Grenzübergang zwischen Sudan und Äthiopien in Kurmuk
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Zwölf Millionen Menschen sind vor dem Krieg im Sudan geflohen. Samia ist eine davon. An vieles, das ihr zugestoßen ist, kann sie sich nicht erinnern.

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Text & Fotos: Tycho Schildbach 

Manche Grausamkeiten dieser Welt sind so unerträglich, dass das Gehirn sie abschirmt, um denjenigen zu schützen, der sie erlebt hat. „Es sind viele Dinge geschehen, aber ich erinnere mich nicht an alles“, sagt Samia über ihre Flucht aus dem Sudan nach Äthiopien. Um ihre Identität zu schützen, verwendet profil ihren wahren Namen nicht.

Streifen aus schwarzer Spitze verzieren die weißen Flächen ihres fleckenfreien Gewands. Akkurat gezogene Hennabemalungen färben ihre Fingerkuppen rotbraun. Auf dem linken Ringfinger sitzt ein silberner Verlobungsring mit hellem Stein. Die Hand zittert. Mit dem rosafarbenen Hidschab wischt sich Samia die Tränen aus den Augen. In zwei Tagen wird die 22-Jährige im Flüchtlingslager von Ura in der westäthiopischen Region Benishangul-Gumuz heiraten. Eigentlich sollte sie glücklich sein.

Seit anderthalb Jahren lebt Samia mit ihren Eltern und zwei Geschwistern in einer Notunterkunft neben knapp 15.000 weiteren Geflüchteten. Bis zu acht Personen hausen jeweils in einer Hütte aus Lehm, Plastikplanen und Wellblech auf rotem Sand. Jede Unterkunft hat eine Adresse – eine Kombination aus acht Ziffern und Buchstaben. Es gibt Stadtviertel mit den Namen „A“, „B“ und „C“. 300 Meter vor dem Lager steht die Grundschule des Dorfes Ura. Dort unterrichtet Samia, die ehemalige Medizinstudentin, Englisch.

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Seit Beginn des Sudankrieges im April 2023 flohen fast zwölf Millionen Menschen vor der Gewalt.