Notizblog Zentralafrika: Tag des sauberen Autos

Verfahren: Kleinbus (links), feststeckender Abschlepp-Toyota (rechts), Teile der Jungs-Tribüne (rundum), Ubangi-Fluss (hinten), Kongo (ganz hinten)

Verfahren: Kleinbus (links), feststeckender Abschlepp-Toyota (rechts), Teile der Jungs-Tribüne (rundum), Ubangi-Fluss (hinten), Kongo (ganz hinten)

Der Sonntag ist auch hier in Bangui das, was er in vielen hygienebewussten Teilen Mitteleuropas ist: das Hochfest der Autowäsche.

Am Ufer des Ubangi-Flusses, der die Zentralafrikanische Republik von der Demokratischen Republik Kongo trennt, fahren aus diesem Anlass die besseren Leute (genauer gesagt: deren Angestellte) möglichst nah ans Wasser vor, um ihre Wagen zu säubern.

Währenddessen werden auf die vorgelagerte Sandbank knallbunte Sonnenschirme und pinkfarbene Plastiksessel hinausgeschafft, Familien und Bananenverkäufer setzen in Pirogen dorthin über, und am Ufer lagern im Schatten alter Bäume junge Männer, um Getränke zu sich zu nehmen.

In diese Idylle rumpelt ein silberfarbener Kleinbus, schlägt forsch ein, reversiert und gerät mit den Hinterreifen in den Schlick. Der Fahrer gibt Gas, die Reifen drehen durch und graben sich immer tiefer ein.

Rauskommen? Keine Chance.

Die Jungs auf der Ufertribüne feixen.

Stille, Beratungen zwischen Fahrer und Sozius. Ein Telefonat.

Zehn Minuten später erscheint ein weißer Toyota Hilux auf der Böschung.

Anerkennendes Raunen auf der Jungs-Tribüne.

Der Geländewagen parkt sich vor dem Kleinbus ein, der Fahrer legt ein Abschleppseil an, steigt ein - und gräbt die Reifen seines Wagens ebenfalls in den Schlamm ein.

Die Jungs-Tribüne ist angetan.

Noch einmal schafft es der Toyota, sich zu befreien, dann bleibt er endgültig stecken.

Jetzt hält es die Jungs-Tribüne nicht mehr länger: 20 Mann stürmen den Strand und umringen die Fahrzeuge, ziehen, schieben und heben, schaffen Holzbretter und Steine heran, um den Rädern Halt zu geben. Einer nutzt die Gelegenheit, um mit der Reinigung der Windschutzscheibe des Kleinbusses zu beginnen, der bereits bis zur Hinterachse im Fluss versunken ist, während der Fahrer stoisch hinter dem Steuerrad ausharrt, als sei er der Kapitän der Titanic.

Nichts will klappen. Ratlosigkeit.

Doch dann der Durchbruch: Die Jungs schieben den Kleinbus rückwärts in das seichte Flusswasser hinaus und in weitem Bogen ans Ufer.

Jubel! Der Fahrer jagt über den Strand davon, hinter ihm werden Fäuste und Geldforderungen erhoben. Nochmals das gleiche Manöver mit dem Toyota, der sich besorgniserregend Richtung Kongo neigt, aber ebenfalls glücklich an Land geschafft wird. Um nicht um ihre Entlohnung zu kommen, entern die Jungs umgehend seine Ladefläche.

Das Lied "The Name of the Game" ("Olé olé olé olé - we are the champions") wird angestimmt, der Strand applaudiert, und ein Sonntagnachmittag am Ubangi geht mit zwei verdreckten, statt einem gewaschenen Wagen durchaus gelungen, aber fast zu schnell zu Ende.