Gaza-Krieg: Zwei Sieger, drei Verlierer

Gaza-Krieg: Zwei Sieger, drei Verlierer

50 Tage hat der Gaza-Krieg gedauert, 2100 Palästinenser und 69 Israelis wurden getötet. Seit vergangener Woche ist ein Waffenstillstand in Kraft, der bis Redaktionsschluss hielt. Wer aber geht als Sieger aus dem Konflikt hervor, wer als Verlierer?

Die Gewinner

Hamas:

Als der Krieg begann, lag die radikal-islamische Gruppe, die in Gaza regiert, darnieder. Sie hatte fast jegliche finanzielle und militärische Unterstützung aus dem Ausland verloren. Und in Gaza selbst wandten sich immer mehr Menschen von ihr ab. Die Hamas musste sich sogar mit ihrem Erzfeind, der moderaten Fatah des Mahmoud Abbas, in einer Allparteienregierung arrangieren. Wichtige Angehörige der Hamas wurden im Krieg getötet, große Teile ihrer militärischen und zivilen Infrastruktur zerstört. Aber sie hat einer der mächtigsten Armeen der Welt standgehalten und damit zweifellos an Prestige gewonnen. Politisch gehen die Gaza-Islamisten gestärkt aus dem Waffengang hervor.

Iron Dome:

Der israelische Abwehrschild ("Eiserne Kuppel“) hat sich in den vergangenen sieben Wochen blendend bewährt. 90 Prozent der von der Hamas abgeschossenen Raketen wurden nach Angaben der israelischen Luftwaffe abgefangen. Der israelische Hersteller Rafael Advanced Defense Systems registriert international "erhöhtes Interesse“ an seinem Produkt.

Die Verlierer

Benjamin Netanjahu:

Zu Beginn des Krieges konnte der israelische Premier auf sensationelle Unterstützung von 82 Prozent der Israelis bauen. Am Ende - noch vor dem Waffenstillstand - waren seine Werte aber dramatisch auf 38 Prozent abgestürzt. Netanjahu hat sein deklariertes Ziel, der Hamas ein- für allemal den Garaus zu machen, verfehlt. Er muss sogar Zugeständnisse an die Islamisten machen. Zudem sind er und seine Regierung durch die weithin als "unverhältnismäßig brutal“ empfundene israelische Kriegsführung international isolierter denn je.

Die USA:

Klarer denn je hat sich in den vergangenen Wochen gezeigt, wie wenig Einfluss Washington inzwischen auf den Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern hat. Die ungewöhnlich scharfe Kritik der US-Regierung an Jerusalems Vorgehen blieb folgenlos.

Mahmoud Abbas:

Ob er zu den Gewinnern oder Verlierern des Kriegs zählt, muss sich erst weisen. Zwar ist die Hamas - und nicht die Fatah - Akteur der Stunde. Gelingt es Abbas aber, an seinem Projekt der Einheitsregierung festzuhalten und sich so als potenter Gesprächspartner zu präsentieren, könnte der Gaza-Krieg ihn letztlich doch gestärkt haben.

GHO