Referendum: Schottland stimmt gegen die Unabhängigkeit

Referendum: Schottland stimmt gegen die Unabhängigkeit

Die schottische Unabhängigkeitsbewegung hat das Referendum über die Loslösung von Großbritannien verloren. Die Wahlbehörde verkündete Freitag früh, dass mehr als die Hälfte der Wahlberechtigten mit "Nein" stimmten. Die schottische Vize-Regierungschefin Nicola Sturgeon räumte gegenüber dem Sender BBC die Niederlage ein.

Die Schotten sagen "NO" - und auch die Regierungen in Europa atmen auf. Beim Referendum über die Unabhängigkeit von Großbritannien haben sich die Schotten mit klarer Mehrheit gegen die Loslösung und für die Fortsetzung der seit 307 Jahren bestehenden Union mit England sowie mit Wales und Nordirland entschieden. Schottlands Ministerpräsident Alex Salmond räumte seine Niederlage ein.

"Wir wissen jetzt, dass es eine Mehrheit für die "No"-Kampagne geben wird. Ich akzeptiere das Urteil des Volkes, dass es zu diesem Zeitpunkt keine Unabhängigkeit geben soll", sagte er am Freitagfrüh vor Anhängern.

Um 6.10 Uhr Ortszeit (7.10 Uhr MESZ) war die Entscheidung klar. Großbritannien bleibt tatsächlich groß - ein Herzenswunsch von Premierminister David Cameron geht in Erfüllung. Der konservative britische Regierungschef hatte im Vorfeld erklärt, es würde ihm das Herz brechen, wenn sich die Schotten von der "erfolgreichsten Familie von Nationen", die die Welt je gesehen haben, verabschiedet hätten.

Spötter meinten, ein "Ja" der Schotten hätte dem Premierminister wohl nicht nur das Herz gebrochen. Parteiintern stand Cameron am Pranger, weil er die Unabhängigkeitsbestrebungen im nördlichsten Teil seines Landes lange Zeit völlig unterschätzt hatte. Hätte Schottland mit "Ja" gestimmt, hätte vor allem der Rest Großbritanniens vor erheblichen finanziellen und strukturellen Problemen gestanden.

Gerettet hat Cameron und damit auch den Rest Großbritanniens wohl ein anderer. Der Polit-Veteran Gordon Brown von der Labour-Partei, Camerons im Jahr 2010 abgewählter Vorgänger in der Downing Street, hatte in den letzten Tagen des Wahlkampfes mit leidenschaftlichen und gefeierten Reden für den Fortbestand der Union geworben. Nach Meinung von Wahlforschern dürfte er damit die Aufholjagd der Unabhängigkeitsbewegung entscheidend gestoppt haben.

Das "Nein" der Schotten zur Unabhängigkeit wird auch im Ausland gerne gehört. Zwar war US-Präsident Barack Obama der einzige Staatsmann von Weltrang, der sich klar positionierte und sich ein "starkes und geeintes Großbritannien" auf der Weltbühne wünschte. Doch gilt es als gesichert, dass auch in Europa viele Regierungen ein schottisches "Nein" bevorzugen. Für die europäische Union wurden Nachahmereffekte etwa in Spanien und Belgien, aber auch im italienischen Südtirol befürchtet. Sogar das Schreckgespenst eines Auseinanderbrechens der EU malten einige an die Wand.

Großbritannien wird sich nach der Entscheidung in Schottland dennoch verändern. Denn immerhin 1,6 Millionen Schotten wollten sich aus der Gemeinschaft verabschieden. Premierminister Cameron und die Chefs der anderen großen Westminster-Parteien versprachen den bereits teilautonomen Schotten im Falle eines "Neins" zur Unabhängigkeit noch mehr Selbstbestimmung. Dieser "Schwur" rief sofort Proteste in anderen Landesteilen herauf. Der Ministerpräsident von Wales wollte noch am Freitag in einer Pressekonferenz seinen Forderungskatalog vorstellen.

In England selbst bekommt Cameron Druck aus der eigenen Fraktion. Die Abgeordneten in den vernachlässigten Regionen außerhalb Londons, die sich bei der Parlamentswahl im Mai zur Wiederwahl stellen, wollen auch ihren Wählern etwas anbieten können. Die Diskussionen begannen am Freitag bereits, als die Ergebnisse noch nicht einmal richtig feststanden.

(APA/Red.)