Zwei weitere Festnahmen nach Anschlag in London

Zwei weitere Festnahmen nach Anschlag in London

Bei einem Terroranschlag in London sind vier Menschen getötet und mindestens 40 verletzt worden. Die Ereignisse im Überblick:

Die britische Polizei hat nach dem Anschlag in London zwei weitere Verdächtige festgenommen. Damit seien inzwischen neun Menschen in Gewahrsam, sagte der Chef der Anti-Terror-Einheit, Mark Rowley, am Freitag. Die Ermittler untersuchten nun, ob der Attentäter von London auf Anweisung von anderen Personen gehandelt habe. Insgesamt kamen fünf Menschen bei dem Anschlag ums Leben.

Bei dem Attentäter handelt es sich den Ermittlern zufolge um einen in Großbritannien geborenen Mann, der später zum Islam übergetreten war und dabei einen islamischen Namen angenommen hatte. Der 52-Jährige hatte am Mittwoch mit einem Auto auf der Westminster Bridge im Zentrum der britischen Hauptstadt mehrere Menschen überfahren und anschließend auf dem Parlamentsgelände einen unbewaffneten Polizisten erstochen, bevor er selbst erschossen wurde.

Der Attentäter war der Polizei bekannt. Das berichtete die britische Premierministerin Theresa May am Donnerstag in London vor dem Unterhaus.

"Was ich bestätigen kann, ist, dass der Mann in Großbritannien geboren wurde und dass er vor einigen Jahren vom MI5 (Inlandsgeheimdienst, Anm.) überprüft wurde im Zusammenhang mit der Besorgnis über gewaltsamen Extremismus", sagte May. "Er war eine periphere Figur", fügte sie hinzu. "Dieser Fall ist historisch, er war nicht Teil des laufenden Geheimdienst-Bildes." Es habe im Vorhinein keine Geheimdienstinformationen über seine Absicht, einen Anschlag zu verüben, gegeben.

May rief die Briten auf, ihren Alltag wieder aufzunehmen und angesichts des Terrors ihre Werte zu bewahren, der Terror werde nicht die Oberhand gewinnen: "In dieser Zeit ist es wichtig, dass wir zeigen, dass es unsere Werte sein werden, die Bestand haben, dass die Terroristen nicht gewinnen (...)."

London im Ausnahmezustand

Am Jahrestag der Anschläge von Brüssel sind am Mittwoch bei einem Angriff in London vor dem britischen Parlament und auf der Westminister Brücke fünf Menschen getötet und rund 40 verletzt worden. Die Polizei erklärte, sie gehe bis auf weiteres von einem terroristischen Vorfall aus. Unter den Toten seien ein Polizist und der mutmaßliche Angreifer, sagte Terrorabwehrchef Mark Rowley. Der genaue Hergang war zunächst unklar. Die Behörden gingen von einem Einzeltäter aus. Er stach Augenzeugen zufolge auf einen Polizisten unmittelbar vor dem Parlamentsgebäude ein, bevor er von anderen Beamten niedergeschossen wurde. Auf der nahe gelegenen Westminster Brücke raste laut Behörden ein Auto in eine Gruppe Menschen. Die britische Premierministerin Theresa May kündigte an, dass die Terrorwarnstufe nicht erhöht wird.

Was wir wissen

Der Täter: Er wurde in Großbritannien geboren und war dem Geheimdienst bereits bekannt. Scotland Yard geht davon aus, dass der Täter "vom internationalen Terrorismus inspiriert wurde". Für den Anschlag benutzte er ein Auto, bewaffnet war er laut Scotland Yard mit "zwei langen Messern". Die Polizei geht von einem islamistischem Hintergrund aus.

Die Tat: Die Polizei nahm Ermittlungen wegen Terrorverdachts auf. Nach Angaben der Polizei raste der Täter mit einem Auto in Passanten auf der Westminster-Brücke. Er sprang aus dem Wagen, nachdem er mit dem grauen Hyundai i40 in den Zaun des Parlamentsgebäudes gekracht war, drang auf das Gelände des Parlaments vor und stach einen unbewaffneten Polizisten nieder. Anschließend wurde er von einem anderen Beamten erschossen.

Die Opfer: Es gab fünf Tote, darunter ist der Attentäter. Die Todesopfer sind zwei Passanten sowie der niedergestochene Polizist - ein 48-jähriger Beamter, laut Scotland Yard "Ehemann und Vater". Rund 40 Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, einige trugen "katastrophale Verletzungen" davon. Die Verletzten, darunter auch Schüler, seien "verschiedener Nationalität". Nach offiziellen Angaben sind mindestens drei französische Schüler unter den Verletzten und zwei rumänische Staatsbürger. Unter den Schwerverletzten sind auch zwei Polizisten.

Tödlicher Anschlag in London: Was bisher bekannt ist

Was wir nicht wissen

Hintergrund der Tat: Der Angriff wird von der Polizei als Terrorattacke behandelt. Nach Einschätzung des Terrorismusforschers Peter Neumann deutet alles auf einen islamistischen Hintergrund hin. Die Polizei spricht aber bisher nur davon, dass der Täter vom "internationalen Terrorismus inspiriert wurde".

Identität des Täters: Die Polizei hat bisher keinen Namen genannt, auch wenn sie nach Angaben eines Sprechers zu wissen meint, wer der Täter ist.

Mögliche Mittäter: Scotland Yard vermutet, dass es sich um einen Einzeltäter gehandelt hat, schließt aber Mitwisser oder Mittäter nicht aus. Im Fokus der Ermittlungen stehen laut dem Sprecher "Motivation, Vorbereitungen und seine Komplizen".

Verbindung: Ob der Attentäter eine Verbindung zu internationalen Terrororganisationen wie den Islamischer Staat (IS) hatte, ist völlig offen. "War er nur inspiriert oder gab es eine engere Verbindung?", fragt der Terrorismusexperte Peter Neumann. Hierüber könne nur ein "Statement" des IS Auskunft geben oder ein "Video" - falls ein solches im Internet auftaucht.

Schotten halten inne im Streit über den Brexit

Die mutmaßlichen Terrorangriffe von London haben den Streit über den Brexit in den Schatten gestellt. Das schottische Regionalparlament verschob wegen der Bluttaten seine Abstimmung darüber, ob wegen des geplanten EU-Austritts Großbritannien ein neues Unabhängigkeitsreferendum angesetzt wird.