Ukraine: Über 20 Tote nach neuen Auseinandersetzungen

Ukraine: Über 20 Tote nach neuen Auseinandersetzungen

In der ukrainischen Hauptstadt Kiew haben die Demonstranten am Donnerstag nach erneuten Auseinandersetzungen mit der Polizei die Kontrolle über den Maidan-Platz zurückgewonnen. Reuters-Fotograf berichtet von über 20 Todesopfern.

Fernsehbilder zeigten, wie die Regierungsgegner auf Gebiete vorrückten, die am Tag zuvor in der Hand der Polizei gewesen waren. Mehrere Polizisten wurden von Demonstranten gefangen genommen und weggebracht.

Trotz des erst am Mittwoch vereinbarten Gewaltverzichts feuerte die Polizei Blendgranaten, und die Demonstranten schossen Feuerwerkskörper ab.Im Zuge der erneuten Auseinandersetzungen gab es offenbar erneut Todesopfer. Das Fernsehen zeigte am Donnerstag Bilder, auf denen zwei Leichen in der Nähe des Maidan-Platzes zu sehen waren. Die Körper waren mit Decken bedeckt. Ein Reuters-Fotograf berichtet sogar von über 20 Todesopfern.

Der Oppositionspolitiker Witali Klitschko machte die Polizei für den Bruch des Gewaltstopps verantwortlich. "Wir sehen die Situation außer Kontrolle", sagte Klitschko nach einem Treffen mit den Außenministern von Deutschland, Polen und Frankreich in Kiew. Frank-Walter Steinmeier, Laurent Fabius und Radoslav Sikorski befinden sich auf Vermittlungsmission in Kiew. Entgegen einer Meldung, sie seien aufgrund der Gewalt wieder abgereist, befinden sie sich gerade im Präsidentenpalast, um mit Janukowitsch zu sprechen.

Der Präsident des Europaparlaments, Martin Schulz, glaubt unterdessen nicht, dass Janukowitsch zurücktreten wird. "Und die Leute, die den Rücktritt des Präsidenten fordern, haben nicht die Mittel, ihn dazu zu zwingen", sagte Schulz am Donnerstag im ZDF. Die Außenminister von Deutschland, Frankreich und Polen müssten bei ihren Treffen in Kiew beide Konfliktparteien zu Gesprächen und möglicherweise vorgezogenen Neuwahlen bewegen. "Wenn sie an einem Tisch sitzen, dann schießen sie schon mal nicht", sagte Schulz. Gelinge dies nicht, werde es Sanktionen der EU geben.

NATO-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen warnte die Regierung der Ukraine unterdessen vor neuer Gewalt gegen Demonstranten. "Falls das Militär gegen die Opposition vorgeht, so würden dadurch die Verbindungen der NATO mit der Ukraine ernsthaft beschädigt", heißt es in einer in der Nacht auf Donnerstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung. Die NATO und die Ukraine sind in einer gemeinsamen "NATO-Ukraine-Kommission" verbunden, Kiew beteiligt sich auch an zahlreichen militärischen Einsätzen der NATO, unter anderem in Afghanistan und als Mitglied der NATO-Eingreiftruppe NRF.

(APA/Red.)