Prostitution: In Europa tobt der Kulturkampf um käuflichen Sex

Prostitution: In Europa tobt der Kulturkampf um käuflichen Sex

Kulturkampf um die Prostitution: Der Versuch, aus dem Rotlicht-Gewerbe einen normalen Beruf zu machen, gilt als gescheitert. Der Ruf nach einem generellen Verbot wird immer lauter. Diese Woche debattiert das französische Parlament ein Gesetz zur Bestrafung von Freiern, in der Schweiz und in Deutschland gibt es ähnlicheForderungen. Soll die Prostitution zum Schutz der Frauen abgeschafft werden?

So kann eine Prohibitionsära beginnen: In Frankreich geht an diesem Mittwoch eine Gesetzesvorlage in Begutachtung, die den Ankauf sexueller Dienstleistungen strafrechtlich verfolgen will. Strafandrohung für Ersttäter: 1500 Euro. Effekt: heftigste Erregung. Die Zeitschrift „Caseur“ veröffentlichte am 5. November ein „Manifest der 343 Dreckskerle“, in dem diese – überwiegend Schriftsteller, Schauspieler, Intellektuelle – gegen das Anti-Freier-Gesetz nach schwedischem Modell (dort wurde die Kriminalisierung von Freiern bereits 1999 beschlossen) protestierten und auf ihrem Recht auf private Freizügigkeit beharrten. Prostituiertenverbände schlossen sich dem Protest an und beharrten ihrerseits auf dem Recht auf freie Berufsausübung. Ihr Motto: „Ne touche pas à ma pute! – Lass meine Hure in Frieden!“

Just zur gleichen Zeit zettelte Alice Schwarzer in Deutschland eine ähnliche Debatte an und forderte in ihrem Magazin „Emma“ gar ein Komplettverbot der Prostitution. Diese sei „moderne Sklaverei“ und „verletzt die Menschenwürde von Männern und Frauen“. Unterzeichnet wurde Schwarzers Appell von 90 weiteren Prominenten, darunter Senta Berger, Maria Furtwängler, Sarah Wiener und Reinhard Mey. Die Ansage fiel auf fruchtbaren Boden: Auch in den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen CDU und SPD steht das deutsche Prostitutionsgesetz zur Debatte. Dabei galt es lange als Musterprojekt: Verabschiedet 2002 von der rot-grünen Bundesregierung, sollte es durch eine arbeits- und sozialrechtliche Normalisierung des Gewerbes die Situation derProstituierten verbessern. Heute gilt das Gesetz weithin als Fehlschlag. In einem Evaluierungsbericht des deutschen Familienministeriums hieß es schon im Jahr 2007, dass die Liberalisierung „keine messbare tatsächliche Verbesserung der sozialen Absicherung von Prostituierten“ ergeben habe. Der „Tagesspiegel“ formulierte es vor wenigen Tagen etwas deutlicher: „Heute kann man das Gesetz durchaus als ungewollte Fördermaßnahme für Menschenhandel bezeichnen.“ Eine weitere Verschärfung des deutschen Prostitutionsgesetzes scheint ausgemacht.

Auch in der Schweiz regten sich jüngst Verbotsbefürworter, 43 Nationalräte aus allen politischen Lagern mahnten eine öffentliche Debatte zu dieser Frage ein.

In Österreich kocht der Kulturkampf um die Prostitution noch auf vergleichsweise niedriger Flamme. Aber was spricht eigentlich dagegen, Prostitution zu verbieten? Und was umgekehrt dafür, sie zu einem ganz normalen Job zu machen?

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