einem Jahr in einem Fernsehinterview klarstellte, nicht abdanken zu wollen, kommt die Nachricht für die Spanier dennoch nicht ganz so überraschend, wie die so kurzfristig einberufene "institutionelle Erklärung" Rajoys annehmen lassen könnte. In den vergangenen Jahren musste er sich wegen verschiedener Hüft- und Bandscheibenprobleme gleich mehrmals operieren lassen und litt an einem Lungentumor.

Er wirkte zunehmend blass und stark gealtert. Seine öffentlichen Auftritte wurden stets seltener. Immer häufiger ließ sich Juan Carlos durch seinen Sohn, den 43-jährigen Kronprinzen Felipe vertreten. Die vergangenen zwei Jahre reiste er zu Ostern nicht mehr wie gewöhnlich mit seiner Familie nach Mallorca. Sogar bei der Hochzeit von Prinz William und Kate im Londoner Buckingham-Palast im April 2011 ließ er sich durch seine 72-jährige Frau, Königin Sofia, Kronprinz Felipe und seiner 39-jährigen Frau Letizia vertreten.

Von der für ihn berühmten Lebenslustigkeit spürte man schon lange nichts mehr. Das hatte aber neben den gesundheitlichen Problemen auch viel mit den Sorgen über das sinkende Ansehen der Krone innerhalb der Bevölkerung zu tun, das er selber verursachte.

König Juan Carlos genoss noch bis vor wenigen Jahren in Spanien den Ruf des „volksnahen Bürgerkönigs“, der in Spanien wegen seiner Rolle bei der Demokratisierung des Landes und der Verhinderung eines Staatsstreichs nach der Franco-Diktatur hochgeachtet wurde. Er galt und gilt als Garant der Demokratie.

Doch in den vergangenen Jahren litt seine Popularität und damit die der Krone stark unter seinen angeblichen Seitensprüngen, Ehekrisen und anderen Fehltritten. So begab es sich mitten in der Wirtschaftskrise vor zwei Jahren auf eine Luxus-Safari nach Botswana, die nur aufflog, weil er sich beim Elefantentöten an der Hüfte verletzte und ins Krankenhaus musste. Kurz darauf untersuchte sogar die Justiz, ob er das von seinem Vater geerbte Vermögen - über die Schweiz - am Fiskus vorbeigeschleust haben soll.

Zwei Drittel der Spanier sprachen sich laut jüngster Zeitungsumfragen bereits vor Monaten für seine Abdankung aus. Doch auch der Korruptionsskandal um Prinzessin Cristina und ihren Ehemann, den ehemaligen Handballprofi Inaki Urdangarin, stürzten die spanische Krone in ein enormes Popularitätstief.

Als Hoffnungsträger, das verloren gegangene Prestige der Monarchie zurückgewinnen zu können, gelten der bisher von Skandalen verschonte Kronprinz Felipe und seine Frau Letizia. So sprachen sich bereits 73 Prozent der Spanier dafür aus, dass der smarte Thronfolger und seine Gemahlin schon bald das Zepter des betagten Monarchen übernehmen sollen.

Ihr Wunsch wird nun erhört. Bereits für Dienstag berief Ministerpräsident Rajoy eine außerordentliche Kabinettssitzung ein, um das vorgesehene Gesetz für die Abdankung und Ernennung des Thronfolgers Felipe zum neuen König Felipe VI. einleiten zu können. Danach muss noch das spanische Parlament Felipes Thronbesteigung zustimmen. Rajoy erklärte, Felipe habe sich seit Jahren gut auf diese Rolle vorbereitet und vertrete den König und damit Spanien bereits seit Jahren im In- wie im Ausland.