Meet the President! Der nächste US-Präsident heißt ...

Obama - Meet the President! Der nächste US-Präsident heißt ...

profil präsentiert die (mutmaßlichen) Bewerber für die US-Präsidentschafts­wahlen 2016! Unter ihnen befindet sich (wahrscheinlich) Barack Obamas Nach­folger. Oder seine Nachfolgerin. (Oder es gibt eine Überraschung.)

Von Martin Kilian, Washington

Die Kandidaten sitzen in ihren Startlöchern, nur dass sie es noch nicht zugeben wollen. Nahezu zwei Jahre sind es noch, bis die Amerikaner ihren nächsten Präsidenten wählen. Und so bringen sich die hoffnungsfrohen Republikaner und Demokraten auf die Frage nach ihrer Kandidatur vielsagend schweigend in Position: Strategen werden umworben und Geldgeber angezapft für eine Wahlschlacht, die Milliarden Dollar verschlingen wird. Immerhin lockt ein Amt wie kein zweites: Niemand auf Erden ist mächtiger, hat mehr Spielzeuge und mehr Prestige. Der Job kommt mit Podium und Megafon, zugleich aber ist er mörderisch. „Kein Mensch wird aus der Präsidentschaft dieselbe Reputation retten, die ihn dorthin befördert hat“, klagte Thomas Jefferson, der dritte US-Präsident.

Raue Winde blasen dem Amtsinhaber unweigerlich um die Ohren und machen das Amt zu einer Bürde, der nicht jeder gewachsen ist. „Soweit es meine Präsidentschaft betrifft, waren die glücklichsten Tage meines Lebens der Beginn sowie das Ende“, seufzte Martin Van Buren (1837–1841) beim Rückblick auf seine vier Jahre im Weißen Haus. Dem Lockruf der Macht aber widersteht kaum einer der Granden der amerikanischen Politik. Und deshalb reisen Republikaner wie Demokraten schon jetzt ins mittwestliche Iowa, wo der innerparteiliche Vorwahlkampf zur Nominierung der jeweiligen Präsidentschaftskandidaten schon im Sommer 2015 beginnen wird.

Angeführt wird die Riege der Ehrgeizigen von Hillary Clinton . Natürlich wird sie als haushohe Favoritin für die Nominierung der Demokratischen Partei antreten. Nichts aber ist sicher: Schon 2008 galt sie als die „unvermeidliche Kandidatin“ – und verlor gegen Barack Obama. Jetzt will sie erneut als erste Frau ins Weiße Haus einziehen – und könnte wieder verlieren. „Eingerostet“ sei sie, erklärte unlängst der Washingtoner Journalist Charlie Cook, einer der angesehensten Auguren der Hauptstadt. Wie schon 2008 stehe sie für nichts, mäkeln andere. Ihr ehemaliger Wahlkampfstratege Doug Schoen sagt sogar, Clinton fehle der „Geruch eines neuen Autos“: Man kenne sie, sie sei so altvertraut wie die Rolling Stones und Angela Merkel.

Zumal Hillary dem in acht Obama-Jahren erstarkten linken Flügel der Demokratischen Partei nicht wirklich geheuer ist: Dort sehnt man die Kandidatur der populistischen Senatorin Elizabeth Warren aus Massachusetts herbei. Sie aber ziert sich. Marylands telegener Gouverneur Martin O’Malley möchte hingegen liebend gerne. Zu unbeschrieben aber ist er, zu sehr auch ein Gefolgsmann der Clintons, dessen Wahlkampfstil überdies zu wünschen übrig lässt.

Bliebe also noch ein Überraschungskandidat, ein Senator aus Washington oder ein Gouverneur aus der Provinz. Oder Barack Obamas Vize Joe Biden . „Ich schaue auf das Spielfeld, und ich denke sofort: ‚Trainer, lass mich spielen, Mann, ich bin bereit‘“, sagte ein wehmütiger Biden kürzlich in Iowa beim Anblick eines Baseballfelds. Nicht einmal er selber aber räumt sich wahrscheinlich Chancen ein. „Old Joe“ mag ein aufrechter Mann sein, aber er ist zugleich ein Relikt.

Wird Hillary tatsächlich gekürt, dürfte sich vor allem einer darüber freuen: Jeb Bush , Republikaner und Ex-Gouverneur aus Florida. Denn Hillary entschärfte sein Hauptproblem: Wäre schon wieder ein Clinton auf dem Wahlzettel, sähe es nicht ganz so schrecklich aus, wenn der dritte Bush in 28 Jahren für die Präsidentschaft kandidierte. Natürlich würde es ein wenig nach den dynastischen Verformungen einer Bananenrepublik riechen. Jeb aber wäre gewiss damit gedient. Nach der desaströsen Amtszeit seines älteren Bruders George hatte er seine Präsidentschaftsträume zunächst beerdigt. Jetzt aber scheint er zu wollen: ein moderater Republikaner, verheiratet mit einer Latina, der illegale Einwanderung als einen „Akt der Liebe“ pries, weil dadurch oft armen Familien geholfen werde.

Die republikanische Betonfraktion war darüber entsetzt, zumal Jeb in Florida mit Augenmaß regierte und keinem ideologischen Leitfaden folgte. Präsentabel ist er allemal, intelligent und fähig – und doch womöglich zu gemäßigt für die republikanische Basis, die bei den Vorwahlen das Sagen hat. Der nächste Kandidat der Partei müsse „viel positiver“ als seine Vorgänger und zudem „willens sein, Vorwahlen zu verlieren, um den Hauptwahlgang zu gewinnen“, sagte Bush kürzlich.

Mag sein, niemand aber kann sich zu viele verlorene Vorwahlen leisten – weshalb John McCain 2008 und Mitt Romney 2012 beim innerparteilichen Gerangel weit nach rechts ausscherten, um den Hardlinern der Partei besonders im Süden zu gefallen. Es rächte sich dann im Hauptwahlkampf. Falls Jeb antrete, werde er „alles tun“, um ihm zu helfen, sagte neulich Ex-Präsident George W. Bush. Dass der Jüngere auf seine Hilfe erpicht ist, darf freilich bezweifelt werden.

In Iowa schielen republikanische Hardliner, angeführt von Tea Party und Fundi-Christen, sowieso lieber nach einem wie Mike Huckabee , dem früheren Gouverneur von Arkansas. Huckabee ist fromm und dem republikanischen Katechismus treu ergeben. Allerdings wäre er bei der Präsidentschaftswahl im November 2016 genauso unwählbar wie der texanische Senator Ted Cruz , auch er ein Darling der Tea Party und außerdem ein entschiedener Gegner des republikanischen Establishments.

Obamas Direktive zur Legalisierung von Millionen Illegalen bezeichnete Cruz als „gesetzlose Amnestie“, im Nahen Osten will er islamistische Radikale „zurück in die Steinzeit bomben“. Mit ihm käme Bewegung in die amerikanische Politik, die Richtung aber würde eine Wählermehrheit schockieren.

Ein anderer Texaner macht sich gleichfalls Hoffnungen auf das Präsidentenamt, im Gegensatz zu Cruz aber ist er ein alter Bekannter: Ex-Gouverneur Rick Perry will es nach der legendären Pleite von 2012 noch einmal wissen. Runderneuert mit modischer Brille und ohne Cowboystiefel strebt er nach Iowa und versammelt Geldgeber. Viel helfen wird es ihm nicht. „Er ist ein guter Kerl, aber seine Zeit ist abgelaufen“, senkte ein einflussreicher Washingtoner Lobbyist unlängst gegenüber dem Magazin „Politico“ den Daumen.

Nicht so Rand Paul : Die Zeit des Senators aus Kentucky und Bannerträgers republikanischer Libertarier könnte erst noch kommen. Dass Paul interessant ist, steht außer Frage: Er wirbt um Minderheiten, er spricht sich gegen eine militaristische Außenpolitik aus, er kratzt an den Dogmen der Partei. „Ich glaube, ich habe soeben Ronald Reagan gehört“, jubelte der republikanische Insider Grover Norquist nach einer Rede Pauls und erhob den Senator damit in den Adelsstand. Der afroamerikanische Bürgerrechtler Al Sharpton glaubt sogar, eine Kandidatur Pauls sei „gefährlich für die Demokraten“, weil der Senator eben nicht das republikanische Credo herunterbete.

Andererseits fehlt es Paul an politischer Erfahrung, auch missfällt seine zurückhaltende Außenpolitik neokonservativen Interventionisten in der Partei. „Total überschätzt“ werde Paul, schmähte ihn einer ihrer Wortführer, der Publizist William Kristol. Floridas Senator Marco Rubio wäre Kristol genehm, Rubio aber verstolpert sich zuweilen und könnte als Vizepräsidentschaftskandidat in die engere Wahl geraten. Schon eher dürfte die Partei auf einen Gouverneur wie New Jerseys Chris Christie oder Wisconsins soeben wiedergewählen Scott Walker zurückgreifen. Christie aber ist nicht nur ein loses Mundwerk und ein vulkanisches Temperament zu eigen: New Jerseys wirtschaftliche Probleme könnten zu einem unwillkommenen Wahlkampfthema werden.

Der Mann aus Wisconsin hingegen hat, was es in republikanischen Augen braucht: Er fertigte die Gewerkschaften des öffentlichen Dienstes in seinem Staat ab und schob allerhand Reformen an. Die Republikaner, schrieb denn auch das „Wall Street Journal“ mit Blick auf Walker, müssten sich „nicht nur auf ein R für ,Republikaner‘, sondern auch auf ein R für ,Reformer‘ konzentrieren“. Ob die Parteibasis Walker folgen würde, steht freilich in den Sternen. Im allerschlimmsten Fall könnte sie im Gefolge einer politischen Selbstzerfleischung bei den Vorwahlen wieder Mitt Romney nominieren. Der unterlegene Kandidat von 2012 kokettiert mit einer weiteren Kandidatur, am Geld fehlte es ihm nicht. Aber unweigerlich hinge ihm der Makel eines Verlierers an.

Die chancenreichsten Kandidaten

Hillary Clinton
Demokratin; Ex-First-Lady; Ex-Senatorin; Ex-Außenministerin; Ex-„unvermeidliche Kandidatin“, die 2008 von Obama besiegt wurde

Elizabeth Warren
Demokratin; Senatorin von Massachusetts; Expertin für Verbraucherschutzfragen; gehört eher dem linken Flügel der Partei an

Martin o’Malley
Demokrat; Gouverneur von Maryland; sein Wunsch, zu kandidieren, ist „das am schlechtesten gehütete Geheimnis“ von Maryland

Joe Biden
Demokrat; Vizepräsident seit 2009; wird kraft seines Amtes als potenzieller Kandidat gehandelt; gilt aber als zu alt (72) und deshalb chancenlos

Jeb Bush
Republikaner; Ex-Gouverneur von Florida (1999–2007); Ex-Präsidenten-Sohn und Ex-Präsidenten-Bruder; erwies sich als moderater Konservativer

Mike Huckabee
Republikaner; Ex-Gouverneur von Arkansas (1996–2007); Vorwahl-Kandidat 2008, nicht aber 2012. Will Abtreibung verbieten

Ted Cruz
Republikaner; Senator von Texas; 43 Jahre alt; sein Vater ist kubanischer Abstammung; anti-Abtreibung, anti-Homo-Ehe; pro-Recht-auf-Waffenbesitz

Rick Perry
Republikaner; Gouverneur von Texas; war 2012 Kandidat bei den Vorwahlen, unterstützte nach seinem Ausscheiden Mitt Romney; pro-Todesstrafe

Rand Paul
Republikaner; Senator von Kentucky; „interessantester Mann der amerikanischen Politik“ („Time“); Sohn von Ex-Präsidentschaftskandidat Ron Paul

Marco Rubio
Republikaner; Senator von Florida; könnte als Sohn kubanischer Einwanderer die Konservativen mit den Einwanderern versöhnen

Chris Christie
Republikaner; Gouverneur von New Jersey; setzt sich über parteipolitische Grenzen hinweg; Nachteil: New Jerseys wirtschaftliche Probleme und Christies Gewicht

Scott Walker
Republikaner; Gouverneur im wichtigen Swing State Wisconsin; steht der ultrakonservativen „Tea Party“ nahe; Spitzname: „Mussolini des Westens“

Mitt Romney
Republikaner; Ex-Gouverneur von Massachusetts (2003–2007); würde zum dritten Mal kandidieren; unterlag 2012 Obama; gute Umfragewerte