Paris nach den Anschlägen: Ausnahmezustand als Alltag

Soldatinnen vor dem Arc de Triomphe in Paris

Soldatinnen vor dem Arc de Triomphe in Paris

Wie fühlt sich das Leben in Paris knapp fünf Monate nach den Anschlägen auf den Konzertsaal Bataclan und das Stade de France an? Christina Feist, die das Studienjahr 2014/15 in der französischen Hauptstadt verbracht hat, kehrte für ein paar Tage zurück und berichtet von ihren Eindrücken.

Als am 13. November 2015 ein weiteres Attentat Paris erschütterte, stand das Leben in der französischen Hauptstadt still. Am selben Tag noch wurden mehrere Demonstrationen in Gedenken an die Opfer des Attentats organisiert. Tausende Menschen nahmen an den Protesten teil und zeigten ihre Solidarität gegenüber den Opfern. Charlie Hebdo und der Konzertsaal Bataclan wurden zum Symbol für den innerfranzösischen Zusammenhalt, sowie Nährboden für zahlreiche Anti-Terror-Maßnahmen und politisch fragwürdige Statements. Doch wie steht es um die Situation in der französischen Hauptstadt vier Monate nach dem jüngsten Attentat?

Polizeipräsenz rund um den Campus gestiegen

Das Leben scheint wieder zur Normalität übergegangen zu sein, die Atmosphäre in Paris ist deutlich weniger gespannt. Die nach den Attentaten am Brüsseler Flughafen Zaventem medial angekündigte Verstärkung der Sicherheitstruppen in Paris fällt kaum auf, wurden doch bereits nach den Attentaten im Jänner 2015 die Sicherheitsvorkehrungen verschärft: Unmittelbar nach dem Attentat auf die Redaktion des Magazins „Charlie Hebdo“ trat der sogenannte „Plan Vigipirate“, zu deutsch „Alarmstufe rot“, ein. Der Zutritt zu Museen und anderen öffentlichen Gebäuden ist seither nur unter strengen Sicherheitsvorkehrungen möglich. Taschen und Rucksäcke werden durchsucht, Ausweise sind verpflichtend vorzuzeigen. Auch an den Pariser Universitäten herrscht nach wie vor „Alarmstufe rot“.

Konnte man vor Jänner 2015 noch jederzeit mit und ohne Ausweis die Pforten der Ecole Normale Supérieure in der Pariser rue d'Ulm passieren, so wurde unmittelbar nach dem Attentat eine eigene Sicherheitsfirma angeheuert, die jeden einzelnen Besucher der Universität genauestens überprüft. Wer seine Universitätszugehörigkeit nicht auf Nachfrage unter Beweis stellen kann, darf das Gelände nicht betreten. Besonders zu späterer Stunde, wenn sich die Studenten, im universitätseigenen Hof zum abendlichen Picknick treffen, ist das Betreten des Campus nur unter Vorweisen eines Lichtbildausweises möglich. Auch die Polizeipräsenz rund um den Campus ist sichtlich gestiegen. An die Beamten, die in Universitätsnähe abwechselnd Wache halten, haben sich die Studenten jedoch schon längst gewöhnt.

Schengen adé

Bei der Abreise aus Paris machen sich auch am Flughafen einige Veränderungen schnell bemerkbar: Vor dem Betreten des Flughafens werden Taschen durchsucht und Ausweise kontrolliert. Beim Baggage-Drop-Off wird klar, dass auch das Schengen-Abkommen längst der Vergangenheit angehört. Denn, wer keinen gültigen Reisepass vorweisen kann, darf auch nicht fliegen.

Die Pariser haben sich längst daran gewöhnt, dass der Ausnahmezustand zum Alltag geworden ist.