Für welches ­dieser beiden Kinder ­würden Sie eher Geld spenden?

Für welches ­dieser beiden Kinder ­würden Sie eher Geld spenden?

Und was sagt das über unser Afrika-Bild aus?

Von Magdalena Jetschgo

Der namenlose Bursche aus der Unicef-Kampagne (Foto oben) blickt stumm und traurig zu Boden. Dass er hungert und krank ist, liegt nahe, da sein Bild immer wieder eingeblendet wird, während die sehr betroffen dreinblickende US-Schauspielerin Alyssa Milano vom Elend in Afrika spricht und zum Spenden aufruft.

Würden Sie für den hungernden Buben Geld ­überweisen?

Nkaitole, ein vierjähriger Kenianer, dribbelt glücklich auf dem Rasen im Nationalstadion von Nairobi. In der nächsten Sequenz steuert er, lässig mit Sonnenbrille, ein Motorboot. Beides hat er sich sehnsüchtig gewünscht. Doch am Ende wird klar: Nkaitole wird seinen fünften Geburtstag wohl nicht mehr erleben, denn: „Verschmutztes Trinkwasser ist eine der Haupttodesursachen bei Kindern unter fünf Jahren“, wird am Ende des Videos der NGO „Water is Life“ eingeblendet.

Würden Sie spenden, damit Nkaitole ­weiterhin Fußball spielen kann?
Die weit verbreitete Annahme lautet, Bilder hungernder Afrikaner generierten den größten Mitleidseffekt – und damit die meisten Spendengelder. Der norwegische Hilfsfonds Norwegian Students’ and Academics’ International Assistance Fund (SAIH) wählt dennoch einen anderen Zugang. Er ist mit dem Musikvideo „Africa for Norway“ bekannt geworden, in dem engagierte Afrikaner in edler Gesinnung ihre alten Heizkörper für die frierenden Norweger spenden, untermalt von herzergreifender Musik. Die Umkehrung des Mitleids ist witzig und erhellend. SAIH-Vizepräsidentin Magnhild Bøgseth ist überzeugt, die ewig gleichen Katastrophen-Bilder aus Afrika zementierten im Westen lediglich das Bild des armen, abhängigen Entwicklungslandes. Zusammenhänge würden dabei ausgeblendet und dem Spender suggerieren, er könne mit „nur 50 Cent Leben retten“. Bøgseth: „Die entwürdigende Darstellung wird den Menschen nicht gerecht. Die vereinfachten Bilder verhindern erst recht Entwicklungen, da sie etwa nichts über die Gründe von Armut aussagen.“ Dienstag dieser Woche verleiht SAIH den „Goldenen Heizkörper“, um Kampagnen zu prämieren, die auf kreative Weise versuchen, die Menschen zum Spenden zu bewegen.