Schuldspruch wegen Völkermordes: Lebenslang für Mladic

UN-Tribunal verurteilt Ratko Mladic zu lebenslanger Haft

Mehr als zwei Jahrzehnte nach dem Ende des Bosnienkrieges hat die internationale Justiz den ehemaligen bosnisch-serbischen Militärchef Ratko Mladic zur Rechenschaft gezogen: Das UN-Tribunal in Den Haag verurteilte den 74-Jährigen wegen Völkermordes, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit zu lebenslanger Haft. Mladic will nach Angaben seines Sohnes Darko Berufung einlegen.

Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Richter des UNO-Tribunals für Kriegsverbrechen im ehemaligen Jugoslawien (ICTY) sprachen ihn am Mittwoch in Den Haag unter anderem wegen Völkermordes in Srebrenica 1995 schuldig. Mladic ist laut dem Urteil für schlimmste Gräuel des Balkankrieges (1992 -1995) verantwortlich.

Mladic war Oberkommandant der bosnisch-serbischen Truppen, die im Juli 1995 in die UNO-Schutzzone Srebrenica eingedrungen waren und anschließend etwa 8.000 bosnisch-muslimische Buben und Männer ermordet hatten.

Schuldig in zehn von elf Anklagepunkten

Die Richter in Den Haag sprachen Mladic in zehn der elf Anklagepunkte schuldig und folgten mit dem Strafmaß am Mittwoch dem Antrag der Staatsanwaltschaft. Die Verteidiger hatten auf Freispruch in allen Punkten oder höchstens 15 Jahre Haft plädiert.

Während der Urteilsverkündung war Mladic aus dem Gerichtssaal entfernt worden, nachdem er lautstark protestiert hatte. Die Verteidigung hatte zuvor erfolglos gefordert, die Urteilsverkündung abzukürzen, weil der Blutdruck des Angeklagten gefährlich hoch sei.

Mladic war erst 2011 nach 16 Jahren auf der Flucht verhaftet und dem UNO-Tribunal übergeben worden. Es ist das letzte Völkermord-Urteil des Gerichts, das nach 24 Jahren zum Jahresende seine Arbeit abschließt.