Italien-Wahl: Berlusconi und Grillo punkten mit Show und Populismus

Beppe Grillo

Beppe Grillo

Die Italiener lieben die Show, vor allem in der Politik. Rigoroses Auftreten, Austerität und sachliche Wahlkampfstrategie kommen bei der italienischen Wählerschaft nicht gut an.

Als klare Sieger der Parlamentswahlen gehen zwei Populisten hervor, die ihre politische Karriere einem unbestreitbaren Talent als Showmänner und demagogischen Slogans verdanken.

Den exzentrischen TV-Zar Silvio Berlusconi erleben die Italiener schon seit fast 25 Jahren. Er ist aber nicht der einzige politische Leader, der weiß, mit dem Showgeschäft umzugehen. Der Kabarettist Beppe Grillo, Gründer der Fünf Sterne-Bewegung, ist inzwischen zu einem unangefochtenen Protagonisten der italienischen Politik geworden, auch wenn er sich in diesem Wahlkampf eher hinter den Kulissen aufgehalten hat.

31 Prozent der Stimmen haben der Komiker Grillo und seine Bewegung Fünf Sterne (M5S) laut vorläufigen Ergebnissen bei der Parlamentswahl erobert. Fast jeder dritte Italiener stimmte für die Protestbewegung des lauten Erfolgsbloggers aus Genua. Obwohl kein Tag vergeht, ohne dass der 69-jährige Grillo seinen Erzfeind Berlusconi anprangert, hat er doch einiges mit dem Medienzaren gemein. Beide haben eine lange Erfahrung im Umgang mit dem Fernsehen, beide lieben Menschenmengen, sind populistisch veranlagt und können Zuschauer mit ihrer Versiertheit in ihren Bann ziehen.

Grillo setzte auf neue Medien

Trotz ihres gemeinsamen Gespürs für Politik als Show haben Berlusconi und Grillo im Wahlkampf verschiedene Wege eingeschlagen. Während Berlusconi sich einem zermürbenden TV-Marathon unterzog und täglich Radio- und Zeitungsinterviews gab, setzte Grillo einerseits auf neue Medien wie Blogs, Twitter und Facebook, andererseits auf wenige, gezielte Wahlkampfauftritte auf den "Piazze" der italienischen Städte, bei denen er all sein Talent als Kabarettist unter Beweis stellte und den Enthusiasmus der von den Traditionsparteien enttäuschten Wählern wiederbelebte. Tausende strömten zu Grillos Auftritt zum Abschluss des Wahlkampfes auf der Piazza del Popolo in Rom.

Nicht reden mag Grillo aber mit den Medien. Die Sender der öffentlich-rechtlichen TV Anstalt RAI lehnt er strikt ab, weil sie seiner Ansicht nach nur den etablierten Parteien in Italien dienen. Dafür setzt Grillo aufs Internet: Erst kürzlich hat er einen neuen Blog namens "Utopia" gegründet. Dort will Grillo Beiträge von Persönlichkeiten wie Nobelpreisträgern, Wissenschaftern und Informatik- sowie Mobilitätsexperten veröffentlichen. Dabei zeigt Grillo besonderes Interesse für Robotik, Internet und umweltfreundliche Energiequellen.

Weltweites Unikum

Grillos öffentliche Veranstaltungen, zu denen häufig Zehntausende strömen, sind bereits legendär. Von Anfang bis Ende steht der Mann dort meist allein am Mikrofon und brüllt seinen Anhängern seine Wut gegen die Parteien und ihre Skandale entgegen, gegen den Staat und seine Geldverschwendung, gegen die Medien und ihre Parteilichkeit. Die Tatsache, dass Grillos Protestbewegung ohne Unterstützung des Fernsehens zur stärksten Einzelpartei Italiens avanciert ist, wird von politischen Experten als weltweites Unikum bezeichnet.

Berlusconi dagegen hat auf die Macht des Fernsehens voll in seinem Wahlkampf gesetzt. Wochenlang führte der Mailänder TV-Tycoon einen groß angelegten Wahlkampf in Fernsehen und Radio, um bei der Wählerschaft zu punkten. Ob Polit-Show, Unterhaltungssendung oder Radioprogramm: Kein Tag verging, ohne dass Berlusconi persönlich oder zumindest telefonisch auftrat.

Die populistische Strategie Grillos und Berlusconis steht in krassem Widerspruch zur farblosen und unspektakulären Wahlkampagne des Mitte-links-Chefs Matteo Renzi. Obwohl er im Wahlkampf immer wieder die Zuverlässigkeit seiner sozialdemokratischen PD gegenüber den populistischen Wahlversprechen des schrillen TV-Tycoons Berlusconi und der Fünf Sterne-Bewegung hervorgehoben hat, konnte Renzi gegen das Showman-Talent seiner Rivalen einfach nicht ankommen. Renzi geht als klarer Verlierer aus den Wahlen hervor.