Flüchtlinge in Tovarnik: Humor trotz chaotischer Umstände

Wohin geht es? Die Flüchtlinge in Tovarnik warten stundenlang auf Busse. Wohin diese fahren, ist jedoch oft unklar.

Wohin geht es? Die Flüchtlinge in Tovarnik warten stundenlang auf Busse. Wohin diese fahren, ist jedoch oft unklar.

Tausende Flüchtlinge wurden am Wochenende vom kroatischen Grenzort Tovarnik weiter in Richtung Österreich transportiert. Zahlreiche Menschen stecken noch fest. Obwohl es an Organisation fehlt, trotzt die 3000-Einwohner-Ortschaft dem Chaos.Stephan Wabl war vor Ort.

Wer Hunderte Kilometer zu Fuß zurücklegt, ist naturgemäß durstig. Den Sinn für Humor müssen die Strapazen deshalb aber nicht automatisch drüben. "Whiskey?", fragt ein syrischer Flüchtling schmunzelnd eine Helferin, die dem jungen Mann einen Becher mit gelb-gefärbtem Wasser anbietet. "Nein, nein", meint die junge Frau mit der gelben Warnweste auf Englisch, "das ist Wasser mit Vitamin C."

Flüchtlinge nach dem Überqueren der serbisch-kroatischen Grenze am Weg nach Tovarnik. Die Versorgung der Menschen erfolgt fast ausschließlich durch freiwillige Helfer wie SOS Konvoi oder das Rote Kreuz.

Es ist Samstagmittag kurz vor dem kroatischen Ort Tovarnik, 500 Meter nach dem serbisch-kroatischen Grenzübergang, den in den letzten Tagen Tausende Flüchtlinge auf dem Weg in die Europäische Union passiert haben. Nach stundenlangem Warten auf der serbischen Seite der Grenze sind viele der Schutzsuchenden ausgelaugt und froh über eine Erfrischung.


Von staatlicher Seite gibt es keine Versorgung für die Flüchtlinge.

Seit Mittwoch haben insgesamt 25.000 Flüchtlinge Kroatien erreicht, am Samstag waren rund 1.500 Flüchtlinge mit Bussen und 1.000 weitere per Zug von Tovarnik zur ungarischen Grenze gebracht worden. Hunderte Menschen blieben jedoch vorerst in der 3000-Einwohner-Ortschaft stecken, gleichzeitig nimmt die Zahl an Flüchtlingen, die hier die Grenze überqueren nicht ab. Von staatlicher Seite gibt es keine Versorgung für die Flüchtlinge, die hygienischen Zustände im improvisierten Auffanglager in der Nähe des Bahnhofes sind äußerst schlecht, die Menschen sind auf die Hilfe von wenigen freiwilligen Helfern und NGOs angewiesen.

Beim langen Warten auf die Busse kommt es auch zu kleineren Tumulten

Neben Vitaminwasser und Bananen gibt es am Straßenrand am Weg nach Tovarnik auch erste Informationen. Der 28-jährige Syrer Qutaiba ist selbst vor einem Jahr über die Balkanroute nach Deutschland geflohen. Nun steht er hier und versucht, arabisch sprechende Flüchtlinge so gut wie möglich über die Lage aufzuklären.


Es herrscht Unklarheit und Verwirrung, wohin die Busse fahren.

Die kroatische Regierung stellt zwar Busse bereit, um die Flüchtlinge vom Auffanglager weiterzutransportieren. Die Destination ist aber nicht immer klar. Manche Busse fahren zur ungarischen Grenze, andere angeblich an die slowenische, wieder andere Busse sollen die Menschen in Aufnahmezentren in andere Teile Kroatiens bringen. Es herrscht Unklarheit und Verwirrung, mit jeder Stunde und steigender Zahl an Menschen nimmt auch die Spannung zu.

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Rund 4.000 Menschen hielten sich laut der Nachrichtenagentur Hina Sonntagmittag noch rund um den Bahnhof in Tovarnik auf. Das Ziel der meisten Menschen ist Deutschland. Bis sie dieses jedoch erreichen, werden sie zwischen Ungarn, Serbien, Kroatien und Slowenien in Richtung Österreich hin und herverschoben. Aufhalten lassen sich die Flüchtlinge davon jedoch nicht - und auch ihr Humor lässt sich von den Grenzen offensichtlich nicht verschrecken.