Ukraine: Präsident Poroschenko wirft Russland Einmarsch vor

Ukraine: Präsident Poroschenko wirft Russland Einmarsch vor

Der ukrainische Präsident Petro Poroschenko hat Russland einen Einmarsch in sein Land vorgeworfen. Ein Ort an der Küste des Asowschen Meeres wurde nach ukrainischen Angaben von russischen Truppen und prorussischen Separatisten eingenommen. Russland bestritt den Einsatz seiner Truppen in der Ukraine. Ein Rebellenführer erklärte, bis zu 3.000 russische Soldaten seien auf "Urlaub" in der Ukraine.

Unklarheit gab es zunächst um die Übersetzung der Worte Poroschenkos. "Ich habe einen Besuch in der Türkei abgesagt, (...) da eine Intervention russischer Streitkräfte in der Ukraine stattfand", teilte Poroschenko in einer Erklärung laut der Agentur dpa mit. Die Nachrichtenagentur Reuters, die seine Worte zunächst als "Invasion" übersetzt hatte, korrigierte später seine Angaben. Reuters übersetzt Poroschenkos Aussagen nun so, dass "russische Truppen in die Ukraine gebracht worden" seien.

Russland dementiert
Nach einer Sondersitzung der OSZE am Donnerstag in Wien dementierte der russische OSZE-Vertreter Andrej Kelin einen Einmarsch seines Landes in der Ostukraine. Die russische Führung habe "keinerlei Interesse" an einer Invasion in der Ostukraine, sagte Kelin.

Die Meldungen über die Eroberung der Küstenortschaft Nowoasowsk wenige Kilometer westlich der Grenze folgt einen Tag auf Berichte aus Kiew, wonach eine russische Militärkolonne mit hundert Panzern und Raketenwerfern die Grenze überquert habe. Nowoasowsk liegt an der Hauptstraße nach Mariupol etwa hundert Kilometer südlich der Rebellenhochburg Donezk. Durch die Region führt auch ein Landweg auf die von Russland annektierte Schwarzmeerhalbinsel Krim. In Donezk und Lugansk weiter nordöstlich waren die Aufständischen zuletzt erheblich unter Druck geraten.

Poroschenko: "Welt muss sich äußern"
Poroschenko fordert mit Nachdruck eine Sondersitzungen des UN-Sicherheitsrats und des EU-Rates. "Die Welt muss sich zur heftigen Verschärfung der Lage in der Ukraine äußern", forderte der Präsident, der am Samstag am Rande des EU-Sondergipfels in Brüssel erwartet wird.

Das ukrainische Militär hatte zuvor mitgeteilt, die Kontrolle über eine Grenzregion im Südosten weitgehend verloren zu haben, und Einheiten aus dem Nachbarland dafür verantwortlich gemacht. Bereits am Mittwoch hatte ein Militärsprecher von mehr als 100 russischen Fahrzeugen gesprochen, die im Osten der Ukraine unterwegs seien.

Die prorussischen Separatisten erklärten, sie würden seit langem von Soldaten aus dem Nachbarland unterstützt. "Wir haben nie einen Hehl daraus gemacht, dass es unter uns viele Russen gibt, ohne deren Hilfe wir es sehr schwer hätten", sagte der Separatistenführer Andrej Sachartschenko dem russischen Fernsehsender: "Unter uns sind kämpfende reguläre Soldaten, die ihren Urlaub lieber nicht an einem Strand verbringen würden, sondern bei ihren Brüdern sein wollen, die für ihre Freiheit kämpfen."

(APA/Red.)