Mord an Jo Cox schockiert Großbritannien im Brexit-Wahlkampf

Blumen und Kerzen in Gedneken an Jo Cox in London

Blumen und Kerzen in Gedneken an Jo Cox in London

Jäher hätte der verbissen geführte Wahlkampf um das EU-Referendum in Großbritannien nicht unterbrochen werden können. Eine Woche vor der mit Spannung erwarteten Abstimmung wird die Labour-Abgeordnete Jo Cox, eine begeisterte Europäerin, auf offener Straße niedergemetzelt.

Mehrmals, so berichten Augenzeugen, schießt der Angreifer auf die 41 Jahre alte Mutter, anschließend sticht er noch mit einem Messer auf sie ein. Kurz darauf stirbt sie an ihren Verletzungen. Großbritannien verfällt in eine Schockstarre.

Nur wenige Stunden nach der Tat veröffentlicht ihr Mann ein berührendes Statement: "Sie hätte sich jetzt vor allem zwei Dinge gewünscht. Erstens, dass unsere geliebten Kinder viel Liebe erfahren, und zweitens, dass wir uns alle zusammentun, um gegen den Hass zu kämpfen, der sie getötet hat. Hass hat keine Überzeugung, Ethnie oder Religion, er ist giftig."


Je näher die Abstimmung rückte, desto schärfer wurde der Ton.

Über das Motiv des Täters war zunächst nichts bekannt. Aber die Tat fällt in eine Zeit, in der das Land tief gespalten ist - in Brexit-Befürworter und -Gegner. Beide Seiten bezichtigten sich in den vergangenen Wochen der Lüge und scheuten auch nicht vor persönlichen Attacken zurück. Je näher die Abstimmung rückte, desto schärfer wurde der Ton.

Doch als die ersten Berichte über das Attentat veröffentlicht werden, reagieren die Politiker schnell. Der Londoner Ex-Bürgermeister Boris Johnson, das Gesicht der Brexit-Kampagne, gibt bekannt, dass er den Wahlkampf vorerst aussetzt. Er sei "traurig und geschockt", lässt er per Kurznachrichtendienst Twitter wissen.

Premierminister David Cameron tritt sichtlich bewegt vor die Kameras, lobt "die enorme Leidenschaft und das große Herz der getöteten Abgeordneten". Seinen für Donnerstag geplanten Wahlkampftermin in Gibraltar sagt er ab. Labour-Chef Jeremy Corbyn bricht mehrmals die Stimme weg, als er im Fernsehen das Engagement der aufstrebenden Politikerin lobt.

Und selbst der abgekochte Chef der europaskeptischen UKIP-Partei, Nigel Farage, schreibt, er sei "zutiefst betrübt" über den Tod der jungen Labour-Abgeordneten.