Ukraine-Krise: Russische LKWs überschritten ohne Erlaubnis Grenze

Ukraine-Krise: Russische LKWs überschritten ohne Erlaubnis Grenze

Nach tagelangem Warten hat Russland ohne Zustimmung der ukrainischen Regierung erste Lastwagen aus seinem riesigen Hilfskonvoi über die Grenze in die Ostukraine fahren lassen. Rund 100 der insgesamt rund 280 weißgestrichenen Fahrzeuge hätten den Übergang Donezk-Iswarino passiert, berichteten russische Agenturen am Freitag. Kiew sprach von einer "direkten Invasion".

Die Führung in Kiew bestätigte, dass rund 90 Lastwagen ohne ukrainische Zustimmung und ohne Begleitung des Roten Kreuzes losgefahren seien. "Es handelt sich um Militärfahrzeuge unter dem zynischen Deckmantel des Roten Kreuzes", sagte der Chef des Inlandsgeheimdienstes SBU, Valentin Nalywajtschenko, am Freitag laut der Nachrichtenagentur Interfax Ukraine. "Wir betrachten dies als eine direkte Invasion Russlands in die Ukraine", erklärte der Chef des Sicherheitsrates, Walentin Naliwaytschenko.

"Russland hat beschlossen zu handeln"
Russland hatte zuvor mitgeteilt, nach wochenlangem Streit mit der Ukraine werde man nicht länger auf das Einverständnis des Roten Kreuzes und der prowestlichen Regierung in Kiew warten. "Weiter können wir solche Willkür und offenkundigen Lügen nicht dulden. Russland hat beschlossen zu handeln", betonte das Außenministerium in Moskau.

Der Konvoi starte in Richtung der Separatistenhochburg Luhansk (Lugansk), hieß es. Die Großstadt mit mehr als 200.000 Einwohnern ist nach Darstellung der örtlichen Behörden seit fast drei Wochen ohne Strom und Wasser. Ein Sprecher des russischen Zolls sagte, die Kontrolle einer zweiten Gruppe aus 34 Lastwagen habe im russischen Grenzort Donezk begonnen.

Die ukrainische Stadt Luhansk (Lugansk) auf "Google Maps"


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Gebiet um Lugansk von Aufständischen kontrolliert
Russland hatte ursprünglich eingewilligt, die Leitung des Konvois dem Internationalen Roten Kreuz zu übergeben. Das IKRK wollte aber nicht ohne Sicherheitsgarantien der Ukraine losfahren. Die Führung in Kiew verweigerte Garantien mit Hinweis darauf, dass das Gebiet zwischen der Grenze und Lugansk von Aufständischen kontrolliert werde. Die prorussischen Separatisten sagten der Agentur Interfax, sie würden den Konvoi begleiten. Das russische Rote Kreuz erklärte sich bereit, den Konvoi anstelle des Internationalen Roten Kreuzes (IKRK) zu betreuen.

Die Kolonne mit rund 2.000 Tonnen Lebensmitteln war am 12. August in Moskau losgefahren und hatte danach tagelang an der Grenze gestanden. Von ukrainischer Seite war anfangs der Verdacht geäußert worden, in den Lastwagen könnten auch Waffen für die Separatisten versteckt sein.

Donezk weiter umkämpft
Der Sicherheitsrat in Kiew bestätigte den Abschuss eines Kampfhubschraubers vom Typ Mi-24 durch die Aufständischen. Dabei sei am Mittwoch die Besatzung ums Leben gekommen. In der ukrainischen Großstadt Donezk wurde nach Informationen des Stadtrats weiter heftig gekämpft. Beim Beschuss eines mehrstöckigen Hauses wurden demnach zwei Kinder getötet. Die Kuppel einer Moschee wurde zudem von Geschossen beschädigt.

Der ukrainische Außenminister Pawel Klimkin forderte im ZDF-"Morgenmagazin" eine richtige Kontrolle der Grenzen, um Waffenlieferungen an die Aufständischen zu unterbinden. Nach Darstellung Kiews erhalten die Separatisten Gerät und Kämpfer aus Russland. Vor dem Besuch der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel am Samstag warb Klimkin erneut für Unterstützung des Westens. In Anspielung auf die US-Wirtschaftshilfe zum Wiederaufbau Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg ("Marshall-Plan") sprach er sich für einen "Merkel-Plan" und Hilfen der Europäischen Union aus.

(APA/Red.)